Unsere Prognosen für 2010
Claus Vogt, Martin Weiss (Chefredaktion "Sicheres Geld") in Investoren Wissen
vom 5. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des Artikels von gestern)
Prognose 2: Der Goldpreis wird seinen Anstieg fortsetzen
Weltweit sind die Notenbanker ebenso von allen guten Geistern verlassen wie die Fiskalpolitiker. Letztere machen Schulden, als gebe es keine nachfolgenden Generationen, und erstere drucken das Geld, um diese Schulden ankaufen zu können. Außerdem wird weltweit mit Hilfe modernster Technik der Überwachungsstaat ausgebaut. Vorsichtige und kluge Anleger wissen sehr genau, dass der größte Feind der Freiheit stets der Staat gewesen ist. Sie wissen, dass der Fall Madoff verblasst neben den Betrügereien und Verbrechen, die im Namen des Staates ausgeheckt wurden. Folglich versuchen sie, sich vor den Folgen dieser großen und nahezu weltweiten Koalition der Gelddrucker, Schuldenmacher und Staatssicherheits-Fanatiker irgendwie zu schützen. Deshalb suchen sie Zuflucht in Gold.
Interessanterweise sind es aber nicht nur Privatanleger, die Gold kaufen. Sogar einige Notenbanker sind mittlerweile dazu übergegangen, im großen Stil als Goldkäufer aufzutreten. Sie wissen nämlich ganz genau, dass sie ihren Kollegen an den Gelddruckmaschinen der Weltreservewährungen nicht über den Weg trauen können. Außenpolitik ist bekanntlich ein sehr schmutziges Geschäft, hier herrschen die Regeln der Gosse. Und Geldpolitik ist immer auch Außenpolitik. Wir halten diesen Sinneswandel innerhalb des erlauchten Kreises der Notenbanker für überaus vielsagend. Wenn sich die Herren schon gegenseitig nicht mehr trauen, warum sollten Sie es tun?
Auch Angebot und Nachfrage sprechen für steigende Goldpreise
Neben diesen politischen Gründen spricht aber auch die Angebot-Nachfrage-Situation eine wichtige Rolle. Trotz des in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Goldpreises ist die Goldproduktion leicht rückläufig. Die einfach und kostengünstig auszubeutenden Lagerstätten sind wohl weitgehend schon entdeckt, was bleibt, sind mit viel mehr Aufwand zu betreibende Minen, also steigende Produktionskosten.
Während die Goldproduktion also rückläufig ist, nimmt die Goldnachfrage zu. Bevölkerungswachstum und neu entstehender Wohlstand in großen Teilen der Welt sorgen sowohl für langfristig steigende Schmucknachfrage als auch für steigende monetäre Nachfrage. Hinzu kommen die schon erwähnten Notenbankkäufe sowie die von Sicherheitsdenken getriebenen Käufe westlicher Anleger. Bei den institutionellen Anlegern hat die Wiederentdeckung des Goldes gerade erst begonnen. Die Schnellsten sind diese Anleger gewöhnlich nicht. Aber wenn sie erst eine Anlageklasse für sich entdeckt haben, dann treten sie gewöhnlich als langfristig orientierte Käufer auf, die erhebliche Summen investieren. Wir halten eine Fortsetzung der langfristigen Goldhausse für sehr wahrscheinlich und rechnen noch in diesem Jahr mit einem Anstieg auf 1.500 Dollar pro Unze. Aber sogar in dieser Marke sehen wir lediglich eine Etappe auf dem Weg zu erheblich höheren Preisen. Langfristig bleiben wir bei unserer Prognose einer Dow-Gold-Ratio von eins. Wir rechnen also damit, dass irgendwann in den kommenden Jahren der Unzenpreis des Goldes und der Kurs des Dow Jones Industrial Average identisch sein werden. Dabei spielt es natürlich keine Rolle, ob das bei 3.000 der Fall sein wird oder – falls die Inflationsraten entsprechend hoch sein sollten – bei 30.000.
