US-Anleihen hoch bewertet
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 09. April 2003 18:00 Uhr
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Der Bullenvormarsch hat Kollateralschäden verursacht – bei den Anleihen, beim Öl und beim Gold. Diese defensiven Werte boten sehr wenig Defensives – sie verhielten sich weniger wie sichere Häfen, sondern vielmehr wie finanzielle Todesfallen. Der Goldpreis fiel auf gut 320 Dollar pro Feinunze; auch der Ölpreis kam deutlich zurück, und die Rendite der 10jährigen US-Anleihen hat wieder die Marke von 4,0 % überschritten.
Ich glaube, dass die finale epische Schlacht zwischen hoch bewerteten Aktien und niedrig bewerteten Rohstoffen noch nicht stattgefunden hat. Eine kraftvolle Gegenoffensive des Rohstoff-Korps wäre nicht völlig überraschend.
Die US-Anleihen hingegen sind ein Fall für sich. Ist es nicht verwunderlich, dass der größte Schuldner der Welt – die USA – nur 4 % pro Jahr bezahlen muss, wenn er sich Geld für eine Dekade leihen will? Und ist es nicht lächerlich, dass die Renditen der US-Anleihen gefallen sind, obwohl die US-Regierung große Kriegskosten hat und ohnehin hohe Haushaltsdefizite produziert?
Die Antwort auf diese Rätsel könnte sein, dass die Investoren – Kleinanleger und Profis – am Aktienmarkt so bluten mussten, dass sie ihr restliches Vermögen in Rentenfonds transferiert haben. Und die Fondsmanager mussten mit dem frischen Kapital ganz einfach Anleihen kaufen – ohne sich groß darüber Sorgen zu machen, wie hoch die erzielbaren Renditen eigentlich sein würden.
Wenn man einem Rentenfondsmanager Geld gibt, dann wird er Anleihen kaufen, genau so sicher, wie sich eine amerikanische Frau mit einer Platin American Express-Kreditkarte sündhaft teure Schuhe kaufen wird. Der Kauf an sich ist in beiden Fällen sicher. Unbekannt ist nur die Größe und die Art des Kaufs.
Immerhin bin ich mir ziemlich sicher, dass wir alle mit dem Rentenfondsmanager Bill Gross übereinstimmen, der sagte: "Ich bevorzuge überbewertete Anleihen gegenüber überbewerteten Aktien." Aber das ist nur die Wahl zwischen zwei Übeln.
Die Kleinanleger haben jedenfalls ihre Aktienfonds verkauft, um mit diesem Geld Rentenfonds zu kaufen. Nichts jagt Kleinanleger so sehr in Renten- und Geldmarktfonds wie ein dreijähriger Bärenmarkt bei Aktien.
Die individuellen Investoren haben in den letzten 12 Monaten rund 59 Mrd. Dollar aus den Aktienfonds abgezogen, und fast das Dreifache dieses Betrags in Rentenfonds gesteckt. Seit Jahresbeginn verzeichneten die Rentenfonds Zuflüsse von 10,5 Mrd. Dollar (Quelle: AMG Data Services).
Die Financial Times schreibt dazu: "Trotz der minimalen Renditen ist die Popularität der Geldmarktfonds sehr stark gestiegen. Der Gesamtbetrag, der in Geldmarktfonds investiert ist, erreicht 28 % der Marktkapitalisierung des Wilshire 5000 Index (der alle gehandelten US-Aktien enthält). Das ist bemerkenswert hoch, wenn man bedenkt, dass dieser Prozentsatz in den Jahren von 1991 bis 2000 niemals über 15 % stand." Vielleicht haben Investoren einfach einen Bond zuviel gekauft.
"Ist der US-Anleihenmarkt eine neue Spekulationsblase, die platzen wird?" fragt Andrew Caffrey vom Boston Globe. "Die Investoren stecken weiterhin Milliarden in Fonds, die Staats- und Unternehmensschulden kaufen. Das ist ein Szenario, bei dem vieles genauso aussieht wie bei der Spekulationsblase am Aktienmarkt in den späten 1990ern, als Anlegerherden in Aktien stürmten, und die Aktienfonds mit Geld überschüttet wurden:"
Caffrey meint weiter, dass viele der Rentenfonds-Käufer überhaupt nicht wüssten, was für Risiken sie eingingen. Laut einer Umfrage der Fondsgruppe Vanguard wussten letztes Jahr 70 % der Befragten nicht, dass die Anleihenkurse fallen, wenn die Zinssätze steigen. Diese weitverbreitete Ignoranz zeigt, dass die meisten Investoren die potenziellen Risiken, die auch ein Anleihenfonds hat, gar nicht kennen.