US-Arbeitsmarktdaten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 9. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag fielen sehr ernüchternd aus. Die Arbeitslosenquote stagniert im Juli bei 9,5% (erwartet wurden 9,6%) und damit weiter nur knapp unterhalb ihres 27-Jahres-Hochs vom vergangenen Oktober bei 10,1 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft fällt im Juli um 131.000, erwartet wurde lediglich ein Rückgang um 76.000, nach -125.000 zuvor. Der Beschäftigungsabbau hat damit im abgelaufenen Monat weiter an Dynamik gewonnen. Es ist der zweite Stellenabbau in diesem Jahr zu verzeichnen. Nachlaufender Faktor hin oder her: Nach eineinhalb Jahren Erholung mit Niedrigstzinsen müsste selbige ja mal am Arbeitsmarkt ankommen, wenn es sich um eine echte Erholung handelt und nicht nur um ein rein statistisches Ereignis. Denn wie Statistiken „hingebogen" werden können, dass wissen wir alle, denke ich.
Weniger „schönungsanfällig" als die Arbeitslosenrate, aus der beispielsweise die stattliche Zahl derer herausgerechnet wird, die die Jobsuche wegen ihrer Aussichtslosigkeit aufgegeben haben, ist der Anteil der arbeitenden Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung. Ich habe Ihnen dazu eine Grafik über die letzten 60 Jahre mitgebracht. Wie Sie sehen, ist der Arbeitnehmeranteil seit dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 sehr deutlich von 65 auf aktuell nur noch 58 Prozent gesunken (eine zwischenzeitliche Erholung in den Jahren 2003 bis 2007 eingeschlossen). Der dramatischste Einbruch ergab sich dabei im Crashjahr 2008. Von einer nennenswerten Erholung ist heute weit und breit keine Spur.
Chart: Arbeitnehmeranteil in den USA
Quelle: slopeofhope.com
Auch Wirtschaftsdaten lassen sich übrigens charttechnisch analysieren. Bei diesem Chart zeigt sich eine jahrzehntelange SKS-Umkehrformation, die sich vom Ende der achtziger Jahre bis 2008 ausbildete und schließlich regelkonform nach unten aufgelöst wurde. Das Mindestkursziel" dieser Formation wurde inzwischen erreicht, eine Bodenbildung ist aber bisher nicht erkennbar. Eine so lange Topbildung bedingt meist eine ähnlich lange Abwärtsbewegung. Fazit: Weiterer Beschäftigungsabbau in den USA wahrscheinlich, zunächst bis auf das Niveau der fünfziger Jahre. Zwischenzeitliche (schwache) Erholungen sind aber jederzeit möglich.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (09.08. 2010 09:50 Uhr):
Dazu ein Zitat von Churchill,"er glaube nur an Statistiken, die er selbst gefälscht habe." Der Aufschwung von 2003 bis 2007 am amerikanischen Arbeitsmarkt ist natürlich der Immobilienblase zuzuschreiben, die damals für 40% der neugeschaffenen Jobs in USA sorgte, was von (Show-) "Meister" Greenspan seinerzeit sehr begrüßt und gelobt wurde. Nun erahnen wir ja langsam die wahren Wirkungen diese Scharlatans.
Antworten - Kommentar von Meschkat (09.08. 2010 10:26 Uhr):
wenn das stimmt dann würde es ja einen double dip mit deflation nahelegen, glauben Sie daran? Gruß HJM
Antworten - Kommentar von Reinhard Lasar (09.08. 2010 10:46 Uhr):
Hallo Herr Voigt, Sie hatten vor ein paar Tagen (oder war es Ihr Kollege?) ein kleines Feedback veröffentlicht in dem Ihre Leser Ihre Erfahrungen mit Ihrem Service mitgeteilt hatten. Ich hab das, wie auch DaxDaily oder WaveDaily, sehr aufmerksam gelesen. Was die anderen geschrieben haben interessiert mich eigentlich nicht. Ich möchte Ihnen nur sagen dass ich Ihren Service als sehr gewinnbringend einstufe. Ich stütze mich dabei vor allem auf die Hintergrundinformationen zu Beschäftigung (wie heute), Arbeitsmärkte, Goldpreis, Rohstoffe, Wie sie Ihr Geld vor dem Verfall schützen etc. Ich lese hier Informationen die ich sonst nirgends lese, weil ungeschönt. Ich finde diese journalistische Offenheit bemerkenswert und freue mich sehr darüber. Beste Grüße Reinhard Lasar (ab und zu auch noch in D)
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