Unkonventionelles Öl - Tiefseeöl
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. August 2006 20:45 Uhr
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Der Engpass auf dem Rohölmarkt
Bei aller berechtigter Kritik an BP muss man berücksichtigen, dass der aktuelle Engpass auf dem Rohölmarkt vor allem auf das Konto der staatlichen Ölkonzerne geht. Im Economist erschien in der letzten Woche ein interessanter Artikel. Demnach befinden sich 90 % der Rohölvorkommen in der Hand von staatlichen Ölunternehmen wie der saudischen Aramco, der mexikanischen Pemex oder der venezuelanischen PDVSA. Die Lösung des Ölversorgungsproblems sieht "The Economist" daher in der Privatisierung der Ölkonzerne. In diese Richtung läuft zum Beispiel die kolumbianische Regierung.
Doch auch diese Medizin dürfte nur kurzzeitig Entspannung bringen, denn eine kurzfristige Anhebung der Förderung dürfte die Lebensdauer der Felder erheblich einschränken.
Der weitere Verlauf der langfristigen Rohölpreise
Die Einschätzungen über den weiteren langfristigen Verlauf der Ölpreise werden immer noch sehr kontrovers diskutiert. Entscheidend finde ich aber nicht die Frage, ob uns tatsächlich das Öl ausgeht oder nicht, sondern vielmehr welches Öl zu welchen Förderkosten gefördert werden kann.
Meine Antwort auf diese Frage ist relativ einfach. Zurzeit stammen über 90 % des geförderten Rohöls aus den bereits vor 30-40 Jahren entdeckten Ölquellen. Die leicht förderfähigen Ölvorkommen wurden von 1950-1970 entdeckt.
Das Problem der OPEC
Immer wieder wird von den Pessimisten darauf verwiesen, dass die Ölvorkommen der OPEC noch rund 50-70 Jahre halten könnten. Doch diese Schätzung hat einen Haken. 1985 entschied die OPEC nämlich, dass die festgelegten Förderquoten an die Reserven der jeweiligen Länder gekoppelt werden müssten. Der Irak fing bereits während seines Krieges mit dem Iran an seine Schätzungen für die Ölreserven nach oben anzupassen, von 1988-1990 folgten weitere Länder mit dem gleichen Schritt. (siehe Grafik)
Quelle: Wikipedia
Sie können sich also relativ sicher sein, dass diese potenziellen Ölvorkommen tatsächlich nur auf dem Papier existieren und nicht in der realen Welt.
Neuvorkommen sind teuere Ölsorten
Demnach beschränkten sich die neuen Ölvorkommen auf hochschwefelhaltige Ölsorten, deren Verarbeitung zu Ölprodukten wie Benzin sehr viel aufwendiger und teurer ist sowie die Tiefseevorkommen. Beide Ölvorkommen besitzen wesentlich höhere Förderkosten. Pi mal Daumen kostet die Förderung der einfach zu fördernden Ölsorten, auch konventionelles Öl genannt, rund 3-5 US-Dollar je Barrel. Unkonventionelles Öl aus der Tiefseeförderung, kanadischem Ölsand oder der Kohleverflüssigung besitzen jedoch Produktionskosten zwischen 20-30 US-Dollar je Barrel.
Potenzial der Tiefseeförderung
Gerade die Tiefseeförderung steht vor einem enormen Boom. Allein in den letzten 12 Monaten stiegen die Bauprojekte im Tiefseebereich um mehr als 50 % auf insgesamt knapp 100 solcher Projekte. Die meisten davon im Golf von Mexiko, Westafrika und in Lateinamerika Insgesamt vermuten die Analysten von Wood Mackenzie, dass mit rund 180 Milliarden Barrel rund 1/3 der unentdeckten Ölvorkommen im Tiefseebereich liegen. Das hört sich erst einmal nach viel an. Doch wenn Sie bedenken, dass die gesamte jährliche Ölförderung bei knapp 30 Milliarden Barrel liegt, so reichen diese Tiefseevorkommen gerade einmal aus um die Weltnachfrage für 6 Jahre zu befriedigen. Da die entsprechenden Bohrinseln und Schiffe extrem teuer sind müssen Tiefseequellen auch relativ schnell ausgebeutet werden.
Experten der Ölindustrie schätzen deshalb, dass der Höhepunkt der Tiefseeölförderung bereits im Jahr 2014 erreicht werden könnte und dies obwohl der Boom erst jetzt angefangen hat.
Die Tiefseeförderung ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein
Sie müssen als Anleger deshalb durchaus unterscheiden zwischen den unzweifelhaft vorhandenen und teilweise riesigen Investitionschancen im Tiefseebereich und dessen gesamte Auswirkung auf den Ölsektor im Gesamten, den ich trotz des Potenzials als relativ gering einstufe.
Ihr
Andreas Lambrou
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