United Airlines insolvent – Lufthansa Aktien leiden mit
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 09. Dezember 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Ich hatte bereits Freitag davon berichtet, heute hat nun die Airlines Group, Mutterkonzern der US Fluggesellschaft United Airlines, Insolvenz angemeldet. Das war so auch erwartet worden. Der Konzern sucht damit Gläubigerschutz nach US-Recht, da er nicht in der Lage ist, Schulden in Höhe von 1 Mrd $ zu bezahlen. Gemäß dem bekannten "Chapter Eleven" – Kapitel Elf des US-Insolvenzrechts – kann die Fluggesellschaft weiterfliegen, wenn sie gleichzeitig eine Sanierung des Unternehmens vorantreibt.
United Airlines ist weltweit die zweitgrößte Fluggesellschaft. Damit ist diese Firmenpleite die größte Insolvenz einer Fluggesellschaft aller Zeiten. United litt unter dem Anschlag des 11.Septembers, aber auch unter sinkenden Passagierzahlen und der zunehmenden Konkurrenz der Billigfluglinien.
Die Aktie der deutschen Lufthansa (WKN (823212) verlor im Zuge dieser Nachricht auch heute wieder, sie gab um 1,32 % auf 10,46 € ab. Lufthansa ist im Luftfahrtbündnis "Star Alliance" Partner von United Airlines.
Unter anderem haben die Billigfluglinien der United Airlines schwer zu schaffen gemacht. Wie Sie vielleicht wissen, erwarte ich genau den gleichen Effekt auch in Europa. Die Billigfluglinien werden den Markt mit immer neuen Angeboten langsam aber sicher "abwürgen". Die Konkurrenz ist groß. Leiden werden die großen Konzerne. Auch wenn ich der Lufthansa zutraue, einer der Firmen zu sein, die letztlich davon profitieren werden, so kann es zwischenzeitlich doch zu weiteren Kursverlusten kommen.
Deutlich merkt man, dass sich die Analysten bemühen, die Schwäche der Lufthansa "wegzureden". So wird z.B. die Meinung vertreten, dass die aktuellen Tarifverhandlungen die Lufthansa nicht belasten werden. Sollte es zu einem Streik kommen, sehe ich das allerdings ganz anders. Auch habe ich gelesen, dass ein Irakkrieg die Lufthansa deswegen nicht belasten würde, weil diese nicht so viele Langstrecken fliege, wie andere europäischen Fluglinien.
Leider wird ein Kurs aber nicht von solchen Überlegungen, sondern vielmehr von der Angst und der Gier der Anleger getrieben. Beide Argumente sind inhaltlich vielleicht sogar richtig, für den Kursverlauf allerdings ist die Psyche der Anleger bestimmender. Lassen Sie sich also nicht in die Irre führen. Die Lufthansa ist zur Zeit einfach zu gefährlich, mag sie noch so ein hohes Erholungspotential haben.