Prognose 3: Die Regierungen werden weiterhin massiv in die Märkte eingreifen
Zurzeit wird in den USA viel darüber geredet, dass Banken damit begonnen haben, die am bisherigen Höhepunkt der Krise zur Verfügung gestellten Steuergelder (TARP-Gelder) zurückzuzahlen. Einige Kommentatoren gehen sogar so weit zu behaupten, diese Entwicklung signalisiere den Ausstieg des Staates aus dem Geschäft der Bankenrettung.
Wir halten diese Interpretation für Unsinn. Wir glauben stattdessen, dass weitere staatliche Eingriffe in die Privatwirtschaft folgen werden und letztlich fast in jede Ecke der Wirtschaft vordringen werden. Diese Aussage gilt selbstverständlich auch für Europa.
Denn bisher sind die Europäer den amerikanischen Vorgaben fast immer gefolgt, jedenfalls dann, wenn es um Staatseingriffe ging. Staatliche Eingriffe in den Wirtschaftsprozess haben Folgen. Nicht nur die Beabsichtigten, sondern üblicherweise eine Vielzahl unbeabsichtigter Nebenwirkungen, an die im Vorfeld kein Bürokrat – und auch kein Lobbyist – gedacht haben mag.
Nehmen wir die Finanzindustrie als Beispiel. Finanzminister Geithner kann sich kaum einkriegen darüber, dass Großbanken wie Goldman Sachs, Citigroup, Wells Fargo und Bank of America sich neues Eigenkapital beschaffen, um Staatshilfen zurückzuzahlen. Von den etwa 245 Mrd. Dollar direkter Bankenhilfen sind rund 185 Mrd. zurückgezahlt worden. Der Grund für diese Entwicklung ist aber nicht darin zu sehen, dass diese Banken auf wundersame Weise genesen wären. Das ist leider nicht der Fall. Sie wollen auf diese Weise nur die Voraussetzung dafür schaffen, dass ihnen die Regierung bei den Bonuszahlungen an das Management nicht hineinreden kann. In der Gewissheit, im Falle erneut auftauchender Liquiditäts- oder Solvenzprobleme kann man sich die Steuergelder ja schnell wiederholen. Aus Sicht der Manager ist das allemal die bessere Variante, als Rücklagen zu bilden.
Die Hypothekenbankmonster verschlingen den Steuerzahler
Aber GMAC kann sich garantiert nicht wieder freischwimmen. Gerade hat das Institut weitere 3,8 Mrd. Dollar Staatshilfe erhalten, zusätzlich zu den bereits aufgelaufenen 13,4 Mrd. Dasselbe gilt für AIG. Auch der Versicherungsgigant ist auf weitere Steuergelder angewiesen. Und dann ist da noch das Duo Infernale: Fannie Mae und Freddie Mac. Die beiden Hypothekenmonster haben bereits 112 Mrd. der zugesagten 400 Mrd. Dollar aufgebraucht. Jetzt, in einer regelrechten Nacht-und-Nebel-Aktion, die am Heiligabend stattfand, hat das Finanzministerium bekannt gegeben, dass es für die kommenden drei Jahre keine Begrenzung der Hilfsgelder für Fannie und Freddie geben werde. Welchen Grund gibt es dafür?!
Mit FHA steht der nächste Pleitekandidat des Hypothekenkreditgeschäfts in den Startlöchern. Auch dieses Monster wird viele Milliarden Dollar Steuergelder verschlingen. Wir können keine Anzeichen für einen baldigen Rückzug des Staates aus dem
Hypothekenmarkt erkennen. Fannie Mae, Freddie Mac und FHA stehen mittlerweile hinter sage und schreibe 90% aller in den USA vergebenen Hypothekenkrediten. Der US-Hypothekenkreditmarkt ist de facto nahezu komplett verstaatlicht.
