US-Arbeitsmarktdaten enttäuschen
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 9. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
In der ersten August-Woche konnte der deutsche Leitindex trotz schwacher US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag per saldo zulegen. Schließlich standen 6260 Punkte auf der Tafel.
Immerhin entspricht dies einem Wochenplus von 1,8 Prozent. Noch am Freitag erreichte der Markt bei 6387 Zählern ein neues Zweijahreshoch, ehe dann ab 14.30 Uhr (MESZ) mit der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten Abwärtsdruck einsetzte. Die US-Indizes schlugen sich dennoch recht wacker. Im Wochenvergleich kam der marktbreite S&P 500 ebenfalls um 1,8 Prozent voran. Und auch das japanische Leitbarometer hielt sich im Plus. Der Endstand lag bei 9624 Yen.
Unerwartet schwacher US-Arbeitsmarkt
Ja, am Freitag lag der Focus gänzlich auf den Juli-Daten zum US-Arbeitsmarkt, welche einmal mehr - zumindest für die Konjunktur-Optimisten - unerwartet schwach ausfielen. Den offiziellen Zahlen zufolge gingen im Juli 131000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft verloren. Äußerst bemerkenswert ist auch, dass die Juno-Daten nach unten revidiert wurden. Und zwar von einem ursprünglichen Stellen-Minus von 125000 auf nunmehr 221000. Fakt ist, dass trotz der gigantischen Rettungs- und Konjunkturstützungsprogramme seit Ende 2007 den regierungsamtlichen Zahlen zufolge in den USA netto gut 7,7 Millionen Stellen abgebaut wurden.
Gesamtzahl der Beschäftigten rückläufig
Äußerst beachtlich auch, dass einige besorgniserregende Details des offiziellen Arbeitsmarktberichts massenmedial eher weniger Beachtung fanden. Vorsichtig formuliert. Tatsache ist, dass nunmehr schon zum zweiten mal in Folge die Gesamtzahl der Beschäftigten rückläufig war (um 138000). Im November 2007 waren noch 146,5 Millionen Menschen in Beschäftigung, aktuell sind es nur gut 138,9 Millionen. Zu beachten in diesem Kontext ist aber auch, dass die arbeitsfähige Bevölkerung ab dem 16. Lebensjahr, die nicht im aktiven Militärdienst, im Gefängnis, in der Psychiatrie oder ähnlichen Institutionen ist, allein im Vergleich zum Vorjahr um gut zwei Millionen auf fast 238 Millionen anwuchs!
US-Erwerbsquote auf Rezessions-Kurs
Sprich, die Erwerbsquote befindet sich bei einem Stand von 58,4 Prozent bereits wieder auf scharfem Rezessions-Kurs und ist nur noch knapp über dem bisherigem Krisen-Tiefstand von 58,2 Prozent. Über die rapide sinkende Erwerbsquote als volkswirtschaftliches Warnsignal wurde massenmedial äußerst dürftig berichtet. Ferner wurde oftmals übergangen, dass die Gesamtzahl der Arbeitslosen laut der U6-Arbeitslosenquote (dort sind bspw. unter anderem auch Teilzeitbeschäftigte erfasst, welche eine Vollzeitanstellung suchen) offiziell auf sage und schreibe fast 27,7 Millionen gestiegen ist. Die wahre und statistisch ungeschönte Arbeitslosenquote (vgl. John Williams von Shadow Government Statistics) dürfte bei annähernd 22 Prozent liegen.
Gold wieder über 1200 Dollar
Und so verwundert es nicht, dass am Freitag nach Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten der Goldpreis bisweilen gar auf über 1210 Dollar je Unze anzog. Möglicherweise setzen einige Investoren darauf, dass schon in der kommenden Woche bei der Offenmarktausschuss-Sitzung der US-Notenbank weitere Stimulierungsmaßnahmen" (offiziell Quantitative Easing) angekündigt werden. Anders, oder banaler ausgedrückt, dass als Medizin zur Therapie des kränkelnden US-Patienten den (virtuellen) Gelddruckmaschinen einmal mehr eine noch schnellere Rotation verordnet wird.
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