Und wieder neue "Rettungen" / Marktbetrachtung

Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom


 

Liebe Leser,

kaum ein Wochenende vergeht, bei dem ich nicht kopfschüttelnd und etwas sprachlos über diversen Nachrichtenmeldungen aus dem Bereich Wirtschaft sitzen muss. Kürzlich las ich einen Bericht der Financial Times Deutschland, dass nun auch die amerikanischen Versicherer ihre Milliardenpakete von der US-Regierung erhalten werden. Betroffen sind laut dem Bericht z.B. Lebensversicherer wie Hartford.


Stück für Stück werden also immer mehr die Reste der freien Marktwirtschaft vernichtet, anstatt diese sich einfach bereinigen und somit die Krise hinter uns zu lassen. Der Präzedenzfall ist - was den Marktinterventionismus angeht - schon längst geschaffen, der Weg zurück verbaut und je schlimmer die wirtschaftliche Krise wird, desto mehr Firmen aus den verschiedensten Sektoren werden bei den "Druckermeistern" anklopfen. Genau vor diesem Szenario haben die Anhänger der österreichischen Schule immer wieder gewarnt und wurden dafür ins Lächerliche gezogen.

Grassiert die wirtschaftspolitische Dummheit bereits derart weit, dass man glaubt jeden "retten" bzw. jedem "Hilfskredite" zur Verfügung stellen zu können? Oder geht es nur um die Erhaltung des eigenen Politikerpostens - koste es, was es wolle? 

Wen interessieren heutzutage eigentlich noch derart banale und langweilige Worte wie "Haushaltsstabilität" oder "Überschuldung" der BRD bzw. der USA? Bestimmt ist es dann doch auch völlig unbezeichnend und belanglos, dass seit 1983 erstmalig in der Finanzlage der USA im April ein Defizit vorherrscht, obwohl gerade dies der Monat ist, in dem in der Regel nicht unerhebliche Steuereinnahmen einlaufen? Letztes Jahr wurde in diesem Zeitraum noch ein Überschuss von 159,3 Milliarden US-Dollar erzielt; dieses Jahr beträgt das Defizit 20,9 Milliarden US-Dollar. Weit mehr als allerseits prognostiziert...   

Von der labilen Lage der amerikanischen Notenbank FED möchte ich an dieser Stelle gar nicht anfangen; dies wird Gegenstand eines weiteren Artikels.

Keiner sollte am Ende sich dazu hinreißen lassen zu sagen, dass die Anzeichen nicht lange im Vorfeld erkennbar waren.

 

Während in den USA weiter "gerettet" wird...

hat unser (vom marktführenden Boulevard-Blatt der BRD aufgrund seiner widerholten, verbalen Ausfälle als "Pöbel-Peer" titulierter) Finanzminister anscheinend ganz andere Probleme. Noch am 18. Januar 2009 verkündete er, als er zum Thema bzw. zur Idee einer "Bad Bank" befragt wurde, laut der Tagesschau:

Wie soll ich mit einem solchen Vorschlag vor den Deutschen Bundestag treten? Das Publikum würde uns für verrückt erklären.

Außerdem könne er sich dies "ökonomisch und vor allem politisch nicht vorstellen".

In anderen Worten: Die Idee einer "Bad Bank" ist etwas für Verrückte bzw. kommt aus dem Hirn eines Verrückten?

Interessanterweise erschien jedoch kürzlich in den Medien, dass Herr Steinbrück nun sein Konzept für eine "Bad Bank" ins Kabinett eingebracht habe (Na sowas?).

Prompt erschienen bei zahlreichen Internet-Bloggern und Nachrichtenseiten hämische Schlagzeilen wie "Es ist offiziell: Steinbrück ist verrückt!" oder sinngemäß, dass Herr Steinbrück mit seinen eigenen Worten nun bestätige, er sei verrückt.

So weit möchte ich natürlich keinesfalls gehen und ich distanziere mich auch von solchen Artikeln. Jedoch zeigen Vorgänge wie der hier geschilderte relativ eindrucksvoll, wie kurzlebig bzw. gar wertlos politische Aussagen in Zeiten wie dieser Krise sind.  

Dies mag einerseits daran liegen, dass diese Krise einfach eine sehr hohe Eigendynamik hat, was politische Entscheidungsprozesse, die bekanntlich ja eher langwierig laufen, vor große Herausforderungen stellt. Andererseits sollten Sie natürlich nicht vergessen, dass dieses Jahr eine nicht unerhebliche Reihe von Wahlen stattfinden, denn bekanntlich sind besonders in solchen Zeiten Wahrheitsliebe und Realismus nicht gerade Tugenden, die unter Politikern weit verbreitet sind.

