Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom
Liebe Leser,
heute ist es - wie ich finde - wieder einmal an der Zeit einen zwischenzeitlichen Blick auf unseren Zucker und die zuvor von mir getroffenen Überlegungen zu werfen.
Zunächst noch einmal ein Auszug aus dem Rohstoff-Daily vom 18. November 2008:
" Das wichtigste für einen Anleger in Rohstoffen ist eigentlich, dass er in der Lage ist zukünftige Entwicklungen vorherzusehen, die nicht auf dem Radarschirm der Spekulanten auftauchen. So werden Sie in den aktuellen Statistiken und Erwartungen wenige Anhaltspunkte finden, die für einen massiven Anstieg der Zuckerpreise und eine Investition in Zucker sprechen. Die Erwartungshaltung der Analysten ist konservativ, denn diese erwarten bis Ende 2009 im Schnitt nur einen Zuckerpreis von rund 13 bis maximal 15 US-Cents.
Doch Analysten neigen in der Masse dazu mehrheitlich falsch zu liegen, denn sie trauen sich oft nicht extreme Prognosen abzugeben, die eine hohe Fehleranfälligkeit besitzen. Deshalb tendiert der Mensch dahin, dass er die Erwartungen seiner Kollegen anschaut und nur tendenziell aber nicht substantiell von dieser Erwartung abweicht. Denn der Analyst würde bei Nichteintreten seiner Prognose dann von allen anderen Analysten ausgelacht und in den Medien lächerlich gemacht.
Doch sage ich, bringt uns eine extreme Kursprognose an den Märkten weiter, als das "Konsensdenken", welches unweigerlich zu hohen Verlusten führen muss. Für uns Privatanleger ist es viel einfacher die Gründe für Extremprognosen nachzuvollziehen und zu bewerten und dann diese Prognose ernst zu nehmen oder eben in den Papierkorb zu werfen.
Also habe ich mich auf die Suche nach einer Extremprognose für Zucker gemacht und bin auch in einigen Studien fündig geworden.
Den größten Rückgang in der Produktion wird voraussichtlich Indien verbuchen müssen. Hier steht in einzelnen Analysen etwas von einem bis zu 16% Rückgang der Produktion. Da man sich in Indien wegen der tiefen Zuckerpreise auf Alternativen konzentriert. Da Indien im letzten Jahr mehr als 30 Millionen Tonnen Zucker produziert und damit weltweit Rang zwei nach Brasilien und vor China einnahm, müssen Sie solche Aussagen extrem ernst nehmen.
Dies würde bedeuten, dass das US-Landwirtschaftsministerium USDA einmal mehr mit der Schätzung der indischen Produktion von 28 Millionen Tonnen (10% Rückgang) daneben liegen würde. Der Ausfall für die Weltproduktion würde dann allein durch Indien bedingt rund 5 Millionen Tonnen ausmachen und die Unterversorgung würde dann entsprechend auf Richtung 7 Millionen Tonnen steigen.
Nur höhere Preise würden hier bei den Produzenten einen Anreiz für mehr Anbaufläche schaffen.
Deshalb könnte Zucker, wenn das Szenario eintritt, auch einer der größten positiven Überraschungen in den nächsten 2 Jahren werden.
Sollte der Zuckerpreis entgegen dieser Prognosen aber weiter fallen und wieder unter 10 US-Cents stehen, würden die Produktionssenkungen noch sehr viel drastischer ausfallen und ein Preis von unter 10 US-Cents ist zwar nicht ausgeschlossen, würde aber auf jeden Fall nur temporär sein.
Da nirgendwo sonst in der Welt die Absatzpreise eine so große Rolle für die Preisprognosen spielen, als bei den Agrarrohstoffen, ist es deshalb wichtig, dass man einen Rohstoff wie Zucker immer nur am unteren Ende eines Bandes kauft. Immer dann wenn keiner einen starken Anstieg erwartet. Und dann muss man viel Geduld aufbringen, bis die Unterversorgung von Spekulanten erkannt wird und der Preis auf ein neues höheres Niveau steigt. Dieses könnte bei Zucker zwischen 15 und 20 US-Cents liegen."
Am 11. Februar hielt ich es für angebracht ein erstes Update der Prognose abzugeben. Hier ein Auszug aus dem Rohstoff-Daily vom 11.02.2009:
" Im November hatte ich noch geschrieben, dass man bezüglich der indischen Zuckerproduktion mit einem Rückgang von 16% rechnet. Im letzten Wirtschaftsjahr produzierte Indien rund 30 Millionen Tonnen Zucker.
Mittlerweile liegen die Schätzungen für die diesjährige indische Zuckerproduktion bei nur noch 16 Millionen Tonnen. Das ist so ernst, dass das Land mittlerweile zum ersten Mal seit drei Jahren gezwungen ist Zucker zu importieren.
...
Der Zuckerpreis hat sich mittlerweile gut erholt und notiert aktuell bereits bei 13,50 US-Cents pro Pfund. Damit haben wir also schon einmal die verhaltenen Erwartungen der Analysten erreicht. Und das in sehr kurzer Zeit.
Auch technisch gesehen spricht in meinen Augen vieles dafür, dass der Aufwärtstrend sich noch weiter fortsetzen dürfte. Am 5. Februar hat der Preis über seinem 125-Tage-GD geschlossen und das höchste Level innerhalb der vergangenen vier Monate erreicht."
Und heute?
Tatsächlich ist die Prognose insoweit bislang völlig aufgegangen. Sugar 11 zur Lieferung im Juli erreichte am 12. Mai ein neues Kontrakt-Hoch bei 16 US-Cent pro Pfund.
Die fundamentale Ausgangslage bestätigt diese Entwicklung vollauf! (Dazu morgen noch gesondert und ausführlich mehr...)
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