Update zu Kupfer
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Kupfer als Geldanlage
vom 28. November 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Kupfer: Was hat China vor?
Eigentlich hat das Reich der Mitte angekündigt, für wichtige Rohstoffe riesige strategische Lager anlegen zu wollen. (Würde ich, „wenn ich China wäre“, genauso tun.)
Doch im Fall von Kupfer hat China in den letzten Monaten seine Nachfrage auf dem Rohstoff-Weltmarkt nicht (wie in sonst fast allen Bereichen) gesteigert, sondern – im Gegenteil: verringert.
Das führt dazu, dass die Kupfer-Lagerbestände in London wieder steigen. Folgender Chart zeigt dies sehr deutlich: Seit dem 18. Oktober sind diese Lagerbestände von rund 110.000 Tonnen auf aktuell etwa 160.000 Tonnen gestiegen.
Die Höhe und Entwicklung der Lagerbestände ist für mich immer ein wichtiges Instrument, wenn es darum geht, die Preisentwicklung einzuschätzen. Sinkende Lagerbestände sind ein eindeutiges Zeichen dafür, dass das Angebot mit der Nachfrage nicht mithalten kann. Folge: Tendenziell steigende Notierungen.
Analog dazu sind steigende Lagerbestände ein Zeichen dafür, dass das Angebot die Nachfrage übertrifft. Folge: Tendenziell sinkende Notierungen.
Also, bedeutet das, dass wir deshalb jetzt bei Kupfer tendenziell short gehen sollten?
Die Entwicklung der Lagerbestände spricht dafür. Ich möchte bei Kupfer aber dennoch nicht short gehen.
Begründung: Meiner Einschätzung nach handelt es sich von Seiten Chinas um eine „künstliche Nachfrageverringerung“. In China werden jetzt ja nicht etwa Kupferkabel aus der Wand gerissen, um weniger Kupfer importieren zu müssen. Nein, China greift aktuell auf vorhandene Bestände zurück. Vielleicht ganz einfach deshalb, damit Analysten wie ich nur die in London sinkenden Lagerbestände sehen und dann ein Short-Gehen beim Kupferpreis empfehlen.
Wenn dann viele Marktteilnehmer short gehen würden, würde der Kupferpreis deutlich fallen – und China könnte seine Lager dann zu günstigen Preisen wieder auffüllen.
Doch daraus wird nichts, denn der Kupferpreis fällt ganz einfach nicht. Ok, seit dem Sommer hat er ein wenig abgegeben…aber dennoch steht er aktuell in etwa doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Meiner Ansicht nach merken die Profis bei Kupfer, dass der Anstieg der Lagerbestände in London nicht aufgrund eines „echten“ Nachfragerückgangs zustande kam….sondern aufgrund einer „künstlichen“ temporären Zurückhaltung Chinas.
Also: Bei Kupfer weiter long bleiben. Auch in dieser Phase, in der die Kupfer-Lagerbestände in London mal einige Wochen fallen.
Noch ein Punkt: Gefährlicher für Euro-Investoren ist derzeit meiner Ansicht nach der gegenüber dem Euro schwächelnde Dollar (letzten Freitag schaffte der Euro den Sprung aus seiner wochenlangen Trading-Range). Denn auch in London notiert der Kupferpreis in Dollar...und der schwache Dollar ist für uns Euro-Anlager ein negativer Faktor, wenn wir auf Kupfer setzen. Mein Rat deshalb: Falls möglich, nur Kupfer-Zertifikate mit Währungssicherung kaufen. Leider gibt es die nicht bei Hebelzertifikaten, wohl aber bei Bonus-Zertifikaten.
Beste Grüße,
Michael Vaupel
P.S.: Ich freue mich, Ihnen heute wieder einmal einen Beitrag des Trader´s Daily-Gastautors Jim Rogers präsentieren zu können (siehe unten). Jim Rogers, kennen Sie sicher: Trader-Ikone, mehrere 1000% Plus mit dem Quantum-Fonds, Rohstoff-Bulle und Weltenbummler. Und ganz einfach bodenständig und sympathisch.
