US-Einzelhandelsumsätze sehr schwach
Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 14. März 2007 07:30 Uhr
ENL5454
von Ronald Gehrt
Die gestrigen Konjunkturdaten boten mal wieder Licht und Schatten. Licht hierzulande, Schatten in den USA.
Der deutsche ZEW-Index der Konjunkturerwartungen für März kam gestern über den Erwartungen auf den Tisch. So lag die auf die kommenden sechs Monate abzielende Erwartungskomponente mit +5,8 höher als die prognostizierten +3,2 und die Beurteilung der aktuellen Lage mit +69,2 zwar unter dem Februar-Wert, aber über der Prognose von 67,2. Gut!
Aber nachdem der ZEW im zweiten Halbjahr 2006 dauerhaft und weit daneben lag, möchte man zunächst sehen, ob auch der ifo-Index, der anders als der ZEW nicht von Finanzexperten, sondern aus den Befragungen der Unternehmen selbst entsteht, diese Verbessung bestätigt. Denn gerade hier ging es, während der ZEW langsam wieder nach oben kam, in den vergangenen zwei Monaten leicht bergab. Von Rekordlevels, wohlgemerkt. Daher fiel die Reaktion am deutschen Aktienmarkt auch ziemlich verhalten aus.
Aber: Sollte sich der Gegenwind, welchen die US-Konjunktur aktuell erlebt, verstetigen, ist es nicht weit her mit diesen positiven Impulsen. Es ist möglich, dass sich Deutschland aufgrund der engen Vernetzung innerhalb der EU noch recht gut aus der Affäre ziehen würde, aber letztlich würde eine rezessive Tendenz in den USA alle relevanten Volkswirtschaften der Welt belasten – die eine mehr, die andere weniger.
So richtig „schattig“ waren erneut die Daten aus den USA. Die US-Einzelhandelsumsätze für Februar waren die ersten faktischen Wirtschaftsdaten für Februar (da Verbrauchervertrauen und Einkaufsmanager-Indizes letztlich ja nur Einschätzungen sind) ... und sie waren mies.
Die Gesamtrate der Einzelhandelsumsätze war nicht wie erhofft nach +/-0 im Januar um +0,3% gestiegen, sondern gerade mal um +0,1%. Hinzu kam: Die Kernrate, bei welcher die volatilen Umsätze im Kfz-Sektor herausgerechnet werden, war um –0,1% gefallen, ohne die ebenfalls volatilen Umsätze an Tankstellen sogar um –0,3%. Das ist, auf dieser Kernebene gerechnet, das schlechteste Monatsergebnis seit April 2004!
Es hilft alles nichts, das ist einfach nur schwach. Und die Formulierungen des aktuellen Notenbankchefs Bernanke (dass alles im normalen Rahmen und im Griff sei) verblassen mit jeder neuen Zahl gegenüber den Kommentaren seines Vorgängers Greenspan, der für 2007 eine 30%-Wahrscheinlichkeit für eine Rezession sieht.
Vergessen wir dabei nicht, dass der Konsum ungefähr zwei Drittel zum US-Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Und dieser scheint, mit Blick auf die Einzelhandelsumsätze der vergangenen zwei Monate, auf der Stelle zu treten. Woher soll das Wachstum kommen? Die massiv gefallenen Auftragseingänge in der Industrie deuten nicht an, dass von anderen Sektoren her Verstärkung zu erwarten ist.
Und das Thema Zinssenkungen ist und bleibt problematisch. Zum einen, weil billiges Geld nicht automatisch Wachstum bedeutet, zum anderen, weil es sein kann, dass die Notenbank auf ihrer Rolle als Inflations- und nicht als Konjunkturwächter beharren könnte und es so nicht einmal ausgemachte Sache ist, dass diese zumindest symbolische Stimulans überhaupt in nächster Zeit stattfinden wird.
Wir dürfen auf die nächsten Konjunkturdaten gespannt sein ...