US-Dollar-Schwäche treibt Öl wieder über die 100 USD-Marke

in Devisen-Monitor zum Thema Devisen
vom


von Miriam Kraus

Liebe Leser,

Der US-Dollar rutscht gegenüber den wichtigsten Leitwährungen ab und der Ölpreis klettert schon wieder über die 100 US-Dollar-Marke.


Wie alles begann!

Begonnen hat diesmal eigentlich alles mit einem Bericht des Ifo-Instituts in der letzten Woche, in dem das in München ansässige Institut einen Anstieg seines Business Climate Index bekannt gab. Mit anderen Worten die deutsche Wirtschaft ist zufrieden und wächst.

Das einzige Problem, dass die Europäer haben, ist die Inflation die an die Tür klopft.

Übersetzt bedeutet dies: das europäische Wirtschaftswachstum ist offenbar doch nicht so arg in Mitleidenschaft gezogen, durch das US-Debakel und die EZB muss keine Leitzinssenkungen vornehmen. Bislang hatte die EZB ihren Leitzins auf 4 % belassen, obwohl EZB-Chef Trichet sich durchaus gedanklich mit einer Absenkung beschäftigt hatte.

Dennoch steht nun eben die Inflation vor der Tür und die Spekulanten gehen nun mehrheitlich davon aus, dass eine Leitzinsabsenkung, schon aufgrund des Inflationsrisikos nicht passieren wird.

Daraufhin legte der Euro natürlich gegenüber dem US-Dollar zu.

Weiter ging es nun mit der Veröffentlichung neuer Daten durch das US-Handelsministerium, die wie inzwischen üblich nicht gut waren. Die Wirtschaft schwächt sich ab und nun geben die Amerikaner weniger Geld aus. Unternehmen bestellen und investieren weniger. Die Aufträge für Long-Lasting US-Produktionsgüter fielen im Januar um 5,3 %. Aufträge für Kapitalgüter mit Ausnahme von Flugzeugen fielen um 1,4%. Auch der Immobilienmarkt macht weiterhin Sorge. Die Verkaufsrate neuer Häuser sank um weitere 2,3 % im Januar.

Die Folge: Dollar fällt auf Rekordtief gegenüber dem Euro

Daraufhin glitt der US-Dollar weiterhin ab und fiel auf ein Rekordtief von 1,5105 $ gegenüber dem Euro. Das ist der tiefste Stand des US-Dollars seit dem Debut des Euro im Jahre 1999.

Der US-Dollar verlor aber auch an Wert gegenüber dem Yen, dem australischen und Neuseeland-Dollar und den 10 wichtigsten asiatischen Währungen. Der Thai-Baht ereichte sogar ein 11 Jahres-Hoch.

Der Dollar verliert an Wert und heizt die Inflation an

Die Folge für die Ölspekulanten, die gegenwärtig so massiv im Markt vertreten sind, ließ nur eine Entscheidung zu: auf steigende Preise setzen.

Die US-Inflation treibt die Preise wie nichts. Die Preisanstiege der letzten zwei Tage korrelieren so stark mit der US-Dollar-Abschwächung, dass eines völlig klar wird. Die Marktteilnehmer setzen auf Rohstoffe und hier ganz besonders auf Rohöl nicht als Rohstoff, der Angebot und Nachfrage unterliegt, sondern auf ein Finanzinstrument zur Absicherung gegenüber der steigenden Inflation.

Auf den Rohölmarkt wirken dabei die Spekulanten mit ihren zahlreichen Netto-Long-Positionen verstärkt ein und erhalten dabei noch Rückenwind durch den FED-Chef.

Ben Bernanke hatte nämlich im Angesicht der neuen schlechten Wirtschaftsdaten verlauten lassen die FED werde rechtzeitig agieren um gegen das Risiko des Abwärtstrends der US-Wirtschaft anzugehen.

So ist es kein Wunder, dass die Wetten auf eine weitere Leitzinssenkung durch die FED sprunghaft nach oben gehen.

Bern Bernanke hat wie wir inzwischen wissen, nicht das allerbeste Timing, denn der US-Dollar befindet sich bereits in einem Teufelskreis. Zunächst die US-Dollar-Schwäche, die zu steigenden Preisen und einer sinkenden Nachfrage führt, die Wirtschaft wächst nicht wie sie soll, der US-Dollar schwächt sich ab usw.

Und dazwischen Ben und die FED-Truppe, die wiederum die Wirtschaft unterstützen wollen, den Leitzins senken und damit den Dollar weiter abschwächen.

Aber wer weiß, vielleicht ist alles eiskalte Berechnung und Bernanke opfert bewusst den US-Dollar um das Exportwachstum anzukurbeln.

von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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