US-Investmentbanken: eine Ära geht zu Ende
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 22. September 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
zunächst sei mir ein tiefer Aufseufzer gestattet nach der vergangenen Woche, von der ich trotz allem nie gedacht hätte, dass ich sie denn tatsächlich noch aktiv erleben könnte. Seufz!
Das war sie und beendet wurde sie mit Henry Paulsons (der Mann wird sicher auch in die Geschichtsschreibung eingehen) Masterplan:
Ein Plan der teuer wird - ohne Frage - aber dennoch notwendig ist. Und ich möchte es noch einmal betonen: das US-Finanzministerium hat das Finanzsystem noch einmal knapp vor dem Zusammenbruch bewahrt. Zumindest das was vom Finanzsystem noch übrig geblieben ist oder bleiben wird!
Nun gut, der Masterplan heißt TARP.
TARP steht für troubled asset relief programme und wird zunächst einmal den US-amerikanischen Steuerzahler 700 Milliarden US-Dollar kosten.
Noch fehlen viele Details, aber was bislang bekannt geworden ist lautet wie folgt:
Unter TARP wird die US-Regierung generell alle bad loans" aufkaufen (können), nicht nur die faulen Mortgages (Hypothekenkredite).
Hedge Fonds sind laut Henry Paulson von dem Rettungsprogramm ausgeschlossen.
Doch ein zusätzliches Bonbon bringt Beruhigung: Laut Paulson dürfen auch ausländische Banken, die in den USA tätig sind und dort Arbeitsplätze generieren, unter bestimmten Voraussetzungen an dem Notfallprogramm teilnehmen.
Zudem fordert der US-Finanzminister völlig zurecht seine Kollegen rund um den Globus dazu auf, ähnliche Notfallprogramme und Rettungsmaßnahmen für ihre eigenen inländischen Banken und Finanzinstitute ins Leben zu rufen.
Völlig zurecht" sage ich, denn auch in Deutschland oder der Schweiz sollten die Verantwortlichen es bitte nicht einmal in Erwägung ziehen durch die Nichtrettung einer Großbank ihren eigenen Finanzsektor kollabieren zu lassen. Auch wenn's teuer wird, aber tritt der schlimmste Fall ein, dann käme uns das alle noch viel teurer zu stehen.
Doch zurück zur Gegenwart, die da den Namen Beruhigung trägt.
Ja, das Notfallpaket der US-Regierung hat es geschafft die Märkte zu stabilisieren. Doch neben Marktberuhigung hat die Krise noch eine weitere Konsequenz gefordert:
Die Aufsichtsmaßnahmen werden erhöht.
Das Ende der US-Investmentbanken
Ja, die Krise hat ihre Opfer gefordert. Die Ära der Investmentbanken geht zu Ende.
Obgleich die letzten beiden US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley - im Gegensatz zu ihrer notleidenden, insolventen oder verstaatlichten Konkurrenz - eigentlich noch bis zum Ende profitabel gewirtschaftet hatten, war die Krise der letzten Woche zuviel.
Beide Investmentbanken waren zum größten Teil auf Fremdkapital angewiesen.
Doch ihr hoch-risikoreiches Geschäftsmodell, durch den Handel mit kurzfristigen Krediten Erträge und unter enormem Risiko hohe Gewinne zu erzielen, musste im Zuge der Finanzkrise, mit ihrem Vertrauensverlust und dem massiven Liquiditätsrückgang, scheitern.
Die beiden Banken gerieten dadurch in der letzten Woche so stark unter Druck, dass Morgan Stanley schon gezwungen war Gespräche mit potenziellen Käufern zu führen.
Am Sonntag dann gaben sie auf: ihren Sonderstatus nämlich. Beide Banken gaben ihre großen Freiheiten auf und werden ab sofort nur noch gewöhnliche Geschäftsbanken sein.
Das wird schlussendlich ihre Profitabilität einschränken, denn nun unterliegen sie den Kontrollmechanismen und der Aufsicht der FED.
Das bedeutet: keine hochrisikoreichen Geschäfte mehr. Damit sind aber auch nicht mehr die überdimensional hohen Gewinnmöglichkeiten drin. Das ist auch das Ende der extrem hohen Bonuszahlungen für die dort tätigen Manager und Händler.
Aber anders ging es eben nicht mehr! Beiden Banken war klar, dass sie nur noch mit einem weniger risikoreichen Geschäftsmodell überleben können. Zudem erhalten beide Banken nun zusätzliche Liquidität von der FED.
Die Ära der Investmentbanken geht zu Ende...was bedeutet das?
Nun, da auch die großen US-Investmentbanken den Regeln der FED unterstellt sind, dürfte schlussendlich auch die Handlungsfreiheit der Hedge Fonds eingeschränkt sein.
Was bleibt ist schließlich ein Finanzmarkt der starken Regulierungen unterworfen sein wird (siehe dazu auch Pläne der Demokratischen Partei in den USA, die wohl unabhängig von der Präsidentschaftswahl eine Mehrheit im Kongress verteidigen wird).
Am Ende wird man wohl sagen, dass die Finanzkrise der letzten Woche - obwohl das System als solches gerettet werden konnte - das Ende des Finanzsystems wie wir es bisher kannten bedeutet.
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