US-Indizes: Abwärtsdruck lässt nach
Andreas Wolf in Investors Daily Update
vom 3. September 2009, 10:30 Uhr
Nach vier Verlusttagen infolge nähert sich der Dow einer ersten deutlicheren Gegenreaktion an. Zwar reichte die Kraft der Bullen zum Halten der zwischenzeitlich erzielten Tagesgewinne nicht aus, dennoch konnten auch die Bären nicht mehr viel Abwärtsdynamik mobilisieren. Im Vorfeld der für Morgen zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktdaten werden sich die Marktteilnehmer aber heute mit größeren Engagements zurückhalten.
Da auch die Abwrackprämie in den USA ein Erfolg ist, immerhin gibt es bis zu 4.500 US-Dollar für die Verschrottung eines alten und den Kauf eines neuen Fahrzeuges, wird bereits ausgiebig über ein neues Konjunkturpaket seitens der Regierung diskutiert. Die in diesem Zusammenhang in den Mittelpunkt rückende, explosionsartig steigende Staatsverschuldung würde allerdings alle Treueschwüre von Präsident Obama hinsichtlich einer geordneten Haushaltskonsolidierung in dieser Amtsperiode obsolet werden lassen.
Der jüngste Anstieg des Goldpreises (wird im zweiten Teil diskutiert) sollte diesbezüglich ein Warnsignal für die Verantwortlichen in Washington sein. Richtig spannend wird es sowieso schon am Wochenende, wenn sich die Finanzminister der G-20-Staaten zur Vorbereitung des nächsten Finanzgipfels Ende September in Pittsburgh treffen. Welchen Wert die Regulierungsbekenntnisse von Anfang April in London noch haben werden, wird sich dann erweisen.
Die Begrenzung von Boni in der Finanzbranche erweist als ein wesentlich schwierigeres Unterfangen als es die eifrigsten Regulierer in Washington eingeschätzt hatten. Auch die britische Regierung muss erkennen, dass die Finanzwelt global geworden ist und es Kapital dahin zieht, wo es die schwächsten Fesseln angelegt bekommt. Es ist anzunehmen, dass die Amerikaner als erste von dem vereinbarten stringenten Kurs abweichen werden, um wieder mehr Geschäft und dringend benötigtes Kapital in die USA zu lenken. Andernfalls freuen sich vor allem die arabischen und asiatischen Finanzplätze über neue Zuflüsse.
Weder Bären noch Bullen konnten gestern deutliche Terraingewinne erzielen, die erwartete Eröffnungserholung war schon bei 9.330 Punkten beendet, für die Bären ging unter 9.262 Punkten nichts mehr. Das Risiko eines sofortigen Abtauchens bis an die nächste Unterstützungszone 9.110 und 9.180 Punkten ist dadurch zunächst deutlich reduziert worden. Ein Test des mittelfristigen Aufwärtstrends bei 9.200 Punkten kann aber dennoch kurzfristig erfolgen. Da der Markt mittlerweile erheblich überverkauft ist, sollten sich die Chancen für die Bullen, die angestrebte Erholung bis mindestens 9.400 Punkten durchzusetzen, verbessert haben.
Vor allem die stark gedrückten Finanzaktien sollten aus technischer Sicht zu einer Gegenreaktion ansetzen. Die Korrektur in diesem Sektor wird sich wahrscheinlich aber noch bis Mitte Oktober hinziehen, denn erst dann werden die Ergebnisse zur Geschäftsentwicklung im dritten Quartal veröffentlicht. Viele Marktbeobachter glauben, dass sich dann wieder größere Löcher in den Bilanzen zeigen werden und reduzieren deshalb schon jetzt ihre Positionen. Immerhin birgt diese Vorgehensweise dann wieder Kurspotential im Oktober, wenn die Banken die gesenkten Erwartungen dann doch übertreffen.
Im zweiten Teil gibt es eine Analyse zur aktuellen Entwicklung des Goldpreises.
Ich wünsche ihnen einen erfolgreichen Handelstag!
Andreas Wolf