Die nächste Hypothekenkreditkrise ist schon in der Pipeline
Das bedeutet natürlich, dass der Steuerzahler für sämtliche Verluste gerade stehen muss, die es in den kommenden Jahren noch geben wird, in denen eine weitere Welle von Kreditausfällen und Zwangsversteigerungen droht. Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die Pipeline der sogenannten Resets prall gefüllt ist. Darunter versteht man Kreditverträge, die mit sehr geringen monatlichen Belastungen beginnen und erst zu einem späteren Zeitpunkt auf marktübliche Niveaus angehoben werden.
In den kommenden Monaten werden zigtausende solcher Verträge, also hunderte von Milliarden Dollar, ihren Anpassungszeitpunkt erreichen. Derselbe Mechanismus und in ähnlicher Größenordnung stand im Jahr 2007 am Beginn der Subprime-Krise, die sich als der Anfang der größten Bankenkrise seit den 1930er Jahren erweisen sollte. Damals wurde die drohende Gefahr nur von einer verschwindend geringen Zahl von Analysten und von keinem einzigen Notenbanker erkannt. Wiederholt sich die Geschichte?
Der Hypothekenkreditmarkt ist nur ein Beispiel
Das Wichtigste an dieser traurigen Geschichte ist allerdings die Tatsache, dass der Hypothekenkreditmarkt nur als Beispiel dafür steht, was sich in allen möglichen Bereichen der einst freien Wirtschaft abspielt oder anbahnt. Die US-Regierung bereitet Gesetze vor, die weite Teile der Wirtschaft negativ berühren werden.
Auch in Europa erreicht die ohnehin stark ausgeprägte Regulierungswut im Rahmen der öffentlichen Sündenbock-Präsentation erschreckende Dimensionen. Sogar die völlig unsinnige und für die Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte kontraproduktive Spekulationssteuer, ein alter Liebling der Neid-Politiker, steht wieder einmal auf der politischen Agenda. Dabei hat ein Großteil der Bevölkerung seit mehr als 10 Jahren an der Börse Geld verloren. Zumindest diese Menschen wissen, wie schwer es ist, erfolgreich anzulegen und zu spekulieren.
Versetzen Sie sich in die Lage eines Unternehmers. Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Geschäfte ist groß. Sie machen sich Sorgen über ihre Gehaltskosten. Sie haben Probleme, von ihrer Bank die üblichen Kredite zu bekommen. Ihre Kosten steigen aufgrund anziehender Rohstoffpreise und höherer Gebühren aller Art. Die Nachfrage nach ihrem Produkt ist rückläufig.
Als ob das noch nicht genug wäre, lesen sie ständig von geplanten Regulierungen und Gesetzen. Wie sich die Energiekosten entwickeln werden, wissen sie nicht. Aber sie wissen, dass die Staatsschulden durch die Decke gehen und dass staatliche Programme jeder Art fast immer mehr Geld verschlingen als ursprünglich geplant. Da sie nicht dumm sind, wissen sie natürlich, dass
höhere Staatsausgaben von ihnen und den anderen produktiven Mitgliedern der Gesellschaft bezahlt werden müssen. Entweder durch höhere Steuern oder durch Inflation.
Als vorsichtiger Kaufmann kommen sie zu dem Ergebnis, dass es vernünftiger ist, maßvoll zu investieren, sowohl in Produktionsanlagen als auch in Personal. Das ist die vernünftige Reaktion eines Praktikers, der mit beiden Beinen im Wirtschaftsleben steht, auf die massiven staatlichen Interventionen und die exorbitant steigenden Staatsschulden. Auf diesen Überlegungen basiert unsere vierte Prognose:
(Fortsetzung nächste Woche hier bei Investoren Wissen)
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger 2008 ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er immer wieder stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.
Wenn auch Sie erfahren möchten, wie Sie sich vor der Krise, die früher oder später wieder aufleben wird, effektiv schützen und sogar von ihr massiv profitieren können, oder Sie einfach die "Österreichische Schule" sehr interessiert: Der Verlag bietet ein besonderes Kennlern-Angebot für Sie an...