US-Immobilienkatastrophe
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 25. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
gestern zeigte sich einmal mehr, wie unterschiedlich die Konjunkturdaten in Europa und den USA ausfallen. Die Kursrichtung bestimmen allerdings meist die amerikanischen Daten. Konkret: Die Auftragseingänge der europäischen Industrie stiegen im Juni um 2,5% zum Vormonat (Prognose: +1,5%). Die Daten des Vormonats wurden von 3,8% auf 4,1% nach oben revidiert. Eine sehr positive Entwicklung also.
Ganz im Gegensatz zu den US-Daten: Der Richmond Fed Manufacturing Index ist im August auf 11 Punkte gefallen, nach einem Indexstand von 16 Punkten im Juli. Noch schlechter sehen die US-Immobiliendaten aus: Die Verkäufe bestehender Häuser sind im Juli um 27,2 Prozent auf 3,83 Millionen eingebrochen (Erwartung: Rückgang auf 4,65 Millionen). Damit fielen die Verkäufe mit dem größten jemals registrierten monatlichen Rückgang auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1999. Der dramatische Absturz zeigt, dass der US-Immobilienmarkt ohne Steuergelder nicht lebensfähig und von einer finalen Bereinigung noch meilenweit entfernt ist.
Sie werden sich vielleicht fragen, warum die europäischen Börsen sich trotz besserer Konjunkturdaten nicht von der negativen US-Entwicklung abkoppeln können. Ganz einfach: Ich habe beobachtet, dass konjunkturelle Entwicklungen häufig in China oder den USA (den beiden weltgrößten Volkswirtschaften) beginnen und dann mit einiger Verzögerung das exportorientierte Europa erreichen. Die beiden Länder sind also gewissermaßen Frühwarnsysteme für Europa. Die chinesische Börse befindet sich übrigens bereits über ein Jahr im Abwärtstrend, die amerikanische seit Ende April. Diese Entwicklung greift nun allmählich über, während viele Analysten noch von fünfstelligen DAX-Ständen im nächsten Jahr träumen. Beim DAX vermute ich das finale Hoch Anfang August (mir fehlt noch die Bestätigung dafür). Zumindest würde diese Abfolge sehr schön in die zyklische Reihenfolge vergangener Jahre passen. Sie sind zumindest vorgewarnt.
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