US-Anleihen: Renditen ungewöhnlich tief
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 20. März 2003 18:00 Uhr
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Die Neubeginne von amerikanischen Einfamilienhäusern fielen im Februar um 11 % zurück, der größte prozentuale Rückgang seit 9 Jahren. Aber warum soll man sich über so etwas Gedanken machen, wenn im Irak die Bomben in solchen Quantitäten wie seit 12 Jahren nicht mehr fallen? Stellen Sie sich nur einmal vor, wie die Hausneubauten in Bagdad boomen werden, wenn die Bombardements vorbei sind!
Das Gegenstück zu der paradoxen Rally am Aktienmarkt ist der Selloff beim Ölpreis. Die Ölhändler scheinen zu glauben, dass die angelaufene Invasion eines Landes, das einer der größten Ölproduzenten der Welt ist, ein Grund für fallende Ölpreise ist. Alleine am Dienstag ist der Rohölpreis (April-Lieferung) um 3,26 Dollar auf 31,67 Dollar pro Barrel gefallen.
Wo wir gerade von Paradoxen sprechen – wer kauft all unsere US-Anleihen? Verglichen mit dem Kauf von Aktien, die KGVs zwischen 30 und 40 haben, scheint der Kauf einer langfristigen amerikanischen Anleihe mit weniger als 4 % Zinssatz ein geringes Risiko mit sich zu bringen. Aber ein geringeres Risiko hat man auch, wenn man aus dem 5. Stock eines Hochhauses springt, statt aus einem Flugzeug über den Wolken ohne Fallschirm. Aber das Ergebnis könnte ähnlich sein.
Fakt ist, dass die Investoren weder teure Aktien noch teure Anleihen kaufen müssen. Warren Buffet meinte letztens: "Manchmal erfordert erfolgreiches Investieren Inaktivität." Bargeldhaltung ist angesagt, wenn die Alternativen dazu zu riskant sind. Nichtsdestotrotz tendieren die meisten Investoren zur Hyperaktivität, weil sie das Gefühl brauchen, dass sie IRGENDETWAS immer machen. Wie sonst könnte man die starke Nachfrage nach niedrigverzinslichen US-Anleihen erklären?
"Ich kann keinen Grund sehen, warum man irgendetwas anderes als US-Staatsanleihen kaufen sollte", so Kornelius Purps, Rentenanalyst bei der HVB in München gegenüber Bloomberg. Ich kenne Herrn Purps nicht persönlich. Aber dem Mann scheint es an Vorstellungskraft zu fehlen. Ich kann mir viele Gründe denken, warum ein Investor US-Staatsanleihen vermeiden sollte – die niedrigen Zinsen sind nur der offensichtlichste Grund. Die Rendite der 10jährigen Anleihen steht bei rund 3,9 % – das ist so niedrig wie noch nie seit den 1950ern.
Diese niedrigen Renditen führen zu einem Phänomen, das professionelle Investoren "asymmetrisches Risiko" nennen. Mit anderen Worten: Wenn man langlaufende US-Staatsanleihen zu solchen Renditen kauft, dann muss schon sehr viel gut laufen, damit diese Anleihen ein gutes Investment werden. Aber es muss nur wenig schief laufen, damit sie zu schlechten Investments werden.
Ein anderer Grund dafür, warum ein Investor vielleicht nicht sein gesamtes Kapital in langlaufende US-Anleihen investierten sollte, ist die Tatsache, dass die Neuemissionen von Anleihen zunehmen. Die US-Regierung erhöht ihre Neuverschuldung drastisch. Und das bedeutet, dass die Zahl der Bonds immer weiter zunehmen wird.
Noch vor einigen Jahren gab es eine Karikatur im "Grant's Interest Rate Observer": Ein Mann wachste nachts schweißüberströmt auf und sagte: "Ich habe geträumt, dass die Bonds ausgehen würden." Eine Zeitlang schien dies angesichts wachsender Budgetüberschüsse gar nicht so abwegig.
Viele der heutigen Anleihenkäufer scheinen eine vergleichbare irrationale Angst vor einer Knappheit an Anleihen zu haben. Aber die Investoren sollten sich darüber keine zu großen Sorgen machen. Das wachsende US-Haushaltsdefizit wird für stetigen Nachschub an Staatsanleihen sorgen. Und die Regierung wird sicherstellen, dass jeder Bürger, der eine Anleihe kaufen will, auch eine Anleihe kaufen kann.
Dazu die Dow Jones News: "Die US-Regierung hat sich am Kapitalmarkt im Januar und Februar 52,3 Milliarden Dollar frischer Mittel langfristig besorgt – das ist ein Zuwachs von 22,8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum."
Also warum bleiben die Renditen so niedrig, obwohl das Angebot steigt? Zwei Worte als Antwort: Angst und Ausländer.
Weil sie beim Aktienmarkt weitere Verluste fürchten, haben die individuellen Investoren ihre Aktienfonds in den letzten Monaten verkauft und Rentenfonds gekauft. Merrill Lynch schätzt, dass die privaten Haushalte im Januar für 466 Millionen Dollar netto Aktienfonds verkauft haben und für 12,7 Milliarden Dollar Rentenfonds gekauft haben. Dieser Trend ging im Februar weiter. Aber die privaten Haushalte sind nicht die einzigen, die Bonds gekauft haben und weiter kaufen. Auch die Ausländer waren große Käufer von US-Staatsanleihen. "Der Rest der Welt (also das Ausland, aus Sicht der USA) hat im letzten Jahr für 416,9 Milliarden Dollar amerikanische Anleihen gekauft", so Doug Noland von Prudent Bear. "Im Jahr 2001 waren es 320,6 Milliarden Dollar ... an dem Tag, an dem die Ausländer diese Anleihen verkaufen sollten, werden wir mit verheerenden Auswirkungen konfrontiert werden."
Die gute Nachricht: "Verheerende Auswirkungen" treten nicht sehr oft ein.