Update: Zuckerprognose
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. Dezember 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Nach dem gestrigen Update zur Kaffeeprognose ist es heute somit an der Zeit für ein weiteres Update - zur Zuckerprognose. Insbesondere, da der Sugar 11 - Future (März 10) heute an der ICE Futures US bei 26,15 US-Cent pro Pfund den höchsten Preis seit Februar 1981 erreicht hat.
Sehen wir uns zunächst eine Zusammenfassung der Zucker - Updates an. Die erste positive Prognose stellte ich im November letzten Jahres!
Zunächst also noch einmal ein Auszug aus dem Rohstoff-Daily vom 18. November 2008:
" Das wichtigste für einen Anleger in Rohstoffen ist eigentlich, dass er in der Lage ist zukünftige Entwicklungen vorherzusehen, die nicht auf dem Radarschirm der Spekulanten auftauchen. So werden Sie in den aktuellen Statistiken und Erwartungen wenige Anhaltspunkte finden, die für einen massiven Anstieg der Zuckerpreise und eine Investition in Zucker sprechen. Die Erwartungshaltung der Analysten ist konservativ, denn diese erwarten bis Ende 2009 im Schnitt nur einen Zuckerpreis von rund 13 bis maximal 15 US-Cents.
Doch Analysten neigen in der Masse dazu mehrheitlich falsch zu liegen, denn sie trauen sich oft nicht extreme Prognosen abzugeben, die eine hohe Fehleranfälligkeit besitzen. Deshalb tendiert der Mensch dahin, dass er die Erwartungen seiner Kollegen anschaut und nur tendenziell aber nicht substantiell von dieser Erwartung abweicht. Denn der Analyst würde bei Nichteintreten seiner Prognose dann von allen anderen Analysten ausgelacht und in den Medien lächerlich gemacht.
Doch sage ich, bringt uns eine extreme Kursprognose an den Märkten weiter, als das "Konsensdenken", welches unweigerlich zu hohen Verlusten führen muss. Für uns Privatanleger ist es viel einfacher die Gründe für Extremprognosen nachzuvollziehen und zu bewerten und dann diese Prognose ernst zu nehmen oder eben in den Papierkorb zu werfen.
Also habe ich mich auf die Suche nach einer Extremprognose für Zucker gemacht und bin auch in einigen Studien fündig geworden.
Den größten Rückgang in der Produktion wird voraussichtlich Indien verbuchen müssen. Hier steht in einzelnen Analysen etwas von einem bis zu 16% Rückgang der Produktion. Da man sich in Indien wegen der tiefen Zuckerpreise auf Alternativen konzentriert. Da Indien im letzten Jahr mehr als 30 Millionen Tonnen Zucker produziert und damit weltweit Rang zwei nach Brasilien und vor China einnahm, müssen Sie solche Aussagen extrem ernst nehmen.
Dies würde bedeuten, dass das US-Landwirtschaftsministerium USDA einmal mehr mit der Schätzung der indischen Produktion von 28 Millionen Tonnen (10% Rückgang) daneben liegen würde. Der Ausfall für die Weltproduktion würde dann allein durch Indien bedingt rund 5 Millionen Tonnen ausmachen und die Unterversorgung würde dann entsprechend auf Richtung 7 Millionen Tonnen steigen.
Nur höhere Preise würden hier bei den Produzenten einen Anreiz für mehr Anbaufläche schaffen.
Deshalb könnte Zucker, wenn das Szenario eintritt, auch einer der größten positiven Überraschungen in den nächsten 2 Jahren werden.
Sollte der Zuckerpreis entgegen dieser Prognosen aber weiter fallen und wieder unter 10 US-Cents stehen, würden die Produktionssenkungen noch sehr viel drastischer ausfallen und ein Preis von unter 10 US-Cents ist zwar nicht ausgeschlossen, würde aber auf jeden Fall nur temporär sein.
Da nirgendwo sonst in der Welt die Absatzpreise eine so große Rolle für die Preisprognosen spielen, als bei den Agrarrohstoffen, ist es deshalb wichtig, dass man einen Rohstoff wie Zucker immer nur am unteren Ende eines Bandes kauft. Immer dann wenn keiner einen starken Anstieg erwartet. Und dann muss man viel Geduld aufbringen, bis die Unterversorgung von Spekulanten erkannt wird und der Preis auf ein neues höheres Niveau steigt. Dieses könnte bei Zucker zwischen 15 und 20 US-Cents liegen."
