US-Arbeitsmarkt weiter schwach
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York City in Investors Daily
vom 06. Mai 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Der US-Arbeitsmarkt hat sich im April schwach entwickelt, da die US-Gesellschaften den dritten Monat in Folge Arbeitsplätze abgebaut haben. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,8 % auf 6 %. Die Zahl der Arbeitsplätze (ohne Farmsektor) ging um 48.000 zurück. In den letzten 12 Monaten hat die US-Wirtschaft 332.000 Jobs abgebaut, und in 6 der letzten 8 Monate kam es zu Rückgängen der Beschäftigtenzahl.
Und es wird noch schlimmer ... der produzierende Sektor hat im April 95.000 Jobs abgebaut – das ist der schlimmste Arbeitsplatzverlust in diesem Sektor in 15 Monaten. "Die Gesellschaften des produzierenden Gewerbes haben jetzt 33 Monate in Folge Personal abgebaut", so CBS Marketwatch. "Ein Blutbad, mit 2,3 Millionen abgebauten Jobs. Die Beschäftigtenzahl in diesem Sektor ist so niedrig wie seit 42 Jahren nicht mehr."
Währenddessen geht es dem Dollar auch nicht gut. Er verliert gegen jede größere Währung ... und sogar gegenüber vielen kleineren.
Stephen Roach von Morgan Stanley fragt sich: "Könnte das der Beginn der lang erwarteten Korrektur der amerikanischen Leistungsbilanz sein? Das Problem ist die Lücke zwischen Nationen mit Leistungsbilanzdefiziten (hauptsächlich die USA) und Ländern mit Überschüssen (hauptsächlich Asien, aber auch Europa). Und dieses Problem war niemals größer. (Und das Leistungsbilanzdefizit der USA könnte bis Ende 2004 auf 6,5 bis 7 % des BIP steigen, von aktuell 5,2 %). Die einzige Frage, die ich mir stelle, ist, ob der Dollar schnell oder graduell fallen wird."
Der Dollar hat ein neues 4-Jahres-Tief gegenüber dem Euro markiert. Der "Toronto Globe and Mail" berichtet: "Der kanadische Dollar ist das erste Mal seit April 1998 auf über 70 US-Cents gestiegen – damit steht er genauso wie der Neuseeland-Dollar auf einem 5-Jahres-Hoch."
Vielleicht hat Roach Recht. Vielleicht steht der Dollar jetzt wirklich auf der Kippe. "Das führt uns zum Alptraum-Szenario", so CNN Money. "Das kommt alle paar Jahre auf, und es hört sich so an: All die globalen Fondsmanager, die sich Sorgen um den Dollar machen, beginnen, US-Anlagen zu verkaufen, was A) die US-Aktienkurse in den Keller schicken wird und B) den Dollar weiter beschädigen wird. Das wird die globalen Investoren (und auch die amerikanischen) nur noch nervöser machen, und weitere Verkäufe veranlassen. Ziemlich schnell wird man dann eine Flucht aus US-Anlagen haben, und eine globale finanzielle Katastrophe."
Ich habe kein Problem damit, mir so ein Szenario vorzustellen. Und ich habe auch kein Problem damit, mir einen graduellen Absturz des Dollar vorzustellen. Natürlich ändert die Geschwindigkeit des Absturzes nichts an der Richtung, die der Dollarkurs nehmen wird. Auch eine langsame Abwertung wird für diejenigen, die diese grünen Banknoten halten, teuer sein. Vielleicht wäre es besser, weniger von diesen Banknoten zu halten.