Ursachen der Finanzkrise?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 13. Januar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
kürzlich erhielt ich eine Leserzuschrift, in der ich gefragt wurde, was ich von der anstehenden amerikanischen "Untersuchungskommission" zur Finanzkrise halte. Da diese heute ihre offizielle Arbeit beginnt, beantworte ich die Frage des Lesers öffentlich in Form des folgenden Artikels (und nehme dabei kein Blatt vor den Mund).
Alexander Hahn
es ist aus meiner Sicht lächerlich und fast schon eine Beleidigung des Intellekts des Zuschauers: Heute beginnt in den USA das wohl größte öffentliche Ablenkungsmanöver zur Verschleierung der wahren Ursachen der Finanzkrise.
Der sog. "US-Finanzkrisenausschuss" soll seine Arbeit aufnehmen, um u.a. die Schuldigen für die Finanzkrise herauszufinden bzw., wie es überhaupt dazu kommen konnte. Die Antworten hierauf stehen allerdings schon längst so gut wie fest (Politik und Finanzbranche in gemeinsamer Arbeit und gemeinsamer Interessenlage), wenn einem Geschichte nicht ganz ein Fremdwort ist und man ein wenig über grundsätzlichen ökonomischen Sach- und gesunden Menschenverstand verfügt (offenbar im Gegensatz zu manch einem der zahlreichen "Experten", die sich die letzten Jahre unverständlicherweise trotz Krise und Scheitern der eigenen Modelle mit ihren gefährlichen und teils gar äußerst unseriösen und unwissenschaftlichen Theorien weiter profilieren konnten).
Sie kennen die Geschichte: Seit Jahren schon warnte eine Minderheit an durchaus fähigen Ökonomen und man verlachte sie damals immer wieder öffentlich und spottete verächtlich über die "dummen Verschwörungstheoretiker" und die "Alarmisten", die man ja "nicht ernst nehmen könne". Dabei hätte man nur zuhören und zur Abwechslung einmal den eigenen Verstand gebrauchen müssen.
Heute, nachdem die besagten und fundierten Prognosen der "Verschwörungstheoretiker" natürlich eingetroffen sind und sich weiterhin mit hoher Präzision weiter entfalten, möchte man natürlich seitens der damaligen Dummschwätzer erst recht nichts von den wirklichen Experten hören, welche die korrekten Prognosen teils sogar im Detail schon vor Jahren machten und davon auch trotz der persönlichen Anfeindungen vielerorts nicht abwichen.
Diese Einstellung scheint sich auch bei der jetzigen "Untersuchung" der Krise bereits in gewissem Maße zu zeigen.
Ein kleines Beispiel: Es gibt einen sehr bekannten und mit recht gesundem ökonomischem Sachverstand gesegneten Amerikaner: Peter Schiff. Herr Schiff ist seines Zeichens Inhaber einer soliden Brokerfirma in den USA, welche ihren Kunden schon vor einigen Jahren zu großzügigen Goldinvestments und ausländischen Investments außerhalb der USA riet - aufgrund Herrn Schiffs eigenen Prognosen, welche großteils der österreichischen Schule folgen. Seit Jahren lässt sich Herr Schiff immer wieder in nationalen Fernsehsendungen von Besserwissern anpöbeln, nur um öffentlich immer wieder vor dem zu warnen, was noch kommt. 2005 und 2006 warnte er bereits (wie viele andere Experten) detailliert vor den Dingen, die wir heute erleben. Seine Prognosen trafen großteils ins Schwarze, Stück für Stück. Man hätte nur zuhören und etwas mit dem eigenen Hausverstand nachdenken müssen (heute warnt er vor neuen Dingen, aber das ist ein anderes Thema...).
