Unsere Prognosen für 2010 (Teil 3)
Claus Vogt, Martin Weiss (Chefredaktion "Sicheres Geld") in Investoren Wissen
vom 12. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5462
(Fortsetzung des Artikels vom 05.02.2010)
Prognose 4: Globale Ungleichgewichte werden weiter zunehmen
Global gesehen findet eine epochale Verlagerung wirtschaftlicher und politischer Macht von West nach Ost statt. Die Emerging Markets haben den Abstand zu den etablierten Industrienationen in Riesenschritten verringert. Vieles deutet darauf hin, dass dieser Trend anhalten oder sich sogar beschleunigen wird.
China auf dem Weg zur Weltmacht
In China ist die Industrieproduktion im November um 19,2% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, deutlich stärker als von den Volkswirten im Durchschnitt erwartet worden war. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 15,8%. Die Stromerzeugung schoss um 26,9% nach oben; das war der stärkste Anstieg seit fünf Jahren. Die Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 8,9%. China hat Deutschland erstmals vom Thron des Exportweltmeisters geschubst und ist mit Riesenschritten auf dem Weg, Japan vom Platz der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt zu verdrängen.
Im großen Bild scheint China weiterhin auf dem wichtigen Weg zu sein. Allerdings sehen wir aufgrund des extrem hohen Kreditwachstums der vergangenen 18 Monate erhebliche zyklische Gefahren. Schon sah sich die Notenbank widerwillig gezwungen, die geldpolitischen Zügel zu straffen. Auch China kann den grundlegenden ökonomischen Gesetzen nicht entgehen, auch China muss mit einem starken Konjunkturzyklus leben, nachdem das Land im vergangenen Jahr ein riesiges geld- und fiskalpolitisches Konjunkturprogramm aufgelegt hat. Der Beginn eines heftigen konjunkturellen Einbruchs, begleitet von einer Aktienbaisse, ist noch in diesem Jahr durchaus wahrscheinlich. Das wird aber nicht das Ende des langfristigen Aufstiegs Chinas sein.
Brasilien erschließt endlich sein fantastisches Potenzial
In Brasilien wurden im November 247.000 Arbeitsplätze geschaffen. Das waren fast 100.000 mehr als von den Ökonomen erwartet. Außerdem war es der beste November-Wert aller Zeiten. Die Regierung prognostiziert für 2010 die Schaffung von zwei Millionen neuen Arbeitsplätzen.
Das rasante Wachstum Brasiliens zieht nicht nur weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Auch Kapital wird dadurch angezogen. Ausländische Direktinvestitionen haben im Jahr 2009 Schätzungen zufolge 25 Mrd. Dollar betragen. Für 2010 werden sogar 45 Mrd. erwartet.
Brasilien hat nicht nur aufgrund seiner reichlich vorhandenen Bodenschätze ein geradezu traumhaftes Potenzial. Die seit vielen Jahrzehnten in dieses Land gesetzten Hoffnungen scheinen jetzt endlich Realität geworden zu sein. Wir sind der Meinung, dass Brasilien einen langfristigen Wendepunkt zum Besseren durchlaufen hat. Auch dieses Land ist auf dem Weg nach oben.
Auch in Indien und vielen anderen Länder hat die Reise in den Wohlstand längst begonnen
Die indische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2009 um 7,9%. Der Autoabsatz schoss im November gegenüber dem Vorjahr um 45,8% in die Höhe. Die Industrieproduktion stieg um 11,1%. Der Arbeitsmarkt hat sich deutlich belebt und ausländische Investitionen sind deutlich angesprungen. Ausländische Aktienkäufe beliefen sich auf 16,6 Mrd. Dollar, womit der Rekord des Jahres 2007 fast eingestellt wurde.
Indien zeigt mittlerweile alle Anzeichen einer langfristigen Wachstumsstory. Das riesige Land scheint durch China inspiriert worden zu sein und in dessen Spuren zu folgen, aber auf eine ganz eigene Weise. Indien ist bedacht darauf, nicht allzu sehr mit China in Konkurrenz zu treten, sondern seine Stärken dort auszuspielen, wo China bisher keine Ambitionen zeigte, insbesondere im Dienstleistungssektor.
Mit Indonesien, Vietnam oder Chile stehen weitere Erfolgsgeschichten am Beginn verheißungsvoller Entwicklungen. Mehr und mehr wird die Welt der Emerging Markets zu einer kritischen Masse, die irgendwann groß genug sein wird, um sich von der noch immer dominierenden Stellung Amerikas in der Weltwirtschaft abkoppeln zu können. Noch ist es nicht so weit. Falls Amerika und Europa den von uns befürchteten zweiten Akt der großen Krise beginnen sollten, werden sie den Rest der Welt erneut mit in den Abgrund ziehen.
Die Emerging Markets haben aber jetzt schon bewiesen, dass sie durchaus nicht mehr die Schwächlinge von einst sind, um die man sich besondere Sorgen machen muss, wenn Amerika Probleme hat. Sie haben unter der Krise der vergangenen beiden Jahre vergleichsweise wenig gelitten und haben sie – im Unterschied zu Europa und den USA – sehr schnell überwunden. Langfristig spricht alles für eine Fortsetzung dieser Wirtschaftswunder – die natürlich kein Wunder sind, sondern das Ergebnis einer positiven Bevölkerungsstruktur in Kombination mit einer immer freiheitlicher werdenden Ordnungspolitik im ökonomischen Bereich.
Herzlichst, Ihr
Claus Vogt
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger 2008 ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er immer wieder stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.
Wenn auch Sie erfahren möchten, wie Sie sich vor der Krise, die früher oder später wieder aufleben wird, effektiv schützen und sogar von ihr massiv profitieren können, oder Sie einfach die "Österreichische Schule" sehr interessiert: Der Verlag bietet ein besonderes Kennlern-Angebot für Sie an...
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