Ungewöhnlicher Cocktail an positiven Meldungen drückt den Ölpreis
Profit Radar
vom 05. Oktober 2006 19:00 Uhr
ENL5454
Ich möchte nicht wissen, wie Herr Hunter derzeit schläft. Denn Hunter, in der Branche als Zocker bekannt, hatte massiv auf steigende Gaspreise gesetzt – und als diese fielen, kollabierte sein Hedge-Fonds und in 7 Tagen reduzierte sich das Vermögen des Amaranth-Fonds nach neuesten Zahlen von 10 Mrd. US$ auf jetzt nur noch 5 Mrd. US$. Amaranth musste seine Long-Positionen natürlich in die fallenden Kurse hinein schließen, was den Gaspreis noch weiter unter Druck brachte und auch auf den Ölsektor abfärbte.
Nehmen Sie dieses Feuerwerk an positiven Meldungen und mixen es mit Hedge-Fonds, die sofort pro-zyklisch mit Short-Spekulationen auf die fallenden Ölpreise aufgesprungen sind (Sie erinnern sich an meinen Profit-Radar über die neue Variable - hier sehen Sie diese in Aktion) und wir haben einen Cocktail der jedem Ölbären bestens schmeckt.
Einen weiteren interessanten Punkt machte mein Börsenkollege Jochen Steffens, mit dem ich mich letzte Woche abends auf einen Drink traf. Nach seiner Meinung sind die amerikanischen Kongresswahlen in den USA ein gewichtiger Grund, warum die Ölpreise fallen. Ich stimme ihm hier teilweise zu. Tatsächlich geht es den Amerikanern bei Wahlen immer nur um eines: Wie haben sie mehr Geld in der Tasche? Politische Ideologien oder Programme spielen bei dem durchschnittlichen Amerikaner höchstens die 2. Geige.
Und wo spüren die autoverliebten Amerikaner besonders ob die Preise steigen oder fallen? Natürlich an der Zapfsäule. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die Republikaner um George Bush die befreundete Öllobby um Unterstützung gebeten haben, um vor den Wahlen die Preise zu drücken und so ein bessere Klima unter den Wählern für die amtierende Regierungspartei der Republikaner zu machen.
Wenn Jochen Steffens und ich hier Recht haben, dann müssten die Ölpreise nach den Wahlen wieder steigen. Wir werden sehen. Allerdings ist das nicht der alleinige Grund. Es gibt in dieser Konstellation einige Einmaleffekte, die so nicht kalkulierbar waren. So wie die außergewöhnlich milde Hurrikan-Saision. Die kann auch Präsident Bush nicht beeinflussen. Es sei denn, Sie glauben, dass George W. Bush in ein Bärenfell gekleidet, bunt bemaltem Gesicht und einer Medizinmann-Trommel in der Hand im Weißen Haus laut singend um die amerikanische Fahne tanzt und für mildes Wetter im Golf von Mexiko betet. Ich wünsche Ihnen schon mal von dieser Stelle aus ein schönes Wochenende.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi