Unterscheiden Sie Zertifikate und ETCs
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 9. März 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Leser E.L. schreibt mir:
Hallo sehr geehrte Frau M.Kraus,
Nur eine Frage:Zu welcher Kategorie der ETC muss die Anlage:Gold Quanto Open End Zertifikat WKN AOAB84-
-ISN DE000AOaB842 zugeteilt werden?
Vielen dank im voraus und freundliche Grüsse
Meine Antwort:
Herr L., Vielen Dank!
Bei dem von Ihnen genannten Produkt handelt es sich nicht um einen ETC, sondern schlicht und ergreifend um ein Edelmetall-Zertifikat, oder anders ausgedrückt eine Inhaberschuldverschreibung.
Mit anderen Worten: wer eine Inhaberschuldverschreibung besitzt wird zum Gläubiger. Daraus ergibt sich das aktuell heiß diskutierte Emittentenrisiko. Wenn der Schuldner (also der Emittent) nämlich Insolvenz anmeldet, dann geht der Gläubiger im schlimmsten Falle leer aus.
Das von Ihnen genannte Produkt ist nicht (wie bei einem ETC) physisch hinterlegt, sondern bildet lediglich die Entwicklung des Gold-Spot-Preises ab. Das ist ein wichtiger Unterscheidungsfaktor zu einem ETC.
Allerdings handelt es sich hierbei um eine Besonderheit: das vorgestellte Produkt ist ein so genanntes Quanto-Zertifikat. Das Wort Quanto impliziert eine inbegriffene Währungsabsicherung. Im vorliegenden Fall bildet das Zertifikat die Entwicklung des Edelmetalls in Euro ab.
Zum Emittentenrisiko:
Jedes Zertifikat unterliegt einem Emittentenrisiko. Vor der Lehman-Pleite war dieses Risiko allerdings kein Thema. Mittlerweile wird dieses Risiko jedoch heiß diskutiert, was dazu führt, dass der Zertifikate-Markt aktuell relativ brach liegt.
Ich persönlich habe und hatte zum Thema Zertifikate eine geteilte Meinung: es gibt höchst komplizierte strukturierte Produkte, die ich keinem Anleger jemals empfehlen würde. Andererseits bieten einfach strukturierte Produkte wie Basket-, Index-, Rohstoff-, oder auch bestimmte Kapitalschutzzertifikate dennoch deutliche Vorteile (bei Aktien-Baskets beispielsweise die Verringerung der Transaktionskosten, gegenüber dem Einzelkauf). Und dies tun sie auch heute noch.
Davon ausgehend muss man zwingend einen Blick auf den Bankensektor im Allgemeinen und den Emittenten im Besonderen werfen:
Für die Wirtschafts- und Finanzstruktur eines Landes bedeutsame Großbanken werden und dürfen die Staaten nicht pleite gehen lassen. Dafür hat der Lehman-Schock gesorgt. Aktuell sehen wir, dass sich die meisten Staaten stattdessen wenn Not am Mann ist hinter ihre Banken stellen und im Ernstfall lieber das Mittel der Verstaatlichung in Erwägung ziehen. Oder sagen wir es anders: wenn weitere strukturell bedeutsame Banken fallen, dann müssen auch die dahinter stehenden Staaten fallen und darüber möchte ich lieber gar nicht nachdenken.
Von dieser Überlegung ausgehend, sollte man sich den Emittenten genauer ansehen. Im vorliegenden Fall ist der Emittent die niederländische Bank ABN AMRO. Doch ABN AMRO hat seine Zertifikate-Sparte komplett an die britische Royal Bank of Scotland übertragen. Nun ist die RBS nicht gerade eine Bank der im Moment großes Vertrauen zuteil wird. Doch folgendes gilt es zu bedenken: Hauptanteilseigner an der RBS ist mittlerweile der britische Staat, womit das Emittentenrisiko somit zu einem - ich sage einmal - Staatsrisiko wird. Wenn dieser Staat aber fallen sollte, dann haben wir sicher ganz andere Probleme als Zertifikate.
Dies nur einmal als gedanklicher Exkurs...
So long liebe Leser....da ich mich auch heute wieder einmal in der Beantwortung der beiden Fragen nicht kurz fassen konnte [;-) ], geht es morgen mit weiteren interessanten Fragen weiter...unter anderem mit Zertifikaten, die mit Staatsanleihen hinterlegt sind...bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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