unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom
Anleihen und Aktien hatten es letzte Woche an der Wall Street schwer. Das ist eins der kleinen schmutzigen Geheimnisse des Marktes: In den letzten Wochen waren es die Finanztitel, die die Rally am Aktienmarkt angeführt haben. Jetzt – angesichts steigender Zinsen und deshalb wegbrechender Gewinnmargen – dreht sich bei den Finanztiteln der Trend – könnte da der gesamte Aktienmarkt Probleme haben?
Auf dem Topp Mitte Juli hatte der Index der Finanztitel seit den Oktobertiefs über 45 % zugelegt – dieser Zuwachs war fast doppelt so hoch wie der des S&P 500 im gleichen Zeitraum. Aber jetzt ist dieser Sektor, der zuvor der Motor der Rally war, mit steigenden Zinsen konfrontiert.
Als die Zinsen in den letzten Quartalen fielen, konnten die Banken jede Menge Geld verleihen. So stieg das Netto-Ergebnis der Bank of America im letzten Quartal gegenüber dem Vorjahreswert um 23 % – dank der auf Rekordniveau stehenden Hypothekenvergabe.
Und das Geschäftsbuch der US-Hypothekenbank Fannie Mae hat sich seit Jahresanfang um 230 Mrd. Dollar vergrößert. Doug Noland von Prudent Bear Fund's bemerkt dazu: "Die ausstehenden Hypotheken (die Fannie Mae vergeben hat) sind um 40 % auf 1,24 Billionen Dollar gewachsen ( ...) Es gibt wenige Bereiche, in denen man eine Wachstumsrate von 40 % bei einer Basis von einer Billion Dollar finden kann."
Was wird mit diesem spektakulären, rekordverdächtigen Zuwachs des Hypothekenvolumens passieren, jetzt, wo die Rendite der 10jährigen US-Staatsanleihen in 6 Wochen von 3,07 % auf 4,39 % nach oben geschossen ist? Ich denke, ich kenne die Antwort, und sie ist nicht schön – nicht für den Finanzsektor, nicht für den gesamten Aktienmarkt.
"Also die Dinge werden interessanter", beobachtet Noland ironisch. "Die Spekulationsblase am Anleihenmarkt ist angestochen, was unsere Aufmerksamkeit auf die historisch große Spekulationsblase der Hypotheken richtet."
Die Dinge werden besonders interessant bei den beiden US-Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac. Diese Hypothekenbanken haben Anleihen emittiert. Vor zwei Wochen hat die Europäische Zentralbank (EZB) den nationalen Zentralbanken in Europa empfohlen, vorhandene Bestände an Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mae zurückzufahren.
Und auch die sonstigen Investoren haben die Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mae schneller verkauft, als sie US-Staatsanleihen verkauft haben – was dazu geführt hat, dass die Rendite der Fannie Mae und Freddie Mac-Papiere deutlich stärker gestiegen ist als die Rendite der Staatsanleihen. Die Differenz zwischen beiden Renditen hat sich vergrößert.
Kein Unternehmen mag es gerne, wenn sich diese Differenz vergrößert, d.h. wenn die eigenen Anleihen deutlich höher als Staatsanleihen rentieren (weil das höhere Zinszahlungen für das Unternehmen bedeutet). Letzte Woche hat sich diese Differenz der 10jährigen Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mae zu den US-Staatsanleihen aber um 22,5 Basispunkte erhöht, auf 72,5 Basispunkte (d.h., die Anleihen dieser Hypothekenbanken rentieren 0,725 % höher als vergleichbare US-Staatsanleihen).
Noland weiter: "Ich erinnere mich daran, wie sich Mitte 1999 der Renditeabstand der Telekom-Anleihen zu Staatsanleihen vergrößerte ... die Kreditvergabe wurde restriktiver und Spekulationsverluste wurden größer. Schließlich führte der Rückzug des spekulativen Kapitals aus dem Telekomsektor zu einem spektakulären Kollaps dieser Branche."
Ich glaube, dass die sich vergrößernden Renditeabstände der Anleihen der US-Hypothekenbanken zu den US-Staatsanleihen der wichtigste Trend der heutigen Finanzmärkte sind. Diese sich vergrößernden Renditeabstände sind nicht notwendigerweise ein Indikator eines ernsthaften Problems bei den US-Hypothekenbanken. Allerdings sind sie auch nicht notwendigerweise ein Zeichen dafür, dass es KEIN ernsthaftes Problem gibt.
Wenn Fannie Mae und Freddie Mac ein Problem haben, dann hat die gesamte US-Wirtschaft ein Problem.