US-Anleihenmarkt kollabiert
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 29. Juli 2003 18:00 Uhr
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Der US-Anleihenmarkt hat den Investoren in den letzten Wochen nicht halb so viel Freude wie der Aktienmarkt gemacht. In wenigen Wochen ist die Rendite der 10jährigen US-Staatsanleihen von 3,10 % auf 4,18 % gestiegen. Und steigende Renditen bedeuten fallende Anleihenkurse.
Das passt nicht gut zu den hohen Erwartungen, die fast alle Investoren in den Anleihenmarkt gesetzt hatten. Im letzten Monat führte der Renditeanstieg sogar zu einem Wertverlust von 8 % bei langfristigen US-Anleihenfonds. Damit ist die laufende Performance für dieses Jahr in die roten Zahlen gerutscht. Soviel zum Thema "sicherer Hafen" US-Anleihen.
Nicht überraschend hat das Barron's Magazin festgestellt, dass eine wachsende Zahl von Investoren dem Anleihenmarkt den Rücken zukehrt. Im ersten Quartal 2003 flossen noch 45,3 Mrd. Dollar in Rentenfonds. In diesem Monat ist die wöchentliche Rate der Zuflüsse der Rentenfonds auf 2,1 Mrd. gesunken. Nach einem Topp von 4,7 Mrd. Dollar Mitte März. Die Profiteure dieser Entwicklung sind die Aktienfonds: Im Juni konnten sie Zuflüsse von fast 20 Mrd. Dollar verzeichnen, nach 1,2 Mrd. Dollar im März.
Eine Folge der steigenden Renditen am Anleihenmarkt ist es, dass auch die Zinsen für Hypotheken steigen. Für Hypotheken mit 30jähriger Zinsbindung müssen in den USA jetzt 5,94 % gezahlt werden, nach 5,21 % vor 5 Wochen. Das wird für den Immobilienmarkt nicht gerade gut sein.
Die wöchentliche Zahl der Anträge für Hypotheken-Erhöhungen ist letzte Woche um 7 % gefallen (Quelle: Mortgage Bankers Association). Aber den wirklichen Effekt der steigenden Hypothekenzinsen wird man erst später im Jahr sehen, denn noch sind viele Hypotheken mit bereits festgelegtem, fixem Zinssatz in der Pipeline.
Finanzielle Spekulationsblasen leben schnell und sterben jung – wie Rockstars. Auch die Spekulationsblase am Anleihenmarkt war da keine Ausnahme – auch wenn die hartnäckigsten Anhänger das noch verneinen. Aber der Rest von uns bedauert bereits den Verlust des besten Freunds der Wirtschaft.
Als Alan Greenspan letzte Woche vor einem Komitee des US-Senats sprach, da eröffnete er seine Rede mit bekannten Worten: Die Fed stände bereit, um ihre Politik des leichten Geldes so lange fortzuführen, wie es zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung notwendig sei.
Professionelle Teilnehmer des Anleihenmarktes verstanden diese Phrase so: "Ich werde die Zinsen so niedrig senken, wie es notwendig ist, um ein bisschen Inflation und ein deutliches Wirtschaftswachstum zu erreichen." Aber diese Worte erscheinen angesichts des Kollapses des US-Anleihenmarktes in einem anderen Licht.