Unliebsame Überraschungen…
Martin Weiss in Investors Daily
vom 25. September 2006 18:00 Uhr
ENL5454
In der vergangenen Woche trat der Dax den Rückwärtsgang an. Am Freitag schloss der Leitindex gar wieder unter der Marke von 5900 Punkten.
Einige überraschende Faktoren zeichneten für diese Entwicklung verantwortlich. Am Wochenschluss waren es schließlich äußerst schwach ausgefallene US-Konjunkturdaten (rückläufiger Phili-Fed-Index), die den Markt in die Knie zwangen. Weder der Putsch in Thailand, noch die Unruhen in Ungarn und auch nicht die zunehmende Instabilität der großen Koalition in Deutschland vermochten es zuvor nicht, den europäischen Markt aus der Bahn zu werfen.
Hinzu kommt, dass in Europa an der Konjunkturfront immer mehr Gewitterwolken aufziehen. So ist der ZEW-Index auf ein Sieben-Jahres-Tief gefallen. Gut möglich, dass auch der ifo-Geschäftsklima-Index, dessen September-Veröffentlichung am 26.9.06 ansteht, negativ überraschen wird. In der Tat dürfte im Jahr 2006 die deutsche Konjunktur den Höhepunkt der Wachstumsdynamik erreichen, ehe 2007 in Folge der Steuererhöhungsorgie ein herber Dämpfer droht.
Noch immer ist es sehr verwunderlich, dass das Thema Rezession kaum thematisiert wird. Ähnlich wie nach der Mehrwertsteuererhöhung im Jahr 1993 ist es nicht wirklich unrealistisch, dass Deutschland im kommenden Jahr in eine Rezession abgleitet. Neben einer schwächeren Auslandsnachfrage könnten weitere EZB-Zinserhöhungen den ohnehin schwachen Konjunkturmotor zum Abwürgen bringen, zumal von der Binnennachfrage weiter kaum Impulse zu erwarten sind. Ob nun ein Zuwachs bei den Unternehmensinvestitionen einen Absturz ins Konjunkturtief verhindern kann, bleibt ungewiss.
Nicht nur in Deutschland dürfte das Jahr 2007 ein extrem schwieriges werden. So stehen in den USA rund zwei Billionen Dollar Immobilienkredite zur Refinanzierung an. Ob die Verbraucher vor dem Hintergrund eines immer mehr zur Schwäche neigenden Häusermarktes gestiegene Finanzierungskosten noch stemmen können, ist höchst fraglich.
Einzig positiv für die Konsumenten sind die momentan rückläufigen Öl- bzw. Gaspreise. Kurzfristig könnte es gerade beim Öl noch ein wenig weiter abwärts gehen, sollte es an der geopolitischen Front ruhig bleiben.
Eine unliebsame Überraschung gab es auch für die Investoren des Hedge-Fonds Amaranth, der binnen kürzester Zeit sechs Milliarden Dollar (vor allem aufgrund fehlgeschlagener Wetten am Gasmarkt) verzockte. Gerade vor dem Hintergrund rückläufiger Rohstoffpreise ist es nicht ausgeschlossen, dass weitere Hedge-Fonds-Krisen anstehen. Anders formuliert, das Weltfinanzsystem könnte vor heftigen Belastungsproben stehen und die scheinbar heile Papierwelt am Rand des Abgrunds stehen.
Für den Fall der Fälle ist es daher nahezu unverzichtbar, Gold auch physisch zu besitzen. Dabei verhält es sich ähnlich wie mit einer Feuerversicherung. Man hofft, dass man sie nicht braucht, ist aber für den Fall der Fälle froh, dass man sie hat.
Trotz der jüngsten Stabilisierung am Goldmarkt könnte durchaus noch ein Test der 570 bzw. 550 Dollar-Marke anstehen. Möglicherweise könnte aber vor dem Hintergrund des Auslaufens der Goldverkäufe (Washington Agreement) der Notenbanken für das Jahr 2005/2006 der Goldpreis in den nächsten Tagen positiv überraschen. Im Gegensatz zu all den unliebsamen Überraschungen…