US-Handelsbilanzdefizit auf Rekordhoch
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom 16. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Im April haben die Amerikaner den 320. Monat in Folge mehr importiert als exportiert, und das Handelsbilanzdefizit hat einen neuen Rekordwert erreicht. Bloomberg nannte diesen neuen Rekordwert "unerwartet". Nun, wir hier vom Investor's Daily haben nicht unbedingt mit dem Erreichen eines neuen Rekordwertes gerechnet, aber wir waren auch nicht überrascht. Für uns ist alles unerwartet, aber nichts ist überraschend. Am wenigsten der Rekorde erreichende amerikanische Konsum.
Das US-Handelsbilanzdefizit erreichte im April das neue Allzeithoch von 48,3 Milliarden Dollar, was wieder einmal zeigte, dass die Abwertung des Dollar nicht die Wunderkur gegen ein Handelsbilanzdefizit ist. Hat nicht der US-Finanzminister Snow versichert, dass sich der negative Trend beim US-Handelsbilanzdefizit mit fallendem Dollarkurs umkehren würde? Und hat der Dollar in den letzten drei Jahren nicht tatsächlich an Wert verloren? Und dennoch bleibt das US-Handelsbilanzdefizit so hoch. Es wächst sogar. Einige Dinge sollten einfach nicht sein – wie ein über Achtzigjähriger in String-Bikini.
Aber eines Tages werden die Amerikaner, theoretisch, zu viele Anleihen zur Finanzierung ihrer Defizite ausgeben haben. An diesem Tag werden die Ausländer nicht mehr zu den gegebenen Zinsen Geld leihen wollen. Sie werden höhere Zinsen verlangen. Oder sie könnten auch die Rückzahlung in einer anderen Währung als Dollar verlangen.
Was bedeutet also die sich verschlechternde US-Handelsbilanz für den Dollar?
Nichts gutes, könnte ich mir vorstellen. Selbst Alan Greenspan, der oberste Beschützer des Dollars, räumt die Möglichkeit einer bedeutenden "Anpassung" der Wechselkurse ein.
Und der Fed-Vorsitzende beobachtet, dass die in den USA erzielbaren Renditen weiterhin einen großen Anteil der Ersparnisse der Welt anziehen sollten.
Jim Grant von "Grant's Interest Rate Observer" meint: "Also sollte man auf die Liste der Gründe für einen zukünftigen Dollar-Bärenmarkt einen weiteren Punkt hinzufügen: Portfolio-basierte Verkäufe von in Dollar notierten Vermögensanlagen durch die jetzt noch zuversichtlichen ausländischen Geldgeber (Amerikas)."
Und ein Grund für steigende Inflationsraten und steigende Zinsen verlängert auch die Liste der "Risikofaktoren" für den US-Aktienmarkt