Am 11. Februar hielt ich es für angebracht ein erstes Update der Prognose abzugeben. Hier ein Auszug aus dem Rohstoff-Daily vom 11.02.2009:
" Im November hatte ich noch geschrieben, dass man bezüglich der indischen Zuckerproduktion mit einem Rückgang von 16% rechnet. Im letzten Wirtschaftsjahr produzierte Indien rund 30 Millionen Tonnen Zucker.
Mittlerweile liegen die Schätzungen für die diesjährige indische Zuckerproduktion bei nur noch 16 Millionen Tonnen. Das ist so ernst, dass das Land mittlerweile zum ersten Mal seit drei Jahren gezwungen ist Zucker zu importieren.
...
Der Zuckerpreis hat sich mittlerweile gut erholt und notiert aktuell bereits bei 13,50 US-Cents pro Pfund. Damit haben wir also schon einmal die verhaltenen Erwartungen der Analysten erreicht. Und das in sehr kurzer Zeit.
Auch technisch gesehen spricht in meinen Augen vieles dafür, dass der Aufwärtstrend sich noch weiter fortsetzen dürfte. Am 5. Februar hat der Preis über seinem 125-Tage-GD geschlossen und das höchste Level innerhalb der vergangenen vier Monate erreicht."
Gefolgt vom nächsten Update am 18.Mai 2009! Auszug:
Und heute?
Tatsächlich ist die Prognose insoweit bislang völlig aufgegangen. Sugar 11 zur Lieferung im Juli erreichte am 12. Mai ein neues Kontrakt-Hoch bei 16 US-Cent pro Pfund.
" ...So gesehen dürfte auch der Zuckerpreis noch genügend Fantasie bis in Richtung der 18 US-Cent in sich tragen. Zumindest so lange es nicht zu einem starken und anhaltenden Stimmungseinbruch an den Märkten im Allgemeinen kommt - und natürlich immer abgesehen von zwischenzeitlichen Rücksetzern."
Schließlich riet ich zu Gewinnmitnahmen! Der Preis war mittlerweile über 18 US-Cent gestiegen. Auszug aus der Ausgabe vom 15.Juli 2009:
Eigentlich sieht das Bild für Zucker, sowohl technisch als auch fundamental, gar nicht so schlecht aus für sogar noch höhere Preisnotierungen.
...
Alles in allem erfreut sich der Markt aktuell noch immer recht bullischer fundamentaler Faktoren. Ein Umstand der dazu führen könnte, dass wir in den kommenden Wochen sogar das obere Preisziel bei 20 US-Cent pro Pfund erreichen könnten.
Dennoch gilt es nicht übereuphorisch zu werden und stattdessen einen kühlen Kopf zu bewahren!
Dies ist zwar kein Börsenbrief und dementsprechend gebe ich hier auch keine Handlungsempfehlungen ab, dennoch würde ich persönlich in diesem Moment daran denken, nun endlich Gewinne mitzunehmen und noch eine kleine Position offen zu lassen.
Nächstes Update vom 01. September 2009:
Doch die Rallye läuft unaufhaltsam weiter. Gestern hat der Zuckerpreis sogar ein 28-Jahres-Hoch bei 24,85 US-Cent pro Pfund erreicht.
Bemerkenswert ist vor allem, dass wir es hier im Zuckermarkt tatsächlich mit starken fundamentalen Faktoren zu tun haben, welche diese Preisentwicklung unterstützen. Und diese Faktoren verlieren vorerst nicht an Gültigkeit und Brisanz.
...
Die Faktoren stehen vorerst gut für eine Weiterführung des Aufwärtstrends, mit dem nächsten Ziel bei 30 US-Cent pro Pfund. Sollten Sie nach ersten Gewinnmitnahmen (zwischen 38 % Plus und 66% Plus) noch eine Long-Position halten, wäre aktuell (nach der Verdoppelung seit Jahresbeginn) sicher kein schlechter Zeitpunkt um weitere Gewinnmitnahmen durchzuführen und eine Restposition weiterhin zu halten."
So weit also gar nicht mal schlecht, nicht wahr?!
Sehen wir uns im zweiten Teil an, wie es weitergehen könnte....
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Köppel Willy (17.12. 2009 08:56 Uhr):
Vielen Dank für die fundierte Zuckermarkt Analyse. Für mich ist es nach wie vor unverständlich, dass sich z.B. gerade Indien nicht vermehrt um den Anbau der Stevia Pflanze bemüht, die einen um den Faktor 150-200 höheren Zuckergehalt als z.B Zucker- rohr aufweist und vorallem für die industrielle Verarbeitung bestens ge- eignet wäre. Freundliche Grüsse aus der Schweiz Willy Köppel
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