Unterstützung und Widerstand: Bedeutungsvoller als viele denken
Thomas Firley in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 18. April 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
Erstaunlicherweise sind in der Fachliteratur nur wenige bzw. sehr kurze Darstellungen zum Thema Unterstützung und Widerstand zu finden. Dort werden eher kompliziertere Formationen wie Flaggen, Wimpel, Keile etc. ausführlicher dargestellt; die klarsten Charttechnik-Formationen – die Unterstützungs- und Widerstandslinien – werden meist, vielleicht wegen ihrer Einfachheit, nur knapp abgehandelt.
Allerdings sind es gerade diese Linien, denen zahlreiche Börsianer die größte Aufmerksamkeit schenken. Und dies aus gutem Grund. Denn schließlich dienen Unterstützungs- und Widerstandszonen sowohl bei der langfristigen Geldanlage (Aktien, Fonds, Zertifikate etc.) als auch beim Day-Trading (Optionen, Optionsscheine, CFDs) zur Entscheidungsfindung. Halten wir zunächst die formalen Bezeichungen fest:
Unterstützung: Das letzte Tief oder die letzten Tiefs eines Kursverlaufs
Widerstand: Das letzte Hoch oder die letzten Hochs eines Kursverlaufs
Betrachten Sie bitte im Folgenden die Entwicklung eines Aktienkurses im Hinblick auf Unterstützung und Widerstand. Sie werden erkennen, dass das etwas tiefere Wissen um diese Linien durchaus einen entscheidenen Einfluss auf Ihre Finanzen haben kann…
Gucken Sie sich hierzu folgenden Wochen-Chart von General Motors an:

Rot eingezeichnet finden Sie die damals aktuellen Tiefs während des Sinkflugs der GM-Aktie, mithin also die jeweiligen, für einen bestimmten Zeitraum gültigen Unterstützungen. Wohlgemerkt: Eine Unterstützung gilt nur dann als Unterstützung, wenn Sie tatsächlich im betrachteten Zeitraum nicht unterboten wird.
Charttechnik-Tipp: Merken Sie sich einfach folgendes: Ein UNTERstützung liegt immer UNTER dem aktuellen Kursniveau.
Wird eine Unterstützung unterboten, verwandelt Sie sich – formal gesehen – in einen Widerstand. Dazu später mehr, zurück zu unserer GM-Aktie:
Ein Langfrist-Anleger, der sich im Frühjahr 2004 für den Kauf einer GM-Aktie entschied, musste etwa ein Jahr lang bis zum Frühjahr 2005 ein wahres Tal der Tränen durchwandern. Wie Sie im Chart erkennen, unterbot die General-Motors-Aktie in diesem Zeitraum eine Unterstützung nach der anderen, ohne wieder die durchkreuzten Marken zu erreichen. Für einen seriösen Charttechniker hätte sich in diesem Zeitraum kein Einstieg in diesen Wert aufgedrängt.
Wie Sie im Chart erkennen, wurde dann im Mai 2005 (grün ausgefüllter Kreis) das vorherige März-Tief wieder überboten. Und an dieser Stelle hätte der Charttechniker mit Erfahrung aufgehorcht. Sicherlich wäre dies kein Zeitpunkt gewesen, um mit wehenden Fahnen und viel Kapital auf diese Aktie zu setzen.
Exkurs
Zu dem genannten Zeitpunkt (grüner Kreis) hätte der Status der GM-Aktie von „Ignorieren“ auf „Beobachten“ gewechselt. Und in der Tat hätte sich ein Trade in dieser Aktie, gepaart mit einer Ausstiegsstrategie (z.B. mit einem Trailing (nachlaufenden Stopp) gelohnt. Je nach Risikoneigung bzw. Einstellung des Trailing Stopps wären hier 10 oder 15% Aktien-Gewinn möglich gewesen.
Und tatsächlich: Nach einem Höhenflug (von Mitte April bis Juli 2005) wechselte General Motors wieder die Richtung und unterbot erneut eine Unterstützungslinie (diesmal lila gekennzeichnet) nach der anderen. Jetzt zum Entscheidenden:
Entscheidende Marken in der Charttechnik
Das schwarze Rechteck im Chart repräsentiert die entscheidende Unterstützungszone von General Motors im Betrachtungszeitraum.
Zunächst fährt der Auto-Riese Ende 2005 das Rekordtief an. Danach geht es zwar im Zickzackkurs weiter, aber die letzte Unterstützung (das Tief) wird nicht mehr nach unten durchbrochen. Vielmehr bilden sich in diesem Fall zwei (logischerweise) weitere Tiefs auf etwas höherem Niveau. Es hat sich also eine wichtige Unterstützungszone gebildet und erneut ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Anhänger der Chartanalyse von „Ignorieren“ auf „Beobachten“ wechselt.
Für einen Einstieg in die GM-Aktie hätte es je nach Mentalität dann verschiedene unzählige Einstiegsmöglichkeiten gegeben; z.B. unter Zuhilfenahme eines Gleitenden Durchschnitts als Signalgeber oder beim Überbieten eines markanten Widerstandes. Als Beispiel wurde als Einstiegssignal im Chart das Überbieten des kurzen Abwärtstrends (bei etwa 22 Dollar) eingezeichnet.
Alles wiederholt sich – früher oder später
Im danach folgenden Kursverlauf erkennen wir immer weiter ansteigende Tiefpunkte, die uns einen klaren Aufwärtstrend anzeigen, bis der Kurs Ende 2006 einen (weiteren) jähen Absturz erlebte. Aber auch hier war mit einer entsprechenden Ausstiegsstrategie ein schöner Gewinn zu holen. Rechnen wir einmal zusammen:
Einstieg: 22 US-Dollar (nach Überwinden des Abwärtstrends)
Ausstieg: 31,5 Dollar (10% Trailing Stopp vom Hoch bei 35 US-Dollar)
Ergebnis: 43 % Gewinn in weniger als 7 Monaten
Und wie sieht es heute aus?
Kürzlich hat GM wieder das letzte markante Tief erreicht ohne es zu unterbieten. Für den Charttechniker hat somit der Status wieder einmal von Ignorieren auf Beobachten gewechselt…
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
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