Unterschätzte Krise
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 26. Februar 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser!
Am gestrigen Aschermittwoch versuchten die Bullen, die toten Katzen" am Aktienmarkt zumindest für einen Tag wiederzubeleben. Im Verlauf des Vormittags gelang dies ja auch noch zeitweise. Bis auf 3977 Punkte wurde der deutsche Leitindex gehievt, ehe zum Handelsschluß hin die Kräfte deutlich nachließen. Letztlich landete das deutsche Kursbarometer einmal mehr deutlich im Minus, immerhin noch über dem neuen Jahres-Tief bei 3795 Punkten.
Gelingt eine Bären-Rally?
Vielleicht schaffen es die verbliebenen Optimisten ja am heutigen Donnerstag bzw. in den nächsten Tagen, eine kleine Erholungsbewegung nach oben zu starten. Zumindest die gestrigen Vorgaben aus New York waren mit einem Minus von nur noch einem guten Prozent ja nicht allzu katastrophal. Vor allem für diejenigen, die immer noch nicht ausgestiegen sind, wäre es ja (endlich) eine schöne Verkaufsgelegenheit. Andererseits sind talwärts im Bereich um 3300 bis 3600 Punkte die nächsten Unterstützungen.
Unterschätzte Krise
Sehr interessant ist, dass immer noch sehr viele diese Krise massiv unterschätzen und von einer normalen Baisse" ausgehen. Nur sehr leise sei insofern darauf hingewiesen, dass selbst Ex-Fed-Chef Greenspan von einer Jahrhundertkrise spricht. Und es ist alles andere als wahrscheinlich, dass an den Aktienmärkten der Spuk bald vorüber ist. Im Gegenteil, bei sehr vielen Unternehmen- auch Großkonzernen - geht es fortan nicht mehr um Gewinnsteigerung, sondern schlicht ums Überleben.
Lange Durststrecke
Es geht also auch um die Frage, wie die Firmen sich schützen" und an die neuen Realitäten anpassen werden. Und am Ende des Tages wird es auch darum gehen, wer das längste Durchhaltevermögen hat. Geht es nach Nouriel Roubini, so wird sich mit GLÜCK die Lage frühestens Ende 2010 bessern. Gegenwärtig befinde sich die Weltwirtschaft im freien Fall. Extrem hart seien Deutschland (Bip-Minus auf das Jahr hochgerechnet bei 8 Prozent) und Japan (Bip-Minus 13 Prozent) getroffen.
Hohe Deflationsgefahr
Prof. Roubini geht weiter davon aus, dass die Weltwirtschaft zunächst in eine Phase der Deflation fallen werde. Sprich, fallende Preise, vor allem für Vermögenswerte (auch Rohstoffe) und eine stark zunehmende Arbeitslosigkeit. Hoch gefährlich sei es, wenn diese Deflation über einen längeren Zeitraum hinweg anhalten würde.
Und, vielleicht ist es noch gefährlicher, diesen epochalen Tsunami - wie die Politiker - zu unterschätzen und keine ureigene Krisenvorsorge zu betreiben.
Noch ist Zeit, noch...