Unter Amazonen und Schildkröten
Christopher Corbett in Traders Daily
vom 10. Mai 2007 12:00 Uhr
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Ich habe einmal ein kostenloses Grab gewonnen. Der Haken (und es gibt immer einen Haken), abgesehen davon, dass ich unpraktischerweise noch lebte, war, dass dieses Grab Teil einer vierteiligen Grabstätte war, und ich hätte die anderen drei Grabstellen kaufen müssen, um die Vorzüge einer kostenlosen ewigen Ruhestätte einheimsen zu können.
Ungefähr eine Woche, nachdem ich das kostenlose Grab gewonnen hatte, kam meine Frau mit guten Nachrichten nach Hause. Ich hatte eine kostenlose, eintägige Mitgliedschaft in ihrem Fitnessclub gewonnen. Weil es an jeder Straßenecke einen Fitnessclub gibt und mehr Aerobic-Imperien und Pilates-Läden als Zahnärzte, hatte der Club eine Prämie ausgelobt, wobei Mitglieder wertvolle Bargeldpreise und T-Shirts erhalten konnten, wenn sie einen anderen, mitleiderregenden, formlosen Verlierer einen Tag lang mitbringen. (Der Ausdruck „mitleiderregender, formloser Verlierer“ tauchte bei dem Angebot nicht wirklich auf, war aber angedeutet.)
Ich habe im jungem Alter eine gesunde Abneigung gegen körperliche Übungen entwickelt. Für mich keine Bizepsgeschichten, vielen Dank. Ich bin im Sportunterricht nie ein Seil heraufgeklettert. Ich beobachte Leute nicht gerne, wenn sie schwitzen. Ich habe eine Abneigung gegen Teamwork.
Ich schreibe meine abneigende Haltung des weiteren meinen prägenden Jahren zu. In den Tagen meiner Jugend habe ich Jack LaLanne im Fernsehen gesehen. Erinnern Sie sich an Jack? Jack und seinen Hund Happy? Für diejenigen unter Ihnen, die zu jung sind, als dass sie sich noch an diesen großartigen Amerikaner erinnern könnten: Jack war ein Bodybuilder und Fitnessfreak der alten Schule, der einen Badeanzug im Stile des 19. Jahrhunderts trug und pomadisierte Haare ganz nach Art von Ronald Reagan hatte.
Bis heute kann ich mich, wenn ich versuche zu trainieren, nicht auf Giselle Bundchen oder Heidi Klum konzentrieren, die an ihren perfekten Bauchmuskeln arbeiten, (ja, ich weiß, dass das ganz leicht sein sollte). Stattdessen denke ich an Jack LaLanne und Happy. Happy konnte auf Kommando bellen. Sie sehen also, alle meine ersten Eindrücke von Fitness waren absonderlich und ich vermute, das wird auch so bleiben.
Jack und Happy sind keine zeitgemäßen Konzepte von „fit“. Heute trainieren die Leute mit einer Ausstattung auf allerneustem Stand im Fernsehen und sie sehen aus wie perfekte Menschen, die vermutlich sogar Heidi Klum oder Giselle Bundchen kennen oder die eingeladen werden, in einer Fernsehsendung wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ teilzunehmen.
Nun, der Weg zur Muskelstadt beginnt mit einem ersten Schritt, und so wurde ich an einem Werktagvormittag im Club vorstellig und wurde von Stacey ins Schlepptau genommen, einer sehr blonden, sehr fitten jungen Frau mit einem Handschlag, der deutlich fester war als mein eigener, bekleidet mit einem modischen Anzug. Stacey hatte sich selbst schon in eine Amazonenstatur gebracht, was eine erstaunlicher Hinweis auf das muskulöse Leben, das vor mir lag, war.
„Was möchten Sie gerne erreichen?“, fragte mich Stacey auf eine sehr blonde und sehr fitte Art.
„Nicht viel“, antworte ich.
„Nicht viel“, war nicht die richtige Antwort. Ich hatte gehofft, nach einem Rundgang durch die Anlage, zu der auch ein gewaltiger Raum voller seltsamer Geräte gehörte, ausbüchsen zu können. Viele muskulöse Männer – ausgiebig schwitzend – und ein Mädchen, das einer jüngeren Tina Turner in „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“ erstaunlich ähnlich sah, trainierten dort.
Stacey, die mich als möglichen Anruf bei 110 einstufte, bestand darauf, dass ich eine Verzichtserklärung gegenüber dem Club unterzeichne, falls ich auf dem Gelände das Leben aushauche. Dann bestand sie darauf, dass ich „spiele“.
„Er will spielen“, erzählte sie der Rezeptionistin, einer weiteren muskulösen Amazone, die meine Wertgegenstände in einen kleinen Plastikbeutel packte, genauso wie im Leichenschauhaus. Ich hatte keine Wahl, ich musste mitspielen.
Ich hatte ein Lifecycle im Blick, ein festinstalliertes Trainingsrad aus einem neuen Zeitalter, das nur wenig leichter zu bedienen ist als eine F-111, als Bill, der Trainer, mich erspähte. Der Club war fast leer und Bill, der Trainer, hatte nicht viel zu tun. Ich wurde auf das Lifecycle gedrängt, welches mit dem geringsten Leistungsniveau anfing. (Bettlägrig). Und dann ist er gegangen. Ein Hinweisschild auf der Maschine warnte, dass ich bei Brustschmerzen, Schwindel, Übelkeit, oder wenn Schaum vor dem Mund auftritt, oder Geifern während die Augen in den Hinterkopf wandern und Blut aus den Ohren, der Nase oder der Kehle läuft, vom Gerät absteigen sollte.
Ich hielt mich dort nur sehr kurz auf und kehrte zur Donnerkuppel zurück. Alle He-Men und Amazonen waren gegangen, um, wie ich vermute, irgendeinen Hintern im höheren Finanzwesen zu treten, oder um Versicherungen zu verkaufen. Ich machte den Fehler, kurz mit Bill, dem Trainer, in Augenkontakt zu treten. Und verschlimmerte den Fehler dann noch, indem ich etwas darüber sagte, ich wolle meine Bauchmuskeln trainieren. Ich weiß noch nicht einmal sicher, was das zu bedeuten hat. Aber es war der einzige Muskelgesprächsstoff, der mir in den Sinn kam.
Bill, der Trainer, bestand darauf, dass ich mich auf den Boden lege, so dass er mir zeigen kann, wie ich ein Gerät benutze, das in Spanien entwickelt wurde, um im Mittelalter die Ketzer zum Widerruf zu bringen. Auf dem Boden lag auch ein sehr sehr alter Mann, der keuchte und unverständlich sprach. Er lag wie eine Schildkröte, die man umgedreht hatte, auf seinem Rücken und schien nicht in der Lage, sich wieder aufzurichten. Bill, der Trainer, musste ihm wieder auf die Beine helfen. Das war eine Art negativer Verstärkung, ich sah den Geist meiner selbst in der nicht zu fernen Zukunft, wenn ich nicht widerstehen würde und muskulöser werde. Es kostet schließlich, verdammt noch mal nur 39 Dollar im Monat.
Ich dachte an Jack LaLanne und seinen Hund Happy.
Und für einen kurzen Moment dachte ich an die Modells von Victoria’s Secret.
Ich widerrief und unterschrieb.