Wenn Sie nur einmal bei Google z.B. eingeben "who predicted financial crisis" (also auf Deutsch: Wer sah (die) Finanzkrise kommen), ist der erste Treffer, wer hätte es gedacht, ein Artikel über Herrn Schiff inkl. einem recht bekannten Video mit über 1,6 Millionen Aufrufen bei YouTube, was die von mir besagten Punkte sehr deutlich und anschaulich zeigt. Sehen Sie sich das Video ruhig einmal an und vergleichen Sie Herrn Schiffs Diagnose der Lage und seine Prognosen mit heute auf die zahlreichen, teils sogar sehr genauen Übereinstimmungen. Und sehen Sie sich dann die überheblichen "Prognosen" und dümmlichen Kommentare der anderen "allwissenden" Herren an... Dennoch gelten derartige Kandidaten heutzutage vielerorts immernoch als "Experten" und werden dementsprechend in manch einem Massenmedium zitiert und hofiert.
Als Herr Schiff hörte, dass es eine Untersuchungskommission in Washington geben würde, bot er sich nach seinen eigenen Aussagen sogar der Kommission als Sachverständiger an - komplett ohne Honorar (man muss dazu sagen, dass Herr Schiff ein weltweit stark gebuchter Redner auf zahlreichen Investmentkonferenzen ist und sehr viele Leute nicht gerade wenig bezahlen, um ihn zu hören).
Doch bis heute erhielten Herr Schiff und eine Reihe anderer Experten, die mit ihren Prognosen richtig lagen und ihre Hilfe der Kommission angeboten hatten, keine Antwort - trotz teils auch wiederholter Nachfrage und dem Angebot, kostenlos zur Verfügung zu stehen. Ob es daran liegt, dass Herr Schiff als Schritte zur Krisenlösung politisch unopportune Dinge wie etwa weniger Staatsschulden fordert? Möchte man das als Politiker nicht noch mehr in den Medien haben? Ich weiß es nicht.
Aber alleine hieran zeigt sich m.E. schon deutlich, was das wirkliche Ziel dieser sog. "Untersuchungskommission" sein wird. Genauso wie die letzte sog. "Untersuchungskommission" damals über den 11. September 2001 zahlreiche wichtige und unbequeme Fragen weitgehend ignorierte, werden auch hier die wichtigen Fragen sicherlich nicht beantwortet werden.
Durch die Medien wird man diese irrelevante Nebelbombe allerdings mit Sicherheit wieder treiben und das Geschehen mit unzähligem leeren Geschwätz und tollen Anhörungen, bei denen ein paar finanziell bestens abgesicherte und versorgte Manager und Ex-Manager für die Kamera und damit für das "Entertainment der Massen" schauspielerisch ein wenig verbal grob angefasst werden, garnieren. Das wird das Ergebnis allerdings nicht tangieren, sondern ist nur ein leeres Charakteristikum dieses PR-Zirkuses für die Massen.
Und ich bin mir sicher: Zufälligerweise wird das Endergebnis dieser Untersuchung sicher recht gut "verdaubar" sein und zu den aktuellen politischen Plänen in Washington passen (mehr Regulierung, noch mehr Sozialismus, mehr Abbau des "gescheiterten" freien Markts). Natürlich wird allerseits Besserung gelobt und "Reform" mit wichtigem Gesichtsausdruck und erhobenem Zeigefinger angemahnt werden. Beim nächsten Mal wird natürlich alles anders. Doch auch das werden nur die üblichen hohlen Worte und dürftigen "PR-Gags" sein. Wie eben in der Geschichte meist nach derartigen "Wahrheitskommissionen" hinsichtlich Dingen, in denen die Politik großteils selbst mehr als tief genug beteiligt war und nach wie vor ist.
Beste Grüße
Beste Grüß
ähnliche Beiträge:
- Folge der Finanzkrise: Kokain billiger als Bier
- Trotz Finanzkrise: Analyse der Einzelwerte aus S&P 500
- Finanzkrise: Rettung oder Vertagung?
- Ursachenforschung der Finanzkrise Teil I
- Finanzkrise und US-Wahlkampf
- Finanzkrise und US-Wahlkampf
- Finanzkrise und US-Wahlkampf
- Finanzkrise
- Finanzkrise Teil II und NASDAQ 100 Analyse
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Thomas Grimberg (13.01. 2010 17:58 Uhr):
Die Wahrheit ist leider nicht erwünscht ! Sonst würde das Spiel nicht funktionieren.
Antworten - Kommentar von Iliem (13.01. 2010 19:11 Uhr):
Gut gebrüllt Löwe! bzw. Herr Hahn Genau so wird es kommen und genau so war es in den letzten Jahren immer. Ablenkung und Verschleierung sowie ein Bauernopfer. Das wird alles sein.
Antworten - Kommentar von Laila Yssen (13.01. 2010 23:47 Uhr):
Der ehemalige Secret Service Agent and schriftsteller John Le Caree hat mal gesagt: Wenn die Regierung eine Untersuchungskomission gründet - ist das eine Deckoperation. So Einfach ist es. Anfang der 90' Jahre habe ich in Oslo, Norwegen ein neues System für bessere Prognosen presentiert auf höchste Niveau in Politik und Wirtschaft: Mein "Early Warning System", ist ein internationales system basiert auf Zyklische Prosesse, die wunderbar funktioniere. Ich war naiv genug zu glauben, dass man in meinem Land eine genuine Interesse an Seriöse Wissenschaftliche Fortschritte wäre. Was ist passiert: Ich wurde verfolgt und überwacht, schlimmer noch ich wurde Enteignet, und fast in einem "Autounfall" um's Leben gekommen. Zwei Generationens harte arbeid war auf einmal weg. Ich lebe jetzt in Exil in Spanien - und habe immer noch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich mein Wissen für ein Internationales Publikum presentieren darf.
Antworten - Kommentar von Wolfgang Scheid (14.01. 2010 01:31 Uhr):
Das ist ja alles ganz schön und gut, aber warum erwähnen auch Sie nicht endlich einmal den Namen LaRouche, dagegen können Sie Ihren Schiff in der Pfeife rauchen. Letzten Endes stehen wir nach wie vor unter dem ungelösten Derivate-Debakel in dreistelliger Billionenhöhe weltweit, und alle Argumente wie auch von Ihnen die Staatsverschuldung sind doch nur Ablenkungsgeschwätz von der nicht mehr zu verhindernden weltweiten Pleite! Also bitte, kennen Sie überhaupt LaRouche oder etwa nicht? Wenn tatsächlich nein,hören Sie bitte auf zu schreiben; ...
Antworten - Kommentar von Alexander Hahn (14.01. 2010 12:28 Uhr):
Sehr geehrter Herr Scheid, Herr LaRouche, seine Thesen und sein Hintergrund sind mir bekannt und es gibt meinerseits ein paar ganz gute Gründe, warum ich ihn hier nicht erwähne und auch nicht erwähnen werde. Beste Grüße Alexander Hahn
Antworten
ENL5462
- Kommentar von Alexander Hahn (14.01. 2010 12:31 Uhr):
Sehr geehrte Frau Yssen, ist das ein Scherz, den Sie mir hier erzählen? Falls nein, würde ich mich freuen, wenn Sie mich einmal per E-Mail kontaktieren würden. Beste Grüße Alexander Hahn
Antworten - Kommentar von Flechtner (14.01. 2010 13:36 Uhr):
Lieber Herr Hahn, Ihrem Bericht ist nichts mehr hinzuzufuegen. Mich macht das ganze nur traurig, da auf der ganzen Welt ,die Luegenbarone oben auf sind.Man kann nur hoffen,dass sie sich eines Tages selbst vernichten.
Antworten - Kommentar von W Th Lax (14.01. 2010 20:34 Uhr):
Lieber Herr Hahn, dieser Artikel hat mich begeistert! Denn er stellt das fest, was ich als Bilanzbuchhalter und Dozent in Bilanzen lesen und verstehen immer schon behauptete: Die Finazkrise ist nicht durch die Kontrollen vorhersehbar gewesen, sondern duch die Kontrollöre,welche nicht die Bilanzfälschungen und "vergessene" AFA sahen, weil bewusst nicht qualifizierte zu Prüfern einsetzten. Und nun sehen wir, dass wieder der gleiche Fehler gemacht wird und wir wieder in eine weitere Finanzkrise schlttern. Was müssen wir "normalen" Menschen unternehmen, um das zu verweiden?? Grüße W Th Lax
Antworten
Artikel weiterempfehlen