US-Finanzanalysten sagen Niedergang der Finanzmärkte voraus
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 22. Juli 2010, 14:30 Uhr
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Schwarzmaler haben Konjunktur, und das obwohl die Erholung der Weltwirtschaft noch in den Anfängen steht. Fühlen Sie es vielleicht auch schon ganz tief in sich drin? Robert Prechter, seines Zeichen US-Finanzanalyst und einer der erfolgreichsten Schwarzmaler dieses Planeten, prophezeit: 2016 wird das Finanzsystem endgültig zusammenbrechen. In einem Interview mit der "New York Times" soll er kürzlich erläutert habe, wie sein Szenario vom großen Börsen-Crash aussieht.
Laut Prechters Berechnungen werden an der Börse in den nächsten zwei Jahren Auf- und Abwärtsbewegungen zu sehen sein, in der Tendenz geht es aber bereits nach unten. Ab 2012 sieht er dann den großen Absturz kommen: "Ein lang anhaltender Bärenzyklus wird mehr als 90 Prozent der Index-Punkte weltweit vernichten und den Dow Jones 2016 auf unter 1.000 Zähler drücken", wird Prechter in der "New York Times" zitiert.
Und mit dieser Untergangsstimmung steht der studierte Psychologe nicht mal allein da. Während Staatsregierungen derzeit bestrebt sind, Optimismus zu verbreiten, halten sich die Krisenpropheten an ihre Devise "Der Winter kommt". Auch US-Ökonom Nouriel Roubini hält eine Verschlechterung der Wirtschaftslage für unausweichlich. "Dr. Untergang", wie der auch genannt wird, gilt als der Weissager der großen Finanzkrise in 2008. Seitdem er mit seiner Vorhersage ins Schwarze traf, gilt er als "brilliantester Schwarzmaler".
Schwarz, schwärzer, Robert Prechter
Und mit Robert Prechter ist Roubini derzeit in bester Gesellschaft. Kaum jemand malt die Zukunft dabei zugegeben so düster wie Robert Prechter. Er gehe davon aus, dass die kommende Krise in ihren Auswirkungen weitaus dramatischer als die aktuelle Finanzkrise sei, wie er im Zeitungsinterview verrät. Aber nicht nur das: Auch die Weltwirtschaftskrise von 1929 oder die "Gründerkrise" im Jahre 1873 seien im Vergleich zur erwarteten Krise weniger schlimm gewesen.
Nur mit der so genannten "Südseeblase" im Jahr 1720 sei der kommende Börsen-Crash vergleichbar. Damals gingen viele Investoren davon aus, mit dem Handel von exotischen Produkten und Sklaven märchenhafte Gewinne einzustreichen und kauften Papiere der britischen South Sea Company. Der Kurs stieg gewaltig, obwohl die Company noch kein einziges Pfund im Südseehandel verdient hatte. Die Blase platzte schliesslich, als am Dividendentag klar wurde, dass nichts ausbezahlt werden kann. Danach lag der britische Aktienmarkt für mehrere Jahre am Boden. "Wenn ich mit meiner Prognose richtig liege, wird die Krise ein solcher Schock, dass Menschen ihre Nachfahren noch jahrelang davor warnen werden, jemals Aktien in die Hand zu nehmen", erklärte der 61-Jährige in der "New York Times".
Prechter baut seinen Pessimismus auf psychologische Pfeiler. Grundlage: ein komplexes Wellenmodell, das der Buchhalter Ralph Nelson Elliott in den 1930ern entwickelt hat. Dabei können durch die Analyse von Optimismus und Pessimismus der Anleger sowohl kurzfristige als auch jahrzehntelange Entwicklungen vorhergesagt werden. Die Theorie gilt als umstritten- allerdings kann Prechter bereits einige Erfolge vorweisen. Bereits 2002 hatte er die aktuelle Finanzkrise vorhergesagt, außerdem sprach er in den 70er Jahren von einem lang anhaltenden Aufschwung.
Sollen wir jetzt also schreiend davonlaufen? Die Aktienmärkte wie sinkende Schiffe verlassen? Unsere Renteversicherung kündigen und alles in einen Bauernhof in der Pampa mit Getreidefeld und Milchviehhaltung investieren? Nicht doch. Auf in die Offensive: Wie formulierte mein Kollege Marcus Neugebauer es doch heute so treffend: "Aktieninvestments sind insbesondere vor dem Hintergrund desaströser Nachrichtenlage interessant - hierzu gibt es keine Alternativen."
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Herzliche Grüße
Ihre
Cindy Bach