Unterschiede zwischen Short Selling und Synthetic Short Selling
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 3. Dezember 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Im gestrigen Beitrag haben wir uns mit dem Synthetischen Short Selling befasst. Noch einmal zur Wiederholung: mit synthetischen Strategien lässt sich durch die Kombination verschiedener Finanzinstrumente ein anderes bestimmtes Finanzinstrument künstlich - sagen wir mal - nachbilden. Synthetische Strategien verhalten sich in Bezug auf die Gewinn- und Verlustsituation genau so, wie die Strategie, welche die synthetische Strategie dupliziert.
Mit einer synthetische Leerverkaufsposition (zum Beispiel gebildet aus Long Put und Short Call) kann die gleiche Position - also mit dem gleichen Risiko- eingegangen werden, wie mit einem normalen gedeckten Leerverkauf der entsprechenden Aktie.
Aufgrund dieser Erkenntnis habe ich die Frage in den Raum gestellt, wie effektiv ein Leerverkaufsverbot überhaupt sein kann, wenn sich die Strategie sowieso mit Hilfe der synthetischen Strategie duplizieren lässt! Natürlich wissen wir allerdings, dass ein Verbot von Leerverkäufen durchaus Auswirkungen auf die Effizienz des Marktes hat, auch wenn Options- und Futures-Märkte keinen Restriktionen unterliegen, somit synthetische Strategien uneingeschränkt durchführbar sind.
Dies liegt daran, dass trotz der bestehenden Äquivalenz zwischen dem eigentlichen Short Selling und der Replikation des Short Sellings mit Hilfe von Options- und Futures-Strategien, zwischen dem normalen Short Selling und den Replikationen auch deutliche Unterschiede bestehen. Insbesondere wenn es um die Optionsmärkte geht.
Sehen wir uns also die Unterschiede zwischen dem normalen Short Selling und dem synthetischen Short Selling mittels Optionen an:
Unterschiede in der Absicht der Short Seller
Stellen wir hier - wie gesagt - das normale Short Selling und das Short Selling mittels Optionen gegenüber und lassen die Futures-Märkte einmal außer Acht.
Während das Short interest (also die Anzahl leerverkaufter Aktien) oder andere wichtige Daten (wie beispielsweise die Höhe der Kosten für die Entleihung von Aktien) in den meisten Fällen öffentlich zugängliche Informationen sind (wobei diese Informationen durchaus relevant für die Kurse sind, da sie den Investoren die Positionierung anderer Marktteilnehmer aufzeigen), ist so viel Offenheit in den Optionsmärkten oft nicht der Fall. Oftmals werden Optionen OTC ( over the counter -also außerbörslich) gehandelt. Dies führt dazu, dass die Marktteilnehmer nicht unbedingt immer in der Lage sind, die gesamte Short Position, welche durch diese Trades impliziert wird, vollauf zu erfassen.
In diesem Unterschied liegt auch eine Absicht von Seiten der jeweiligen Short Seller begründet.
Absicht des normalen Short Sellers
Obwohl die Wissenschaft - wie wir ja wissen - bislang noch keine Antwort auf die Frage nach der Richtung der Kausalität zwischen Short Selling und einem späteren Kursrückgang gefunden hat, lässt sich doch mit Sicherheit sagen, dass ein Short Seller (der zwar nicht möchte, dass der Markt weiß, wer hier als Short Seller auftritt) dennoch will, dass der Markt weiß, dass die Anzahl der Short Positionen gestiegen ist. Denn wenn der Markt weiß, dass das Short Interest für eine spezifische Aktie angestiegen ist, wird es wahrscheinlicher, dass andere Marktteilnehmer - nun aufgeschreckt - darauf reagieren und mit dem Abverkauf beginnen. Es liegt also dementsprechend im Interesse des Short Sellers (der natürlich auf einen Kursrückgang hofft), dass der Markt Kenntnis vom Anstieg der Short Positionen hat. So viel lässt sich zumindest unterstellen! Ein "geheimes" Short Selling ist dementsprechend nicht erwünscht.
Absicht des Short Sellers mittels Optionen
Wenn wir davon ausgehen können, dass das Total der Short Positionen, mittels Short Selling über Optionen, nicht vollumfänglich bekannt ist, können wir ebenfalls davon ausgehen, dass es sich hierbei um ein eher "geheimes" Short Selling handelt. Denn der Short Seller hier, legt es offenbar nicht darauf an, dass der Markt Kenntnis vom Anstieg der Short Positionen hat.
Daraus lässt sich folgern, dass synthetisches Short Selling gerade (oder fast nur) dann eine profitable Strategie ist, wenn der Short Seller bereits über Informationen verfügt, die auf einen künftigen Kursrückgang hindeuten.
Sehen wir uns im zweiten Teil ein interessantes Beispiel dafür an, warum informierte Insider eher auf synthetisches Short Selling, als ein normales Short Selling zurückgreifen.
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