US-Immobilienmarkt: 342.000 Schicksale
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 22. Mai 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Neue Zahlen zum US-Immobilienmarkt:
Die Zahl der begonnenen Hausneubauten ist auf den niedrigsten Stand seit 1959 gefallen.
Ist ja auch klar: Wer baut schon neue Häuser, wenn derzeit Hunderttausende Bestehende nicht verkauft werden können?
Denn die Zahl der Zwangsversteigerungen ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen: Alleine im April sind 342.000 hinzugekommen.
342.000 Schicksale. Und Zehntausende Familien, welche nun in Zeltstädten leben, während ihr altes Haus leer steht und verfällt.
Ich habe mit meinem amerikanischen Freund Dave darüber gesprochen: Er berichtete von einem Fall aus Michigan, aus einer relativ guten Nachbarschaft. Da hat man große Sorge, wenn ein Haus in der Nachbarschaft zwangsversteigert wird. Denn dann wird der bisherige Bewohner rausgeworfen, die Fenster werden vernagelt, es kommen die „For Sale" Schilder ans Haus.
Danach man kann sich zumindest im von Dave beschriebenen Ort dort fast sicher sein: In einer der nächsten Nächte wird eine Jugend-Gang in das Haus einsteigen, auf der Suche nach Verwertbarem oder „just for fun".
Davon hat letztlich niemand etwas. Der Wert der Immobilie fällt weiter, das zieht auch die Nachbarobjekte mit runter. Die Bank selber kann daran auch kein Interesse haben. Aber das kann ihr ohnehin relativ egal sein, wenn der Staat alle"Giftpapiere" = letztlich gebündelte Hypotheken übernimmt.
*** Ich wiederhole meine Überlegung:
Was wäre, wenn man „unten" handeln würde? Und zwar den amerikanischen Häuslebauern/-käufern Garantien geben würde. Die Garantie, dass der Staat im Zweifel ihre Hypothekenzahlung übernimmt.
Ich weiß, das ist keine erfreuliche Lösung. Aber ist es erfreulicher, die Banken mit Milliarden und „bad banks" rauszuhauen?
Wenn die Hypotheken weiter bedient würden, dann gäbe es die Folgepapiere nicht. Die „Giftpapiere" wären dann gar keine Giftpapiere - da die Hypotheken weiter bedient würden. Entweder von den Hypothekennehmern, oder eben vom Staat. Da der das garantiert, würde das im Kurs der Papiere berücksichtigt (und eine staatliche Garantie würde ein sehr hohes Rating der Papiere gewährleisten).
Die Häuslebauer/käufer müssten dann auch nicht ihre Häuser verlassen. Da hat letztlich sowieso niemand etwas davon: Die Häuslebauer/käufer selber sowieso nicht, aber auch nicht die Banken. Denn anstelle der Hypothekenzahlungen erhalten sie nun Häuser, die sie gar nicht verkaufen können. Bzw. wenn, dann nur zu deutlich ermäßigten Preisen, angesichts der Hunderttausendfachen Zwangsversteigerungen.
Die jetzt leer stehenden Häuser verkommen und fallen weiter im Wert, da leer stehend und nicht gepflegt, während die vorherigen Bewohner in Zeltstädten im Elend leben. Was für ein Wahnsinn!
Wie gesagt: Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es statt dem „von-oben-nach-unten-Ansatz" („top down") einen„von-unten-nach-oben-Ansatz" („bottom up") gegeben.
Übrigens: Einige Leser schrieben mir, ich sei völlig naiv, anzunehmen, dass dies gegen „die Banken" oder sonstige Interesse durchzusetzen sei.
Weiß ich nicht. Ich mache mir einfach Gedanken, was sinnvoll wäre, und wundere mich, dass diese Alternativen nicht öffentlich diskutiert wurden bzw. es nicht in die Zeitungen schafften.
Ich sage, wie es meiner Ansicht nach sein sollte. Weshalb ist nicht so ist - wie vermag ich das zu sagen?
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,
Ihr
Michael Vaupel