Unschöne Realitäten
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 21. Juni 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
das Thema "Luftfahrtindustrie" habe ich Ihnen hier bei Investoren Wissen schon ein paar Mal vorgestellt.
Auch habe ich Ihnen darüber berichtet, was für äußert zweifelhafte Machenschaften hier noch unter der Oberfläche warten.
Bedenkt man nun, dass der Wettbewerb der Fluglinien untereinander ebenfalls immer härter wird, was natürlich zu Lasten der Rendite geht, so wundert es mich nicht, wenn man etwa in aktuellen Studien der Schweizer Bank UBS wörtlich liest:
"Der Handel mit Aktien von Fluggesellschaften kann Ihren Wohlstand gefährden."
Aber auch vor dem Hintergrund der nun wieder beginnenden Urlaubssaison ist es wohl sicher ganz spannend zu wissen, was in einem Flieger alles an hässlichen Überraschungen auf einen warten kann...
Die Problematik wird natürlich weiterhin von den entsprechenden Gesellschaften und auch den deutschen Behörden bestmöglich unter den Tisch gekehrt (ob hier der ein oder andere "Leihbeamte" entsprechend mithilft?), wie die entsprechenden, verlinkten Kurzbeiträge ja zeigen.
Ich bleibe daher weiter bei meiner Empfehlung: Von Luftfahrtaktien lasse ich als Investor definitiv die Finger. Gleiches empfehle ich Ihnen auch.
Kommen wir zu einem weiteren "schönen" Thema:
Das Finanzsystem stand vor wenigen Wochen kurz vor dem Zusammenbruch
Auf diversen unabhängigen Internetseiten war es im Mai nahezu in "Echtzeit" zu lesen, doch im Bereich der deutschen "Qualitätsmedien" schwieg man wieder mal weitgehend und enthielt so den eigenen Lesern mal wieder die Wahrheit vor. Mein Kollege Martin Stephan und ich hatten Sie jedoch hier bei Investoren Wissen darauf hingewiesen:
Just im Mai 2010, also vor einigen Wochen erst, hatte Angela Merkel u.a. wieder mal die Chefredakteure der überregionalen Tageszeitungen im Kanzleramt hinter verschlossenen Türen versammelt. Damals schrieb ich Ihnen:
Werden wieder die "kritischen Schotten" in der medialen Titanic dicht gemacht, wie schon damals 2008, als die Medienlandschaft sich trotz des Systemcrashs, der nur noch Stunden entfernt war, großteils in Schweigen hüllte und wider besseren Wissens die Massen beschwichtigte?
Bald werden wohl auch wir deutlich schlauer sein...
Und wer hätte es gedacht? Überraschung!
Genau so war es wohl, wie kürzlich etwa der "Spiegel" nachträglich berichtete.
Auf die "seriöse Tageszeitung" und weitere "Qualitätsmedien" ist wieder mal bester Verlass. Wie immer, wenn es um wirklich wichtige Themen geht. Anstatt jedoch einfach nur den Mund zu halten, konnte es etwa genau der oben besagte "Spiegel" nicht lassen, Anleger, die sich Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems machen, nahezu zeitgleich mit entsprechend geistig verwirrten Sektierern gleichzusetzen und sich über diese lustig zu machen.
Welche Lektion ergibt sich für Sie hieraus als Anleger? Die Krise ist keinesfalls vorbei, auch wenn Frau Merkel und ihre lausigen Auftragsschreiber in manch einer Redaktionsstube Ihnen dies gerne vormachen würden.
Denken Sie weiterhin an Ihre Absicherung, ignorieren Sie den Unsinn, der Ihnen aus manch einem abgehalfterten "Qualitätsmedium" entgegenströmt und kaufen Sie weiterhin physische Edelmetalle. Aber auch hier sollten Sie aufpassen...
Physisches "Papiergold" und weitere Luftnummern
Nachdem das Thema Gold immer beliebter wurde im Zuge dieser Krise, sahen natürlich auch diverse Banken und Investmentgesellschaften ihre Chance, auf den Zug aufzuspringen.
ETFs, "Goldzertifikate" und mit Gold "besicherte" Papierchen drängten sich immer weiter auf den Markt.
Schon oft schrieb ich Ihnen, dass Sie sich darüber im Klaren sein müssen, was Sie möchten. Wenn Sie kurz- bis mittelfristig auf den Goldpreis spekulieren möchten, sind diese Papiere sicher ganz nett; als ein Investment zur Krisenvorsorge kann ich nur davor warnen.
Ich gehe davon aus, dass sich in einigen Edelmetall-ETFs nicht im Ansatz einmal das Gold befindet, was dort sein soll. Ebenfalls halte ich die oftmals angebotene "Auslieferungsoption" bei derartigen ETFs und Papieren für bestenfalls teuer und ineffektiv. In den meisten Fällen handelt es sich bei solchen Varianten lediglich um Scheingarantien, was man durch einen entsprechenden Blick ins Prospekt oft schon selbst lesen kann.
(Fortsetzung im zweiten Artikel, siehe unten)
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Stefan (21.06. 2010 17:29 Uhr):
Zu "Zusammenbruch des Finanzsystems vs. Verschwörungstheorien" Es gibt meist mehrere Seiten einer Medaille - auch der von Ihnen abgehalfterte Spiegel-Artikel hat seine Berechtigung. Ich erhalte ständig E-Mails, die dem Euro nur noch Tage oder Wochen geben, häufig mit schreienden Titeln mit Bucstaben in Bildzeitungsgröße. Und verbunden mit der einzigen Rettung - einen Börsenbrief zu abonnieren, der dann auch oft einen "passenden" Titel wie z. B. "Crash-Investor" trägt. Auch Prechter, der seit langem eine schwere Deflation und - mal was anderes - den Zusammenbruch des Goldpreises prognostiziert, will natürlich seine Hefte verkaufen...
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (21.06. 2010 21:47 Uhr):
Stefan, da stimme ich Ihnen natürlich etwas zu. Nur finde ich Ihren Vergleich nicht ganz passend: In einem Fall handelt es sich klar um Direct Marketing (Crash-Investor, Werbemails etc.) und Direct Marketing hat nun mal an sich, dass manche Botschaften überspitzt und sehr exponiert dargestellt werden. Magazine wie in diesem Fall der Spiegel beanspruchen aber für sich eine entsprechende Seriösität, Sachlickeit und behaupten auf diesem Level den Leser zu informieren. Da sind solche Vorkomnisse aus meiner Sicht deutlich anders zu bewerten als das, was Sie ansprechen. Recht gebe ich Ihnen natürlich, dass man die Dinge generell nicht so einfach schwarz-weiß sehen kann. Dennoch glaube ich passt Ihr Vergleich nicht ganz. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (21.06. 2010 21:47 Uhr):
- Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (21.06. 2010 18:41 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn! Schon wieder ein erstklassiger Beitrag. Vielen Dank! Meine Frage (wohl eher eine poetische Frage): Wo ist die Pressefreiheit geblieben, und fühlen sich die Veranwortlichen bei Spiegel et Co. nicht verantwortlich für die Verschleierung der Wahrheit, bzw. für die Irreführung der Leserschaft. Kann hier nur Marc Faber hier mal zitieren: Das Ende dieser Gesellschaft ist botwendig und unausweichlich, damit wir wieder in einer ehrlichen und guten Gesellschaft leben können. Nochmals vielen Dank auch für Ihren Mut, mit freundlichen Grüßen:
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