Update zu Griechenland und zum Euro
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 24. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
laut einem Artikel der Financial Times Deutschland könnten sich die Finanzhilfen für das angeschlagene Griechenland auf 20 bis 25 Mrd. Euro belaufen. Und wen wundert`s - Deutschland muss laut eines Berichts des Spiegels ca. 20% oder 4-5 Mrd. Euro dazu beitragen. Selbstverständlich solle der deutsche Steuerzahler nicht mit den Kosten belastet werden (wollen die Abgeordneten stattdessen den Spendenhut durch die Reihen von Bundestag und Bundesrat gehen lassen?)
Die Angst vor einer Staatspleite Griechenlands scheint sehr hoch zu sein. Doch warum nur? Ein Bericht der BAFIN gibt Aufschluss (siehe Link zum obigen Spiegel-Artikel):
"Das Hauptrisiko für den deutschen Finanzsektor besteht in kollektiven Schwierigkeiten der "PIIGS"-Staaten".
Aha, darum geht es: Dem deutschen Finanzsektor muss also zum wiederholten Male mit Ihrem und meinem Geld "unter die Arme gegriffen" werden. Es wäre doch eine undenkbare Ungerechtigkeit, wenn die dicken Bankerboni nicht mehr einfach so in Strömen flössen und man plötzlich für die eigenen Fehler und teils zum Himmel schreiende Inkompetenz und Dummheit geradestehen müsste, wie in jeder anderen Branche bzw. in jedem anderen Beruf? Hier zeigt sich jedenfalls wieder einmal vorzüglich, wer in der BRD wirklich das Sagen hat und wer nicht...
Laut einem Bericht des Wall Street Journals sind es nämlich die französischen sowie deutschen Banken, welche Griechenland-Anleihen in Wert von über $119 Mrd. in den Büchern stehen haben. Doch das ist noch nicht alles. Anleihen der PIIGS-Staaten im Wert von über $900 Mrd. sollen laut dem WSJ-Artikel in den Depots der Banken eingebucht sein.
"Die Zeit" konkretisiert diese Zahlen noch weiter:
„Gewönnen die Märkte und kippten erst Griechenland und weitere Länder, hätte auch Deutschland ein Problem. Die hiesigen Banken haben 523,4 Milliarden Euro allein in Südeuropa verliehen. Im Griechenlandgeschäft sind zwei ganz vorne dabei: die inzwischen staatseigene Hypo Real Estate und die teilverstaatlichte Commerzbank. Im Fall einer Pleite müssten sie einen Teil ihrer Kredite abschreiben – und der deutsche Staat müsste neue Löcher in den Bankbilanzen stopfen. Damit nicht genug, auch die Versicherer wären in Schwierigkeiten: Nach einer Studie der Investmentbank JP Morgan hat die Allianz griechische Staatsanleihen im Wert von 3,6 Milliarden Euro im Portfolio, das Engagement in Spanien liegt bei 6,3 Milliarden Euro, in Italien stehen Forderungen in Höhe von 25,3 Milliarden Euro aus. Breite sich die Krise in Südeuropa aus, gehe womöglich auch Deutschland »langsam in die Knie«, warnte Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Handelsblatt. Mit bösen Folgen für den Euro.“
Zur gleichen Zeit berichtet die Financial Times, dass die Bondemissionen der „PIIIGS“-Staaten die Fremdkapitalaufnahme von Unternehmen immer schwerer macht.
"Die Bondemissionen der Staaten werden die der Unternehmen bei weitem übertreffen. Wenn Griechenland oder Portugal an den Kapitalmarkt gehen, wird das von Fanfaren begleitet. Steigen die Zinsen für Staatsanleihen, steigen dementsprechend auch die Zinsen für Unternehmen. Staats- und Unternehmensanleihen konkurrieren inzwischen um dieselben Investoren.“
Nicht nur, dass die Unternehmen jetzt schwerer an das dringend benötigte Kapital kommen. Nein, die Kosten steigen dadurch natürlich noch einmal zusätzlich. Sie sehen, wie sich die Wellen der „Peripherieproblemchen“ immer weiter ihren Weg in die Realwirtschaft bahnen?
Und natürlich liefern uns die Medien auch den (üblichen) Schuldigen für die Krise, wenn die wahren Verursacher wieder einmal nicht genannt werden sollen...
„Hedge-Fonds greifen weitere Krisenländer an“ titelte das Handelsblatt gestern.
„Tatsächlich sehen unabhängige Experten Indizien dafür, dass Hedge-Fonds zu einer Verschärfung der Krise beigetragen haben. Allerdings haben viele der Fonds inzwischen ihre Gewinne ins Trockene gebracht und sind aus griechischen CDS wieder ausgestiegen.“
Die bösen bösen Hedge Fonds sind also mal wieder an allem schuld. So einfach ist das.
Und während wir uns in Deutschland in bestem römischen Stil an "Brot und Spielen der Neuzeit" (d.h. in diesem Fall z.B. über die deutschen Goldmedaillen) freuen, wirft Wolfgang Münchau bei der FTD-Kolumne das Handtuch und geht nicht mehr davon aus, dass sich diese Währungsunion noch retten lässt.
„Und dann würden wir irgendwann einmal den Punkt der Unumkehrbarkeit erreichen, von dem ab ein Zusammenbruch des Systems nicht mehr verhindert werden kann - vielleicht in zehn Jahren, vielleicht später. Dass die Währungsunion aber noch viel länger überleben kann, halte ich für ausgeschlossen, es sei denn, man akzeptiert andere Regeln.
Mittlerweile gibt es in den Finanzmärkten ernsthafte Investoren, die diese Einschätzung teilen. Das sind Leute, die aufgrund der Politik der Ungleichgewichte davon überzeugt sind, dass der Euro langfristig nicht überleben wird. Ich selbst würde zwar kurzfristig von einer Spekulation gegen den Euro abraten, aber nur noch aus zeitlichen Erwägungen. Für eine Spekulation ist es noch etwas zu früh. Aber an die Notbremse als wirtschaftspolitisches Lenkungsinstrument glaube ich nicht mehr.“
Beste Grüße
P.S.:
Die Investorenlegende Jim Rogers kümmert sich übrigens um die Probleme des Euros kaum, denn er setzt, wie viele andere Investoren auch, auf die stärkste Währung der Welt...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Christer Nykopp (24.02. 2010 19:59 Uhr):
Kaum zu glauben! Hat der wohlhabende Teil der Menschheit (inkl. die PIIGS-Einwohner) Abschied von seinem Denkvermögen genommen? Wenn Griechneland und die übrigen PIIGS verantwortungslos gewirtschaftet haben, müssten sie doch die Konsequenzen selbst tragen. Noch mehr Hilfe für ähnlich inkompetente Finanzleute kann doch keiner mehr ernsthaft erwägen. Christer Nykopp Esbo, Finnland
Antworten - Kommentar von Gierig (25.02. 2010 08:43 Uhr):
Ich glaube nicht, dass der Euro verschwinden wird. 1.) Totgesagte leben länger 2.) In der aktuellen Situation würde m.M.n. die deutsche Regierung die deutschen Banken unterstützen (egal in welcher Währung) um Dominoeffekte und Bailouts zu vermeiden. Die Probleme liegen eher in den unkontrollierten globalisierten Geldströmen, dem schuldenbasierten Währungssystem und im Zinseszins.
Antworten - Kommentar von andreas sickmüller (27.02. 2010 11:25 Uhr):
Hallo Herr Hahn, ich kann mich nur wiederholen: Wieder ein super recherchierter und zusammengestelleter Beitrag!! Danke A.Sickmüller
Antworten
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