Unsere Prognosen für 2010
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 4. Februar 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
aufgrund eines wichtigen Tagestermins und ein dadurch sehr eingeschränktes Zeitfenster habe ich heute ausnahmsweise zwei Gastartikel für Sie statt nur einen. Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Artikel nicht als "Lückenfüller" verstehen würden, denn ich halte gerade den Inhalt von Herrn Vogts Text für sehr interessant und wichtig.
Beste Grüße
Unsere Prognosen für 2010 (Teil 1 von 3)
von Claus Vogt, Martin Weiss (Chefredaktion "Sicheres Geld")
Liebe Leser,
hinter uns liegen zwei extrem ereignisreiche Jahre. Die Aktienbörsen durchliefen eine atemberaubende Achterbahnfahrt. Die Weltwirtschaft erlebte den schlimmsten Einbruch seit der Weltwirtschaftskrise. Und die Regierungen reagierten mit der größten Bankenrettungsaktion aller Zeiten und den mit Abstand größten Konjunkturprogrammen, die es jemals gab – wenn man von den Weltkriegen absieht. In zahlreichen Ländern wurden wir Zeugen der schlimmsten je dagewesenen Immobilienbaisse, was in den USA zu massiven und bis dato undenkbaren Staatseingriffen in den Hypothekenmarkt und in den Immobilienmarkt führte. Erst stürzten die Aktienkurse dramatisch ab, dann schossen sie ab März 2009 nach oben – allerdings mit beängstigend geringen Umsätzen. Der
Dollarkurs reagierte auf die Krise mit schnellen Kursgewinnen – dann brach er ein auf neue Tiefs. Staatsanleihen erfreuten die Anleger zunächst mit schönen Kursgewinnen, bevor sie in 2009 ein Katastrophenjahr erlebten. Sogar Gold konnte sich den allgemeinen Kursverlusten nicht entziehen, zeigte aber ausgeprägte relative Stärke und stieg danach auf Allzeithochs.
Erneut steht uns ein sehr turbulentes Jahr bevor
Zwei wahrhaft ungewöhnliche und aufregende Jahre liegen also hinter uns. Allerdings befürchten wir, dass Sie bisher nur den ersten Akt einer Krise erlebt haben, die alles bisher Dagewesene in den Schatten zu stellen verspricht. Wenn wir mit dieser Prognose Recht behalten sollten, dann wird es für die meisten Anleger dramatische Verluste hageln – während sich für wenige vorausschauend Agierende durchaus attraktive Chancen eröffnen.
Wir möchten Ihnen daher heute unsere wichtigsten Prognosen für das Jahr 2010 vorstellen.
Prognose 1: Die Notenbanken werden die Gelddruckmaschine heiß laufen lassen
Vor der Notenbankära, die durch Alan Greeenspan eingeleitet wurde, herrschte selbst unter Notenbankbürokraten die einhellige Meinung, dass es ihre ureigenste Aufgabe sei, als Spaßbremsen zu agieren. Wenn es der Wirtschaft und den Finanzmärkten zu gut zu gehen begann und steigende Inflationsraten im Sinne von Warenkorbpreisen drohten bzw. sichtbar wurden, ergriffen sie Gegenmaßnahmen – gewöhnlich in Form von Zinserhöhungen.
Alan Greenspan entfernte sich zunehmend von dieser Notenbanker-Doktrin. Er, der unsägliche Opportunist, der um jeden Preis von allen geliebt werden wollte, war zu Opfern bereit, um sein egomanisches Ziel zu erreichen. Zu Opfern, die nicht er würde bringen müssen, sondern der kleine Mann. Entweder in Form einer von Spekulationsblasen zerrütteten Welt oder in Form von Geldentwertung – letztlich in Form von beidem.
Während Greenspans Amtszeit als Notenbankpräsident von 1987 bis 2005 verlor der Dollar offiziellen Angaben zufolge immerhin 42% seiner Kaufkraft. Seither kamen weitere 9 Prozentpunkte hinzu. Außerdem erschütterten zwei verheerende Spekulationsblasen Weltwirtschaft und Kapitalmärkte bis ins Mark.
Moderne Notenbanker zeigen sich unbelehrbar
Trotz dieser katastrophalen Ergebnisse der Politik des permanent billigen Geldes zeigen sich die derzeit amtierenden Notenbankbürokraten unter Führung von Ben Bernanke völlig unbeeindruckt. Unbeirrt halten sie an der Greenspan-Doktrin fest, die auf jede beginnende Krise mit dem immer hemmungsloseren Einsatz der Gelddruckmaschine reagiert. Gemessen an früheren Zeiten sind moderne Notenbanker außer Rand und Band.