Die "Licht am Ende des Tunnels"-Meldungen (z.B. "Das Ende der Talfahrt der Wirtschaft ist absehbar." etc) dürften meiner Erwartung nach proportional zur zeitlichen Annäherung an die Wahltermine ansteigen. Dumm nur, dass dieses Licht wohl das des weltweit entgegenrasenden "Schulden-ICEs" sein dürfte. Welch Enttäuschung für alle die Anleger, die nach wie vor an den wirtschaftlichen Endsieg durch die "Wunderwaffe" Gelddruckmaschine glauben bzw. auf diesen hoffen und immer noch nicht verstehen, dass der Hauptteil dieser Krise erst noch in den nächsten Monaten und Jahren auf uns zukommt, gerade wegen der Druckmaschine...

 

Worauf ich hinaus möchte

Egal, ob es "Rettungen" sind oder sonstige politische Maßnahmen bzw. leere Versprechungen: Alles läuft darauf hinaus, dass wir wohl ein "Weiter so, wie bisher" von Seiten der Politik erleben dürften. Die tatsächlichen Probleme und Ursachen der Krise werden nicht bekämpft und wir drehen uns munter im Kreis, während die Lage immer weiter eskaliert (selbst der deutsche Bankenverband sieht inzwischen starke Preissteigerungen auf uns zukommen...). Eine Marktbereinigung wird mit allen Mitteln von der Politik verhindert, obwohl diese nicht das Übel, sondern die Lösung und das Heilmittel wäre. Somit steht die Politik einem Ende der Krise im Weg. Erst, wenn man von diesem völlig außer Kontrolle geratenen Wahnsinn ablassen wird, gibt es eine wahre Chance auf Besserung. Bis dahin wird man alles nur noch viel schlimmer machen, als es nötig wäre. 

Ich kann Ihnen daher nur erneut raten, die eigene Vorsorge nicht zu vernachlässigen. Physische Edelmetalle gehören m.E. in jede Absicherungsstrategie, u.a. da sie eins der wenigen Investments ohne klassisches Gegenparteienrisiko sind.

Auch der von den meisten Massenmedien mit dem üblichen und breiten Schweige-Kartell belegten Bilderberg-Konferenz vom Wochenende in Griechenland (es gibt nur wenige Ausnahmen) traue ich für diese Probleme keine ernstzunehmende Lösung zu; selbst wenn sich dort die selbsternannte westliche "Elite" aus Politik, Wirtschaft und Medien alljährlich heimlich und natürlich nur rein "privat" versammelt und die Köpfe für mehrere Tage zusammensteckt. Da die detaillierten Inhalte der Konferenzen allerdings nie durch die Teilnehmer preisgegeben werden, kann nur darüber spekuliert werden, was man wohl in diesem abgeschotteten "Zirkel" (und damit am jeweiligen Souverän der entsprechenden Politiker natürlich vorbei, denn weder Parlamente noch Öffentlichkeit erfahren hiervon mehr) zu besprechen haben könnte, welche Rolle die anwesenden Medienvertreter, Meinungsmacher und Journalisten hierbei spielen bzw. warum man die jeweiligen Völker nicht über die Inhalte der Gespräche informiert. Die Wirtschaftskrise dürfte jedoch ein Hauptthema sein.

(Wer mehr hierzu wissen möchte bzw. sich dafür interessiert, welche bekannten Namen an diesem Treffen teilgenommen haben, kann ja entsprechend die Suchmaschine seiner Wahl befragen und recherchieren. Für die Ergebnisse, die teilweise auch unerfreulich unschön ausfallen können, kann ich allerdings keine Verantwortung übernehmen).


Kommen wir zu den Märkten:

 

Die Märkte zum Wochenbeginn

Ein klein wenig mehr Marktschwäche und wir hätten die vergangene Woche mit einem Reversal im NYSE BPI beendet; doch es sollte nicht sein. Der Index schloss letzten Freitag bei 68.37 Punkten. Hiermit fehlen noch 0.37 Punkte für das Erreichen einer neuen O-Spalte, was ein deutlich erhöhtes Marktrisiko symbolisieren würde: 

Aktueller P&F Chart des NYSE BPI

Abb.: P&F Chart des NYSE BPI  

 

 

Der P&F Chart des VIX erscheint hingegen noch eher etwas langweiliger. Zwar stieg der VIX am Freitag an, jedoch verhält sich der Kurs des Index insgesamt noch eher etwas zaghafter:

 

Aktueller P&F Chart des VIX 

Abb.: P&F Chart des VIX  

 

Als Fazit lässt sich also festhalten, dass wir die letzte Woche einen großen Schritt in Richtung Marktwende vollzogen haben. Die letzten Bestätigungen hierfür fehlen aber noch und solange diese nicht vorliegen, bleibt die Situation in einigen Bereichen prinzipiell offen.

 

Beste Grüße und einen guten Start in die Woche,

 

Alexander Hahn

 

 

 

 




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