US-Arbeitsmarkt enttäuscht

Jochen Steffens in Investors Daily
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von Jochen Steffens

US-Arbeitsmarkt enttäuscht

Erst einmal Folgendes: Mir fällt auf, dass der Nasdaq sich wesentlich schwächer zeigt, als der Dow. Offenbar kommt es zu Umschichtungen. Weg von den Technologie-Titeln rein in die Standardwerte. Ebenso auffällig ist, dass sich im Dax die Versorger so überaus stark zeigen. Kommt es auch hier zu Umschichtungen? Soll Geld in sicherere Häfen geparkt werden, um einen drohenden Absturz abzufedern? Sollte der Bär jetzt vor der Türe stehen?


Da fällt mir ein Vergleich ein. Die Börse ist so, als ob man in einer dunklen Höhle sitzt, mit dem Rücken zur Öffnung. Hinter dieser Öffnung ist Licht und der Blick ist starr auf die Schatten, die dieses Licht an der Wand wirft, gerichtet. Man sitzt in dieser Höhle und wartet darauf, wer nun hereintritt, Bulle oder Bär. Zuerst sind die Schatten dieser Tiere sehr unförmig. Doch so näher der Bär oder der Bulle an die Öffnung kommt, so deutlicher werden die Konturen. Manchmal wird dann noch im letzten Moment aus einem vermeintlichen Bärenschatten doch noch ein Bulle. Wirklich weiß man es erst, wenn er an einem vorbei gegangen ist und er damit aus dem Schattendasein hervortritt. Dann ist es jedoch zu spät, um darauf zu reagieren.

Die Kunst besteht demnach darin, möglichst früh den Schatten zu enttarnen. Dafür muss man seinen Blick schärfen, viel Erfahrung sammeln und auf jedes kleinste Detail achten. Aber Sie kennen Schatten und Sie wissen, was man nicht alles aus Schatten herauslesen, beziehungsweise in sie hineinsehen kann. So setzen diese Schatten selbst dem Erfahrensten hin und wieder Hörner auf.

Im Moment sieht der Schatten ziemlich bearish aus. Ich weiß nicht, ob sich nicht doch noch ein Bulle daraus entwickelt, aber ich weiß, dass die Chancen dafür Tag für Tag sinken ... Sollte der Dow unter die 9850 fallen, wird es düster, sollte er jedoch nachhaltig die 10.000 nach oben brechen, dann könnte es auch ein Bulle gewesen sein ...

Hoppla, was war das? Es gilt die alte Devise, vor wichtigen Zahlen die Finger aus dem Futures zu lassen. Zumindest wenn man kurzfristig tradet. Ein sehr schönes Beispiel dafür lieferte heute der Dax Future. Um 14.30 Uhr wurden wichtigen US-Konjunkturdaten veröffentlicht und wirklich: Senkrecht sackte der Dax um 16 Punkte nach unten. Ein Punkt sind 25 Euro je Kontrakt (Ein Future-Kontrakt ist sehr vereinfacht so etwas wie ein Optionsschein). Das sind je Kontrakt 400 Euro theoretischer Verlust. Wenn man jedoch richtig gelegen hätte, wären es 400 Euro Gewinn je Kontrakt. Bei 10 Kontrakten sind das also 4000 Euro, in einer Sekunde ... Doch wer handelt schon 10 Kontrakte im Dax? Im weiteren Verlauf rutschte der Dax noch weiter weg. Insgesamt vom Hoch verlor der Dax Future damit vor und nach den Zahlen 24 Punkte 600 Euro, bei 10 Kontrakten 6000 Euro in 30 Minuten.

Theoretisch können Sie demnach im Future mal eben 6000 Euro in 30 min, oder (4000 Euro in einer Sekunde) verdienen. Man fragt sich also, warum noch arbeiten gehen? Gut, um 10 Kontrakte handeln zu können, brauchen Sie auch einen Einsatz von ca. 110.000 Euro (sie müssen, um Futures zu handeln, Geld hinterlegen (Margin)), beim Dax Future sind das ca. 11000 Euro / Kontrakt.) Aber 600 Euro in 30 Min. sind doch für den Anfang auch nicht schlecht ...

Also – im Future lacht das wahre Geld – Reichtum, das Haus, das Schiff und der Traumwagen. Alles auf einmal. Man muss nur (!) richtig liegen.

Wenn es doch so einfach wäre ... Offensichtlich ist die Chance im Future "schnell" reich zu werden, kleiner als im Lotto zu gewinnen. Ich habe letztens mit einem Broker geredet, der sagte, dass über 90 % aller Konten, die im Future-Bereich aufgemacht werden, bereits nach 3–5 Monaten wieder geschlossen werden (müssen). Und dann meinte er zynisch, es wäre jedes Mal empfindlich weniger, wenn nicht gar kein Geld mehr vorhanden gewesen. Denn natürlich gilt auch: Nirgendwo kann man schneller Geld verlieren als im Future. Also bleiben Sie doch lieber bei Aktien und Optionsscheinen.

Doch bevor ich noch ganz vom Thema abkomme, sollte ich Ihnen noch den Grund dafür mitteilen, warum der Future derart deutlich in sich zusammenbrach:


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