US-Haushaltsdefizit: 500 Mrd. Dollar möglich!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 27. August 2003 18:00 Uhr
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Es wird jetzt erwartet, dass das amerikanische Haushaltsdefizit (auf Bundesebene) im nächsten Jahr eine halbe Billion Dollar erreichen wird – so ein Komitee des US-Kongresses. John Spratt von der Demokratischen Partei sagt, dass sich das Defizit in den nächsten 10 Jahren auf insgesamt 3,7 Billion Dollar belaufen könnte.
Eine halbe Billion – das ist auch der Betrag an Kapital, den die USA brauchen, um ihre Importe aus Übersee finanzieren zu können. So hoch ist ihr Handelsbilanzdefizit.
Wie können diese Defizite finanziert werden? Die Sparraten der Konsumenten liegen Nahe Null. Ersparnisse von Unternehmen oder das Zurücklegen von Gewinnen – negativ. Das Geld muss aus dem Ausland kommen.
Und dennoch sagen in den USA viele Volkswirte, dass diese Defizite gesunde Zeichen seien. Das Haushaltsdefizit stimuliere die Wirtschaft, sagen sie. Und das Handelsbilanzdefizit zeige doch, wie stark die Ausländer die Amerikaner verehren würden; die Investoren in Übersee kaufen amerikanische Aktien und Anleihen, weil sie wissen, dass die USA die dynamischste Volkswirtschaft der Welt haben. Und nebenbei – was sonst können sie mit dem Geld schon tun?
Deshalb ist es zu einer verrückten Situation gekommen: Die Gläubiger der Welt sind von der Gnade ihres größten Schuldners abhängig.
Die Idee ist absurd; meine Intuition sagt mir das. Steht nicht schon in der Bibel, dass "der Schuldner der Sklave des Gläubigers ist"? Und ist es bei einem Treffen von Bankern und Schuldnern nicht der Schuldner, der jammert?
Und dennoch meinen Fed-Gouverneure, Universitäts-Dozenten und TV-Kommentatoren, dass China und die anderen großen Handelspartner der USA ihre Handelsbilanzüberschüsse in den USA reinvestieren müssen.
Diese ausländischen Investoren haben bereits Billionen verloren – zunächst einmal, als der Dollar gegenüber den größeren Währungen in den letzten 12 Monaten fiel ... und dann, als die amerikanischen Anleihenkurse in den letzten Monaten kollabiert sind. Ich bezweifle nicht, dass die Investoren aus Übersee keine Genies sind. Aber selbst ein nicht so kluger Investor wird irgendwann merken, wie er den Verlust seines Geldes stoppen kann.
"Ja, aber wir haben sie in der Hand", sagen US-Volkswirte. "Wenn sie ihre Handelsbilanzüberschüsse nicht in den USA investieren, dann wird der Dollar noch weiter fallen. Und dann werden sie nicht mehr soviel von ihren Produkte in den USA verkaufen können. Es ist eine Tatsache: Ohne die US-Defizite würde die gesamte Weltwirtschaft den Bach runtergehen."
Die USA könnte man mit einer Gesellschaft vergleichen, die in einer kleinen Stadt gegründet wird ... und dann das größte Geschäft dieser Stadt wird. Bald hängt die ganze Stadt von dieser Gesellschaft ab. Sie ist der größte Käufer bei den anderen Läden. Ihre Angestellten sind die größten Käufer in den anderen Läden. Ihre Vorstände sind die besten Kunden der lokalen Kneipe ... und die größten Schuldner der lokalen Bank. Ihre Besitzer geben die nettesten Parties, und sie sind anerkannte Mitglieder der lokalen Kirche, bei der sie auch am meisten spenden.
Aber diese Gesellschaft macht jedes Jahr Verluste. Deshalb geht sie zu der Bank und zu den Kaufleuten und sagt: Gebt uns mehr Kredite, oder wir werden nichts mehr ausgeben. Die Gesellschaft erhält immer mehr Kredite, denn jeder Kaufmann will das Geschäft mit dieser Gesellschaft am Leben erhalten. Der Besitzer der Kneipe lässt anschreiben. Der Banker erhöht die Kreditlinie der Gesellschaft. Und in der Kirche gibt der Priester dem Besitzer des Unternehmens einen besonders warmen Handschlag.
Die Einwohner der Stadt könnten zusammenkommen und den Entschluss fassen, die Gesellschaft zu unterstützen, "zum Wohle der gesamten Stadt".
Aber wenn die Gesellschaft immer weiter Verluste macht und immer weiter Kredite fordert, dann können die Einwohner dieser Stadt langsam, nach und nach, beginnen, sich wie Idioten zu fühlen. "Wenn werden wir jemals bezahlt werden", fragen sie. "Und wie", wollen sie wissen. "Es mag im Interesse der ganzen Stadt liegen, dass die Gesellschaft Geld ausgibt", so der Wirt in der Kneipe zu sich selbst, "aber ich bin es leid, den guten Schnaps immer nur ohne Bezahlung auszuschenken."
Irgendwann einmal sind sie es alle leid, ... und sie versuchen, ihre Schuldscheine, die sie von dieser Gesellschaft haben, zu jedem Preis loszuwerden ... und sie vergessen, die Frau des Besitzers zum Tee einzuladen.
Irgendwann wird das auch beim Dollar der Fall sein. Wann? Das weiß ich nicht ...
Bis dahin hier erstmal Addison, mit den jüngsten News: