Uran, auf einmal doch mit Zukunft?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 24. April 2007 12:00 Uhr
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Mit einem schlechten Wortspiel möchte ich den heutigen Beitrag beginnen. Denn „Zukunft“ heißt auf Englisch „future“. Uran hat damit eine Zukunft, denn:
Es wird bald einen Uran-Future geben!
Das ist eine Hammer-Nachricht! Denn Uran war bis jetzt für Investoren als Basiswert direkt überhaupt nicht abdeckbar!
(Einschub dazu: Ich möchte hier mal außen vor lassen, dass ich mit Atomenergie wenig am nicht vorhandenen Hut habe; es ist aber nun einmal ein Faktum, dass die Nachfrage nach Uran steigt. Das müssen wir als Trader zur Kenntnis nehmen, auch wenn es zumindest mir persönlich überhaupt nicht gefällt.)
Abdeckbar sind Rohstoffe dann, wenn Sie an einer Börse gehandelt werden. Und gehandelt werden Rohstoffe meist „auf Termin“, d.h. eine bestimmte Menge wird zu einem bestimmten Datum gekauft/verkauft. Das wird standardisiert über einen konkreten Rohstoff-Future abgewickelt.
Ein Beispiel: An der Börse Chicago gibt es einen „Dezember Mais Future“, der bis zum 15. Dezember gehandelt werden kann. Wer den kauft (im Börsenjargon „long gehen“ genannt), der bekommt nach Fälligkeit 5.000 Scheffel Mais je Kontrakt geliefert, zum vereinbarten Preis. Wer verkauft („short geht“) bekommt diese 5.000 Scheffel geliefert. Und wer nur spekulieren möchte (wie wir), sollte auf jeden Fall vor Fälligkeit die Position wieder glattstellen. (Es sei denn, Sie haben Interesse daran, in Chicago 5.000 Scheffel Mais geliefert zu bekommen.)
Diese Rohstoff-Futures sind die Basis für hierzulande handelbare Rohstoff-Zertifikate. Denn der Emittent kann sich über diese Futures absichern. Das ist standardmäßig so. Und die Rohstoff-Zertifikate sind die Instrumente, auf die ich setze (nicht die Futures!).
Wenn es nun für einen bestimmten Rohstoff keine Börse mit entsprechendem Rohstoff-Future gibt, dann können Sie sicher sein, dass es auch kein hierzulande handelbares Zertifikat für diesen Rohstoff gibt (da der Emittent sich eben nicht absichern kann).
Das ist der Grund, warum es bis jetzt kein einziges Uran-Zertifikat gab. (Es gibt lediglich einige Aktienkörbe, die Uran-Explorer oder Uran-Minen enthalten, aber auf „Uran direkt“ gab es nichts.)
Getreu meiner Devise „Märkte statt Einzeltitel“ setze ich lieber direkt auf einen Rohstoff als auf ein entsprechendes Rohstoff-Unternehmen. Ich kaufe also lieber ein Platin-Zertifikat als eine Platin-Mine und rate Ihnen, das genauso zu handhaben. Denn wenn Sie eine Platin-Mine kaufen wollen, müssen Sie ohnehin die fundamentale Situation von Platin untersuchen.
Ist diese negativ, brauchen Sie auch keine Platin-Mine kaufen. Ist diese positiv, dann können Sie doch da Ihre Analyse beenden und direkt ein Platin-Zertifikat kaufen. Warum sollten Sie da weiter recherchieren und sich am Ende doch nur ein erhöhtes Einzeltitelrisiko ins Depot holen? Denn Platin selbst kann nicht „pleite gehen“, eine Platin-Mine hingegen schon. Und Platin kann auch kein „kriminelles Management“ haben, und so weiter….
Doch zurück zu Uran! Wie gesagt, bis jetzt gab es kein Uran-Zertifikat, da es eben keinen Uran-Future gab.
Das ändert sich nun: Die große Rohstoffbörse „New York Mercantile Exchange“ (NYMEX) hat vermeldet, dass ab dem 7. Mai ein Uran-Future gehandelt werden soll. Dieser Uran-Future soll die „Benchmark“ für den Preis sein, den Uran-Verkäufer und Uran-Käufer miteinander aushandeln.
Und dieser Uran-Future dürfte ziemlich schnell von Emittenten dazu genutzt werden, ein reinrassiges Uran-Zertifikat aufzulegen. Also, ab dem 7. Mai sind Uran-Zertifikate möglich! Ich werde mir dann mal ansehen, was die Emittenten so präsentieren werden.
Beste Grüße,
Michael Vaupel