US-Aktien: Lethargie an spannenden Chartmarken
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 27. Juli 2006 07:30 Uhr
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Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Ich hatte ja gestern bereits geunkt, dass auch Kaufsignale an wichtigen Chartmarken nicht ausreichen werden, um die Akteure an den Börsen aus ihrer hitzebedingten Lethargie zu holen. Eigentlich ist es eine Unverschämtheit: Dow und S&P 500 in den USA stehen an charttechnisch höchst spannenden Kursmarken – und keinen kümmert es, wie es scheint.
Leicht negative Impulse ...
Alle drei wichtigen US-Aktienindizes produzierten gestern eine Punktlandung. Mag indes sein, dass dies einfach darauf zurückzuführen ist, dass auch die Impulse sich die Waage hielten. Neben den unter den Erwartungen ausgefallenen Ölreserven, die für einen wieder etwas anziehenden Ölpreis sorgten, stieg der Euro zum Dollar ... aber immer noch innerhalb der seit Monaten geltenden Seitwärtsrange 1,25 zu 1,2850, so dass hier noch nichts berichtenswertes passiert ist. Das mag tendenziell leicht negativ gewirkt haben.
Ebenfalls lausig mal wieder einige Nasdaq-Aktien mit ihren Quartalsberichten. Amazon.com musste die Gesamtjahresprognose senken und wurde mit einem Minus von 22% „belohnt“. Ebenfalls enttäuschend: Corning (-14%) und Checkfree (-8%). Im Bereich des Dow Jones hielt es sich die Waage: Boeing enttäuschte und verlor im Tagesverlauf gut 4%, obwohl die Umsatzprognose für die kommenden zwei Jahre angehoben wurde.
Leicht positive Impulse ...
Dafür erreichte General Motors seit langem mal wieder einen operativen Gewinn und wurde dafür um ca. 5% nach oben gehoben. Und ein wenig Bewegung kam in den Markt, als das monatliche Beige Book der US-Notenbank um 20:00 Uhr unserer Zeit auf den Tisch kam. Nicht, dass es etwas Neues enthalten hätte, seitdem Fed-Chef Bernanke letzte Woche in den Mund gelegt wurde, dass die Notenbank eine Pause bei den Zinserhöhungen machen würde. Die Konjunktur scheine sich zu verlangsamen, während der Inflationsdruck unter Kontrolle sei, so die Zusammenfassung in einem Satz. Wie gesagt, das ist nichts Neues. Und es ist, Verzeihung, ohnehin nicht mehr als heiße Luft. Ob sich all diese Vermutungen, Erwartungen und Prognosen auch nur annähernd bestätigen werden, werden die Konjunkturdaten der nächsten zwei bis drei Monate weisen. Meiner Ansicht nach geht das Wachstum zu schnell zurück, die Inflation aber gar nicht. Aber wir werden sehen.
... und das Resultat
Das Beige Book war im Dow Jones aber immerhin für 50 Punkte Anstieg in einer halben Stunde gut. Die restlichen 90 Minuten der Sitzung befasste sich der Dow damit, diese 50 Punkte wieder abzugeben. Das faszinierende Resultat dieser hochspannenden Sitzung: Dow Jones –1,3 Punkte, S&P 500 –0,5 Punkte, Nasdaq 100 –1,6 Punkte.
Bitte glauben Sie mir, ich will Sie nicht mit müden Börsen quälen, während in anderen Märkten das wahre Leben pulsiert. Aber weder am Renten-, noch am Rohstoff- oder Devisenmarkt tat sich gestern irgend etwas interessantes ... wir haben jetzt einfach die typische „Saure Gurken“-Zeit der Kernurlaubsphase. Ich habe die US-Aktienmärkte deshalb ausgesucht, weil sie trotz aller Schläfrigkeit an chart- und markttechnisch durchaus spannenden Punkten stehen. Und egal, wie heiß es in den kommenden Tagen sein wird, eine Entscheidung wird hier fallen.
Entscheidungsmarken auf engstem Raum
Sie sehen im Chart des Standard & Poors 500 (S&P 500), dass der Index zwar den Mai-Abwärtstrend überwunden hat, aber noch nicht wieder in den kurzfristigen Aufwärtstrendkanal zurückkehren konnte. Amüsanterweise liegen das Hoch und das Tief der gestrigen Sitzung jeweils genau an diesen Chartmarken. Sobald der Index aus dieser winzigen Zone ausbricht, sind nach oben ebenso wie nach unten 40-50 Punkte drin.
Dabei gilt nach wie vor: Hier geht es um ganz kurzfristige Entscheidungen, die, egal in welche Richtung der Ausbruch erfolgt, keine Tragweite über eine Woche hinaus haben können. Solche Kursbewegungen werden nicht darüber entscheiden, wo die Aktienmärkte Ende September stehen werden.
Beim Dow Jones geht es um die Mai-Abwärtstrendlinie, die im Tagesverlauf leicht überboten wurde, der Schlusskurs lag dann aber fast punktgenau darunter. Einzig der Nasdaq 100, angesichts der doch unter dem Stich enttäuschenden Quartalsbilanzen der Hightechs verständlicher Träger der Roten Laterne, hat noch nicht einmal einen relevanten Widerstand angelaufen. Hier war der Widerstand gestern einzig in der „runden Zahl“ 1.500 zu sehen. Charttechnisch wichtig würde es aber erst, wenn die Notierungen die Zone 1.515/1.520 nach oben durchbrechen könnten.
Sie sehen: Viel saurer können die Gurken nicht werden. Es ist schon selten, dass sich die Akteure trotz einer so leicht möglichen Chance auf eine kleine Rallye gelangweilt zurückhalten. Doch eines lehrt uns die Erfahrung: Gerade dann, wenn man glaubt, auch mal ein paar Tage wegschauen zu können, kommen die Kurse blitzartig wieder ins Laufen ... ich gehe daher davon aus, dass wir bald wieder Spannenderes zu berichten haben.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt


