Ur-Hoffnung in den Lender of Last Resort
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 7. Oktober 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser!
Während der gestrige Montag für die Aktienmärkte weltweit wieder ein schwarzer war, gab es im deutschen Leid-Index einmal mehr ein Papier, das von den Verwerfungen der Krise völlig unbeeindruckt nach oben schoss und gen 300 Euro kletterte.
Richtig, um Fundamentales geht es im VW-Stammaktien-Wahnsinn schon längst nicht mehr. Eines Tages wird dann aber auch diese Finanzblase nicht mehr unter Shortie- bzw. Stillhalter-Eindeckungs-Schutz" stehen und dann doch platzen.
Fast noch extremer aber ist, dass das Papier des vermeintlichen Blasen-Profiteurs, des Großaktionärs Porsche, zwischenzeitlich prozentual zweistellig verliert und vom VW-Höhenflug alles andere als profitieren kann. Auf den im historischen Vergleichen extremen Spread zwischen VW-Vorzügen und -Stämmen sei nur am Rande hingewiesen.
Staatsgarantie für private Einlagen
Das Thema schlechthin allerdings war die mündlich ausgesprochene Staatsgarantie für private Spareinlagen der Bundeskanzlerin bzw. des Bundesfinanzministers.
Ja, mit dieser ABSICHTSERKLÄRUNG bürgt der Bund für deutlich mehr als 1000 Milliarden Euro, was wohl einmalig in der Weltfinanzgeschichte ist. In diesem Kontext betonte ein Steinbrück-Sprecher, dass es Hinweise gegeben habe, dass die Bürger deutlich mehr Bargeld abheben würden. Um einen Zusammenbruch zu verhindern, habe sich die Bundesregierung zur Garantie entschlossen. Die Garantie umfasse Sparkonten, Girokonten und Termineinlagen, aber explizit nicht Zertifikate und Fonds. Ob und wann die mündlich ausgesprochene Garantie juristisch en Detail wasserfest gemacht wird, war unklar.
Bisher kein Auffangfonds
Fakt ist weiter, dass für die zeitlich unbegrenzte und auch für ausländische Sparer geltende Staatsgarantie vom Bund effektiv bisher keine Finanzmittel via Auffangfonds vorhanden sind. Aber, es gibt ja immer noch die Möglichkeit, das Finanz-Spiel mittels Ausgabe neuer Staatsanleihen am Leben zu halten. So lange es Investoren gibt, denen es am Ur-Vertrauen in den Staat und dessen Macht, sich mittels der Steuerpeitsche am imaginären Wesen Steuerzahler (-sklave) zu bedienen, nicht mangelt, geht das Spiel munter und fröhlich weiter. Leider.
Am Ende des Tages ist es letztlich aber völlig unbeachtlich, ob man nun als deutscher Steuerzahler oder Sparer schlaflose Nächte hat.
Schließung des Spielsalons
Aber vielleicht kommt es ja gar nicht mehr so weit. Auffällig oft wurde vom Plan B" des Finanzministers gesprochen, bei dem es angeblich um besseres Krisenmanagement" gehe. Manch einer wird beim Plan B sicher an die Umsetzung des § 47 Kreditwesengesetzes gedacht haben, der es der Bundesregierung zur Vermeidung schwerwiegender Gefahren für die Gesamtwirtschaft" erlaubt, den Bank- und Börsenverkehr mittels Rechtsverordnung vorübergehend zu schließen.
Schäuble spricht Klartext
Etwas offener war indes der Bundesinnenminister, der in einem Spiegel-Interview von einer unglaublichen Bedrohung für die gesamte Gesellschaft" sprach, die aus einer wirtschaftlichen Krise entstehen könne. Niemand wisse, wie schlimm diese Krise noch wird".
Da trifft es sich ganz gut, dass die große Koalition mittels Grundgesetzänderung den Einsatz der Bundeswehr im Inneren - selbstverständlich vornehmlich zur Unterstützung der Polizei im Kampf gegen den Terror -mittels Änderung des Artikels 35 Grundgesetz plant.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, noch hat NIEMAND die Absicht, zur Umsetzung von Notstandsgesetzen (Wirtschaftssicherstellungsverordnung) die Bundeswehr einzusetzen. Noch sind die Regale in den Supermärkten voll. Noch.