Unlösbare Insolvenz
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. Januar 2012, 07:30 Uhr
ENL5454
Immer wieder löst Europa seine Schuldenprobleme...und jedes Mal werden sie überhaupt nicht gelöst. Die Renditen italienischer Anleihen steigen zwischenzeitlich wieder. Und Griechenland verhandelt über eine Zahlungsunfähigkeit. Sie wollen eine nackte, laute Pleite verhindern...deshalb verkaufen sie das als "freiwillig" oder "soft".
Aber es kann nicht verhüllt werden, dass Griechenland Rechnungen hat, die es nicht bezahlen kann. Am 20. März muss es 14,4 Mrd. Euro haben, und in den Monaten darauf weitere Milliarden. Das sind mehr als 6% des BIPs der Griechen. Das wäre so, als ob die USA eine Billion Dollar zahlen müssten.
Wo soll das Geld herkommen? Von der EZB? Dem IWF? Den Deutschen? Vielleicht.
Aber Schritt für Schritt beginnen sogar die Helfenden zu realisieren, dass dies ein Problem ist, dass sich nicht so einfach lösen lässt. Griechenland hat zu viele Schulden. Ungefähr 100 Mrd. Euro davon müssen weg gehen, oder das Land wird nie solvent sein. Das deutsche Magazin der Spiegel schrieb dazu sinngemäß, dass die Lage in Bezug auf Griechenland offensichtlich hoffnungslos sei. Es wäre besser, wenn das Land den Euro aufgeben würde und seine Auslandsschulden in Drachmen umwandeln würde, als dauernd nach neuer Hilfe zu betteln und sich selber auf anhaltende Unterstützung einzustellen.
Die Gläubiger und die Schuldner treffen sich, und sie versuchen herauszufinden, wer die Verluste übernimmt. Das ist ein bisschen wie eine Scheidung. Wenn jeder kooperiert, dann kann das alles ziemlich reibungslos über die Bühne gehen. Wenn nicht, dann könnte es ein Desaster sein. Die daraus folgenden Turbulenzen könnten nicht nur die Kurse griechischer Staatsanleihen einbrechen lassen...sondern auch die von Italien, Spanien...und sogar Frankreich.
Überall in den OECD-Ländern ist das Verhältnis von Schulden zu BIP deutlich gestiegen, im Durchschnitt auf 100%. Dies macht diese Länder alle verletzlich. Zu 5% Zinsen müssen diese Länder nun ein Zwanzigstel ihres Outputs für Zinszahlungen verwenden. Und wenn solche Staaten nur 20% des BIP als Steuereinnahmen haben, dann bedeutet das, dass sie dafür ein Viertel ihrer Steuereinnahmen verwenden müssen. Wenn die Zinsen nicht steigen, mag das gehen.
Aber wenn die Defizite dann weiterhin schneller steigen als das BIP, dann ist die Situation hoffnungslos. In Amerika z.B. steigen die Schulden drei Mal so schnell wie die Wirtschaft, welche zugrunde liegt. Bereits jetzt sind viele der großen Banken in Europa und den USA wahrscheinlich insolvent. Ohne künstliche Unterstützung durch die Politik würden die wahrscheinlich keine Krise überleben können.
Das Problem ist: Die Politiker können keine wirkliche Unterstützung geben. Denn die meisten Nationen der entwickelten Welt sind selber insolvent. Sie können umverteilen...aber sie würden einen Käuferstreik in Bezug auf ihre Anleihen nicht überleben.
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Tommy Rasmussen (20.01. 2012 11:08 Uhr):
"Das Problem ist: Die Politiker können keine wirkliche Unterstützung geben." Weil: Es ist nie genug Geld da, um ausstehende Schulden zu begleichen, weil alles Geld in Form von Krediten durch die Geschäftsbanken geschöpft wird, und diese nur die Kreditsumme schöpfen, aber nie die bis zur Rückzahlung des Kredits fälligen Zinsen. Der Staat kommt deshalb – wie alle – immer mit mehr Geld aus, aber nie mit weniger. Jeder Schuldner benötigt immer mehr Geld, das er jemand anderem abjagen muss, um die nicht mitkreierten Zinsen aufzubringen. Zinsen erfordern deshalb immer neue und weitere Kredite.
Antworten - Kommentar von Rudolf Gitzinger (20.01. 2012 11:10 Uhr):
Griechenland soll Kreta an die EU verkaufenund mit dwem Erlös die Schulden begleichen.Rückkauf evtl ermöglich !
Antworten - Kommentar von CRL (20.01. 2012 12:25 Uhr):
Es war im April 2010 evident, daß Griechenland seine - durch euro.Euphorie ausgelösten - Probleme a Besten über Rückkehr zur Drachme lösen könnte - wirhaben es gesagt, bes. Sarkozy hat widersprochen. Vor 3 Tagen hat Fitch den Bankrott als unumgänglich gemeldet, aber unsere Politiker haben die Nachricht schnell unterdrückt! Kam nie wieder...
Antworten - Kommentar von Peter Buchen (21.01. 2012 14:53 Uhr):
die Verschuldung der meisten EURO-Statten ist um ein Vielfaches höher als ausgewiesen, weil gesetzliche Zahlungsverpflichtungen im Staatshaushalt nicht als Schulden gezeigt werden. Diese nicht gezeigten Zahlungsverpflichtungen müssen aber gezahlt werden, nicht nur von Griechenland, sondern von fast allen Staaten ebenso, wobei EURO-Bonds ein politisch einfache Lösung ist, weil nämlich alle für alle zahlen, der einzelne Schuldner sich hinter der Gemeinschaft verstecken kann. Hier genau liegt der Grund, warum auch Deutschland am Ende den EURO-Bonds zustimmen wird. Die bislang noch zögerliche Haltung der Kanzlerin ist nur für's dumme Publikum. Das Ergebnis wird massives Gelddrucken sein, sowie massive Inflation.
Antworten - Kommentar von Monetenmann (23.01. 2012 15:29 Uhr):
Wenn sich die Beteiligten nicht dumm anstellen, wird immer gezahlt. Das heutige Geldsystem kann theoretisch nicht mehr insolvent (also zahlungsunfähig) werden. Aber das Geld wird so stark entwertet werden, dass ein Haircut notwendig und unausweichlich wird. Nicht vergessen: Dieses System ist nicht nur durch Staatspleiten bedroht. Es sind unzählige andere Finanzkonstrukte unterwegs, die sofort gigantische Zahlungsausfalltsunamis erzeugen könnten (z.B. Derivate). Lange geht's nicht mehr. Vermutlich wird Krieg die US-Anleihen nochmal beflügeln...
Antworten
ENL5454