US-Anleihenmarkt, quo vadis?
unserem Korrespondenten Daniel Denning in Paris in Investors Daily
vom 14. August 2003 18:00 Uhr
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Und Ihr dachtet, die Deflation sei tot. Ich springe heute für meinen Kollegen Eric Fry ein, der auf dem Weg nach San Francisco ist. Und ja, es stimmt, ich trage zurzeit einen Sarong – in der Hitze ist das sehr angenehm. Ein bisschen anders auszusehen hilft einem aber auch manchmal, ein bisschen anders zu denken.
Die Fed hat sich dazu entschieden, die Leitzinsen auf einem 45-Jahrestief zu belassen. Bei der Begründung ihrer Entscheidung tat die Fed alles, um das Wort "Deflation" zu vermeiden. Aber obwohl man das Wort nicht hören konnte, befindet es sich sicherlich in den Gedanken der Fed-Gouverneure.
Greenspan, Bernanke und die anderen Fed-Mitglieder haben mitgeteilt, dass die Wahrscheinlichkeit eines "unwillkommenen Rückgangs der Inflationsrate größer ist als die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs der Inflationsrate". Um wieviel? Die Antwort blieben sie schuldig ... aber der Aktienmarkt hatte viel zu sagen. Der Dow Jones murrte am Tag der Entscheidung. Aber als die Fed mitteilte, dass sie die Leitzinsen für "einen längeren Zeitraum" niedrig lassen würde, da legte er schnell fast 100 Punkte zu, auf 9.310 Zähler. Damit ist er wieder auf 96 Punkte an sein Hoch vom 17. Juni herangekommen.
Selbst Microsoft, die derzeit unter den News über einen neuen Virus leiden, der Windows angreift, konnten leicht zulegen. Das war die Kraft des "positiven Denkens" (siehe auch: Illusion).
Aber die Zahl des Tages ist für mich diese: 1.385. Um so viele Punkte könnte der Dow Jones bis Jahresende fallen ... das wären rund 15 % Minus. Das ist meine Prognose.
Das ist keine willkürliche Prognose. Ich habe einen Grund für sie. In jedem der letzten 2 Jahre hat der Dow Jones von seinem Zwischenjahreshoch bis zum Jahresschluss deutlich verloren. Und jetzt befinden wir uns in der Nähe des Zwischenjahreshochs. Und jetzt befinden wir uns im August, einem der schlechtesten Monate für den Aktienmarkt (wie die Geschichte zeigt), und nichts als volkswirtschaftliche Zahlen liegen vor uns. Meiner Ansicht nach gute Voraussetzungen dafür, dass meine Prognose erfüllt wird.
Wenn Sie skeptisch sind, dann sehen Sie sich den amerikanischen Anleihenmarkt an. Die Entscheidung der Fed, die Leitzinsen unverändert zu lassen, hat die Renditen der Anleihen wieder steigen lassen – was fallende Anleihenkurse bedeutete. Die Rendite der 10jährigen US-Staatsanleihen ist um 6 Basispunkte auf 4,42 % gestiegen. Die Käufer von Put-Optionsscheinen auf US-Anleihen haben letzten Monat ordentlich Geld verdienen können.
Übrigens – wenn all diese Anleihenmarkt-Kommentare Ihnen nichts sagen, dann sind Sie nicht alleine. Ja, steigende Renditen bedeuten, dass das US-Finanzministerium den ausländischen Geldgebern mehr Zinsen zahlen muss, damit diese die amerikanische Konsumabhängigkeit finanzieren. Und ja, steigende Renditen machen den Schuldendienst für Dutzende US-Unternehmen schwieriger. Aber können Sie als individuelle(r) Investor(in) nicht auch von einer dieser Auswirkungen profitieren?
Zum Glück – ja. Sie können Put-Optionsscheine auf amerikanische Anleihen kaufen. Das ist allerdings ein nicht ganz einfaches Anlageinstrument. Mehr dazu demnächst.