Unterschiede in der CPI-Berechnung
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. April 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
ich freue mich Sie heute zur letzten Ausgabe aus der Reihe zu den Berechnungsmethoden und Modifikationen an den Verbraucherpreisindizes begrüßen zu dürfen.
Nachdem wir uns in den vorhergehenden Ausgaben intensiv damit beschäftigt haben welche methodischen Veränderungen insbesondere bei der Erstellung des US-amerikanischen CPI-U in den letzten 30 Jahren vorgenommen wurden, möchte ich heute - in Anlehnung an die Frage des Lesers D.R. vom 26.03. - wieder einmal auf den US-Ökonom John Williams zu sprechen kommen.
Als eifriger Leser ist Ihnen der Wirtschaftswissenschaftler mittlerweile sicher auch ein Begriff. (Ich habe ihn und insbesondere seine Ergebnisse im Rohstoff-Daily bereits mehrmals zitiert).
John Williams berechnet - das ist Ihnen sicher bekannt - neben dem so genannten Pre-Clinton-Era CPI auch einen alternativen CPI und stellt diese den offiziellen CPI-U Berechungen gegenüber. Die von ihm erstellten Charts und noch mehr können Sie auf http://www.shadowstats.com/ einsehen.
Doch die Frage, welche den Leser bewegt ist, wie berechnet Williams seine alternativen CPIs eigentlich, oder anders, welche Art der Datenerhebung nutzt Williams?
Sehen wir uns zunächst folgenden Chart an:
Quelle: shadowstats.com
Hier sehen Sie: in rot ist die Entwicklung des offiziellen CPI-U, wie er vom Bureau of Labor Statistics berechnet wird, angegeben. In gelb sehen wir die Entwicklung des C-CPI-U (Sie erinnern sich sicher an den gestrigen Daily: der C-CPI-U ist die, während der Amtszeit der zweiten Bush-Administration vorgestellte Alternative zum CPI). In blau sehen wir den von Williams berechneten Pre-Clinton-Era-CPI.
Zum Unterschied zwischen CPI-U und C-CPI-U
Der C-CPI-U weist - wie wir sehen - noch einmal deutlich niedrigere Raten auf als der CPI, da der C-CPI-U auf weiteren Modifikationen beruht und überdies als Kettenindex berechnet wird.
Williams geht davon aus, dass der C-CPI-U die Inflationsrate gegenüber dem CPI im Durchschnitt um 0,4 % nach unten verzerrt.
Wie berechnet Williams den Pre-Clinton-Era-CPI?
Mit dem Pre-Clinton-Era-CPI versucht Williams schlicht die starke Verzerrung durch die Einführung der geometrischen Gewichtung (während der Clinton-Administration) auszumerzen.
Den Pre-Clinton-Era-CPI berechnet Williams also indem er den CPI von den Auswirkungen der geometrischen Gewichtung bereinigt.
Die Auswirkungen durch hedonische Methoden oder Interventionsbereinigung bezieht er hier also nicht mit ein.
Doch ist es nicht faszinierend, dass die Berechung des CPI ohne diese eine methodische Veränderung bereits solch eine starke Differenz hervorruft?!