US-Haushaltsdefizit steigt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 20. Januar 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Der Goldpreis hat letzte Woche weiter angezogen. Gold scheint jetzt überkauft zu sein ... der Goldpreis ist zu schnell und zu stark gestiegen. Die Chinesen kaufen. Die Japaner kaufen. Die Leser vom Investor's Daily kaufen. Ich mag Gold, weil ich nicht in die Zukunft schauen kann. Aber ich weiß, dass Papierwährungen normalerweise verschwinden, während das Gold bleibt.
Es war völlig unnormal und unnatürlich, dass die weltgrößte Papierwährung – der Dollar – gegenüber dem Gold in den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts gestiegen ist. Die nächsten 20 Jahre wird dies wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein.
Der US-Bundesstaat Illinois hat angekündigt, dass er dieses Jahr ein Haushaltsdefizit von geschätzten 5 Milliarden Dollar hinnehmen muss. Das Defizit des amerikanischen Bundes könnte über 300 Milliarden Dollar liegen – ohne die Kosten für den möglichen Irak-Krieg. "Die Presse wird plötzlich auf die lauernden Gefahren für den US-Haushalt aufmerksam", schreibt unser Korrespondent in London, Sean Corrigan (mehr dazu weiter unten), "sie veröffentlicht schon Stories, die von einem Defizit von 350 Milliarden Dollar ausgehen – dabei wird aber meist übersehen, dass die öffentlichen Schulden in den USA in den letzten 19 Monaten sogar um 13,3 % oder 750 Milliarden Dollar gestiegen sind. Das bedeutet ein Schuldenwachstum von fast 12 Dollar pro Tag und privatem Haushalt!"
Die US-Steuereinnahmen fallen – weil die Steuerzahler weniger Einkommen zu versteuern haben. Währenddessen steigen die Staatsausgaben – unter anderem deshalb, weil der Bund eine antizyklische Fiskalpolitik durchführt, um die Konjunktur zu stimulieren. Wenn man an eine antizyklische Fiskalpolitik denkt, dann riecht es sofort nach Sushi ... denn Japan verfolgte diese Strategie, dort ließ die Regierung mit öffentlichen Mitteln fast die ganze Hauptinsel zubetonieren. Ob öffentliche Ausgaben die Konjunktur verlässlich stimulieren, ist nicht sicher. Aber was sie sicherlich tun, ist, dass sie die Ersparnisse der Nation absorbieren – diese Ersparnisse gehen dann nicht mehr in Investitionen, die die Leute reicher machen würden. Immerhin hatte die Japaner eine Menge gespart (was sie verschwenden konnten); die Amerikaner nicht.
Währenddessen hat das US-Budgetdefizit seit Anfang 2000 den Wert von rund 85 % der nationalen Ersparnisse erreicht, so Stephen Roach. Die amerikanische Sparrate – die 2002 bei 1,6 % lag – ist zu niedrig, um die amerikanischen Konsumgewohnheiten zu finanzieren, ganz zu schweigen von den großen staatlichen Defiziten.
Amerika ist in einem "Idioten-Spiel" gefangen (so nennt es Stephen Roach). Amerika kauft ausländische Güter, bezahlt dafür mit Dollar, ... die den Amerikanern dann wieder geliehen werden, so dass sie weiter ausländische Güter kaufen können! Im Laufe der Zeit nutzen sich die von diesem Geld gekauften Fernseher und Autos ab – aber die Schulden sind größer als je zuvor. Und die Ausländer können jederzeit aufhören, amerikanische Aktien, Anleihen und Immobilien zu kaufen ... was bedeuten würde, dass sie die amerikanischen Defizite nicht mehr finanzieren würden. Was immer man sonst noch darüber sagen kann, eins ist sicher: Dieser Trend kann nicht für immer so weitergehen. Was für eine verrückte Situation für die einzige Supermacht der Welt!