Unterschätzte Wirtschaftskrise
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 6. Juli 2009, 07:30 Uhr
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Die letzten Tage der von den Dauer-Optimisten ausgerufenen green shots" scheinen nun wirklich gekommen zu sein. Zumindest an den Aktienmärkten geht den Bullen langsam aber sicher die Luft aus.
In der vergangenen Woche verlor der deutsche Leitindex 1,4 Prozent. Immerhin ging der Leitindex über der Marke von 4700 Punkten ins Wochenende. Deutlich besser hielt sich wiederum die japanische Börse mit einem Abschlag von nur 0,6 Prozent im Wochenvergleich.
Schwache US-Börsen
Die US-Börsen kamen am Donnerstag nach der Bekanntgabe der Juni-Zahlen vom Arbeitsmarkt stark unter Druck. Unter dem Strich verlor der Dow Jones fast zwei Prozent, der marktbreite S&P 500 gab auf Wochensicht fast 2,5 Prozent nach. Aus technischer Sicht wird es nun beim S&P 500 immer kritischer. Insbesondere für den Fall, dass der Index unter die Unterstützungszone im Bereich 870-880 Punkte fällt. Beim deutschen Leitindex sollte der Bereich um 4650 Punkten halten. Ansonsten droht den Bullen weiteres Ungemach.
Schwache Arbeitsmarktdaten
In der Tat waren die jüngsten Juni-Daten vom US-Arbeitsmarkt mehr als nur schwach. Sogar US-Präsident Obama war schwer enttäuscht und zeigte sich ernüchtert" über die triste Lage. Seit Dezember 2007 gingen - offiziell zugegeben - 6,5 Millionen Arbeitsplätze verloren. Die Lage am Job-Markt ist umso trister, wenn auch die Arbeitnehmer in prekärer Beschäftigung und die unfreiwilligen Teilzeitarbeiter mit in die offizielle Statistik eingerechnet werden. Die offizielle Arbeitslosenrate liegt bei 9,5 Prozent, bezieht man die prekär und unfreiwillig Teilzeit-Beschäftigten mit ein beträgt diese sage und schreibe 16,5 Prozent.
Weiterer Anstieg der Arbeitslosen
Dies- wie jenseits des Atlantiks spitzt sich mit Blick auf die nächsten Monate die Lage am Arbeitsmarkt weiter zu. Offiziell gibt es in den USA aktuell fast 15 Millionen Arbeitslose. Und selbst der Sprecher des Weißen Hauses, Gibbs, geht davon aus, dass in den kommenden Monaten sich die Lage weiter deutlich verschlechtern wird und die Arbeitslosenrate über die Marke von 10 Prozent anschwellen wird. Für Deutschland wird im Krisenjahr 2010 vom Chefvolkswirt der Deutschen Bank ein Anstieg der offiziell Arbeitslosen auf mehr als fünf Millionen erwartet.
Unterschätzte Krise
Sehr interessant in diesem Kontext ist auch, dass selbst der aktuelle US-Vizepräsident in einem Interview jüngst konzedieren mußte, dass die neue US-Administration die Wirtschaftskrise unterschätzt. Wir haben nicht gedeutet, in welch schlechtem Zustand die Wirtschaft war, die wir geerbt haben", sagte Biden.
Ja, möglicherweise unterschätzen die Verantwortlichen selbst jetzt noch das im historischen Vergleich gigantische Ausmaß der Malaise!