Unterschätzter Abschwung
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 6. April 2009, 07:30 Uhr
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Die vierte Woche in Folge geht es nun am deutschen Aktienmarkt bergauf. Am Freitag ging der der deutsche Leitindex bei 4385 Punkten aus dem Handel.
Auch der marktbreite S&P 500 konnte jenseits des Atlantiks weitere 3,3 Prozent im Wochenvergleich zulegen. Selbst das japanische Kursbarometer setzte den Höhenflug mit einem Zugewinn von 1,4 Prozent fort.
Mehr als 22 Prozent
Fakt ist jedenfalls, dass seit Anfang März der deutsche Leitindex vom Jahrestief bei 3588 Punkten immerhin stolze 22 Prozent gewinnen konnte. Es kann indes nicht oft genug betont werden, dass solche Zwischenerholungen im Bärenmarkt nicht wirklich untypisch sind. Natürlich kann der Markt auch noch in den nächsten Tagen weiter steigen. Aber, mit jedem Tag wächst die Gefahr, dass die aktuelle Zwischenerholung langsam aber sicher zu Ende gehen wird.
Garstiges Umfeld
Spannend ist indes, wie sehr viele Ökonomen noch immer die Geschwindigkeit und Tiefe dieses realwirtschaftlichen Abschwungs unterschätzen. Bestes Beispiel sind da die gegenwärtigen Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt. Die offiziell zugegebene Arbeitslosenquote beträgt aktuell 8,5 Prozent, ein 25-Jahres-Hoch. Seit Dezember 2007 gingen nun (offiziell) mehr als 5,1 Millionen Arbeitsplätze in den USA verloren. Allein im März 2009 waren es 663000. Erstaunlich ist ferner, dass die Januar-Zahlen noch einmal deutlich nach unten revidiert worden sind. Und zwar von einem Job-Aderlass von 655000 auf 741000.
Wahre Arbeitslosenquote bei fast 20 Prozent
Das wahre Ausmaß des Dramas am Arbeitsmarkt ist aber bei weitem größer als die offiziellen Regierungsstatistiken. John Williams von shadowstats.com hat herausgefunden, dass die wahre US-Arbeitslosenquote gegenwärtig bei 19,8 Prozent liegt. Insofern sollten wir uns auch nichts vormachen und zugeben, dass wir uns tatsächlich bereits jetzt in der Depression befinden. Und, wir sollten uns auch nichts vormachen, dass das Ende der Krise schon absehbar sei. Eher das Gegenteil ist der Fall, der Weg nach unten dürfte noch ziemlich lange und steinig sein.
Rettungspakete verpuffen
Auch die diversen Rettungspakete der Verantwortlichen ändern daran ziemlich wenig. Das 800-Milliarden-Dollar-Konjunkturpaket der Obama-Administration war unter der Annahme des Anstiegs der (offiziellen) Arbeitslosenquote auf 8,9 Prozent zum Jahresende 2009 beschlossen worden. Aktuell sind es aber bereits 8,5 Prozent. Anders formuliert, das Paket ist zu gering und zu spät für die Realwirtschaft. Anders sieht die Sache allerdings mit Blick auf die Folgen für den Bondmarkt aus. Selbst nach den schockierenden Arbeitsmarktdaten kam es am Freitag zu einem Ausverkauf.
In anderen Worten, die Sorgen vor einer Staatsschuldenkrise (erwartetes Haushaltsdefizit bei 2 Billionen Dollar) wiegen höher. Gerade am mittleren bzw. langen Ende des Staatsanleihenmarkts droht einiges an Ungemach.
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