Dabei stellt Bernanke seinen auch schon skrupellosen Vorgänger noch weit in den Schatten. Helikopter-Ben hat seinem Spitznamen alle Ehre gemacht. Seit Mitte 2008 hat er die Zentralbankgeldmenge (M-0) von rund 850 Mrd. Dollar auf aktuell 1.971 Mrd. Dollar mehr als verdoppelt. Ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ist ihm damit sicher. Damit macht der ausgewiesene Inflationist allerdings nichts anderes, als die Geldpolitik der vergangenen 15 Jahre konsequent fortzusetzen. Man kann sich nur wundern, was noch alles passieren muss, um diese schrecklichen Ökonomen zur Umkehr zu bewegen – oder wenigstens ins Grübeln zu bringen.
Medien und Publikum laufen wie Lemminge hinterher
Das vielleicht Überraschendste ist aber die Reaktion der Medien, des Publikums, der meisten Ökonomen sowie der Opfer dieser Politik. Ihre Hoffnungen ruhen auf den Verursachern ihrer Misere. Sie zeigen sich fest davon überzeugt, dass die Fed es dieses Mal schon richten werde, feiert die Täter gar als Retter der Welt und Männer des Jahres. Sie feiern den massiven Eingriff der Notenbank an den Hypothekenmärkten, wo die Fed als Käufer der letzten Instanz den Banken Schrottanleihen für hunderte von Mrd. Dollar abgekauft hat, als der Weisheit letzter Schluss. Sie glauben, die Fed verfüge, einem Wunder gleich, über eine sogenannte Exitstrategie, mit der sie ihre inflationäre Politik problemlos beenden könne, wenn sich die Krise in Wohlgefallen auflöst.
Wir halten diese Sichtweise für absurd. Es gibt keine schmerzfreie Exitstrategie – und die Notenbanker wissen das nur allzu gut. Sobald die Politik des extrem billigen Geldes beendet wird, werden die mit ihrer Hilfe unterdrückten Krisensymptome sofort wieder
erscheinen. Die Bürokraten werden die Zinsen erst dann erhöhen, wenn die Märkte sie zu einem Richtungswechsel zwingen.
Zu diesem Ergebnis muss wohl jeder kommen, der sich etwas näher mit Bernanke beschäftigt hat. Der hemmungslose Einsatz der Gelddruckmaschine bildet das Herzstück seiner geldpolitischen Philosophie. Er hat gewissermaßen die Bedienungsanleitung verfasst, wie man die Gelddruckmaschine einsetzen soll, um jeden ökonomischen Zusammenbruch zu verhindern. Er ist der festen Überzeugung, dass der größte Fehler der Notenbank während der 1930er Jahre darin bestanden hat, die Gelddruckmaschine nicht intensiv genug eingesetzt zu haben.
Fallen Sie nicht auf Rhetorik und Propaganda herein
Ja, die Notenbanker werden uns weiterhin versichern, dass sie ihr Hypothekenhilfsprogramm beenden werden, nachdem sie die geplanten 1.250 Mrd. Dollar an Hypothekenkreditanleihen aufgekauft haben. Und sie werden uns bestimmt auch die Beendigung ihres Swap-Programms mit ausländischen Zentralbanken in Aussicht stellen. Und natürlich werden sie Zinserhöhungen in Aussicht stellen, „sobald die Inflationsbekämpfung es gebietet“.
"An ihren Taten sollt Ihr sie messen", lautet unser Motto im Umgang mit der Fed und im Umgang mit Politikern. Ganz gleich, was die Bernankes dieser Welt versprechen, ganz gleich, wie viele Spekulationsblasen als Nebenwirkung seiner Geldpolitik entstehen werden – er wird immer neue Gründe finden, um seine inflationäre Politik fortsetzen zu können. Wir gehen davon aus, dass es in den kommenden Jahren nicht zu einer Rückbesinnung auf die Grundsätze seriöser Geldpolitik kommen wird. Daraus ergibt sich unsere zweite Prognose:
(Fortsetzung an dieser Stelle in der morgigen Ausgabe von Investoren Wissen)
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Claus Vogt ist institutioneller Anleger, Bestseller-Autor und Chefredakteur des Börsendienstes "Sicheres Geld". Herr Vogt hat die Krise frühzeitig vorausgesehen und wiederholt vor ihr gewarnt. Während viele Anleger 2008 ihr Portfolio stark schrumpfen sahen, empfahl er immer wieder stark profitable Kriseninvestments und zeigte seinen Lesern, wie sie sich effektiv absichern können.
Wenn auch Sie erfahren möchten, wie Sie sich vor der Krise, die früher oder später wieder aufleben wird, effektiv schützen und sogar von ihr massiv profitieren können, oder Sie einfach die "Österreichische Schule" sehr interessiert: Der Verlag bietet ein besonderes Kennlern-Angebot für Sie an...