US-Inflationsrate fällt weiter
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. Mai 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Wenn das Leben einfacher wäre!
Der Dollar ist weiter gefallen.
Der Goldpreis ist gestiegen. Der Euro auch. Sollten nicht auch die amerikanischen Konsumentenpreise steigen?
Der Dollar ist "schwer", so Devisenhändler. Es sieht so aus, als ob er einfach fallen muss. Aber wenn er fällt – wird er dann nicht auch weniger wertvoll? Sollte man mit dem gleichen Dollarbetrag dann nicht weniger Brote oder weniger Sixpacks Bier kaufen können?
Es ist entweder mehr ... oder weniger, oder? Entweder Inflation oder Deflation ... hoch oder runter, ... schwarz oder weiß?
Nein ...
An den Devisenmärkten urteilen die Investoren über den Dollar genauso, wie sie über den US-Präsidenten urteilen: Der Dollar ist keine erstklassige Währung mehr, sondern nur "heiße Luft"-Papiergeld.
Wenn der Präsident einer Nation öffentlich in Uniform erscheint, dann kann man fast sicher sein, dass die Währung dieses Landes fallen wird. Denn das erinnert an einen lateinamerikanischen Diktator oder an einen 1-Million-Peso-Geldschein. Wer kann beides ernst nehmen?
Aber in den USA fürchten einige Ökonomen regelrecht, dass der Dollar seinen Wert halten könnte.
"Der Rückgang der Inflationsrate hat einige Volkswirte verwirrt", so eine Schlagzeile von USA Today. Diese Zeitung berief sich auf die bemerkenswerte Ankündigung der Fed in der letzten Woche, die sich "über einen unwillkommenen Rückgang der Inflationsrate" Sorgen gemacht hatte.
Normalerweise träumen Menschen nicht von einer steigenden Inflationsrate – und sie wachen auch nicht morgens in der Hoffnung auf, dass sie in der Zeitung von einer steigenden Inflationsrate lesen können. Im Gegenteil – viele Leute werden etwas nervös, wenn die Preise steigen. Deshalb ist es nicht leicht zu verstehen, warum laut USA Today ein Rückgang der Inflationsrate "unwillkommen" ist.
Derzeit beträgt in den USA die Inflation auf Konsumentenpreisebene weniger al 1 %. Und die Ökonomen machen sich darüber Sorgen.
Oh, ihr Götter des Geldhimmels ... wie konntet ihr diesen glücklichen und fleißigen Menschen so ein scheußliches Schicksal bescheren – stabile Preise! Nehmt jeden Erstgeborenen, verwandelt unsere Frauen und Schafe ... aber lasst unsere Preise wieder steigen!
Die ganze Sache ist, natürlich, absurd. Aber mich hat keiner nach meiner Meinung gefragt.
1980 stand die amerikanische Inflationsrate bei 12,4 %. Seitdem ist die Inflation (gemessen auf Verbraucherpreisebene) um ca. 1 Prozentpunkt pro Jahr zurückgegangen. Nachdem dieser Trend 13 Jahre angehalten hat, ist die Inflation gerade noch positiv. Die Immobilienpreise, die Ausbildungs- und Krankheitskosten steigen – aber die meisten anderen Preise fallen. Und die Wirtschaftslage verschlechtert sich – genauso wie der Dollar an den Devisenmärkten.
Ich versuche, herauszufinden, was das alles bedeutet ... aber keiner hat jemals gesagt, dass dies leicht sein würde ...