Und wieder einmal seitwärts
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 22. April 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Man kann die aktuellen Bewegungen im Dax mit einem Wort beschreiben: Nervig! Seit 12 Tagen befinden wir uns wieder in einer Seitwärtsbewegung zwischen ca. 3980 und 4080. Das ist eine Spanne von ca. 2 1/2 %.
Noch nerviger ist, dass der Dax damit wieder in der Seitwärtsbewegung vom Anfang des Jahres gefangen ist. Ich weiß zwar, dass ich bereits Ende letzten Jahres eine Seitwärtsbewegung prognostizierte, aber eigentlich hatte ich mit einer etwas größeren Spanne gerechnet. Eine 2 1/2 % Spanne ist kaum vernünftig zu traden. Und so verwundert es nicht, dass die meisten meiner Trader-Kollegen etwas genervt wirken – in letzter Zeit.
Nur die Anschläge in Spanien hatten die Seitwärtsbewegung bisher unterbrochen. Wie es weitergeht? Solche Seitwärtsbewegungen sind grundsätzlich wenig aussagekräftig, was den weiteren Verlauf anbetrifft. Sie geben selten Auskunft darüber, ob sie nach oben oder nach unten verlassen werden. Ebenso wenig ist zu erkennen, wie lange sie anhalten. Nur eins steht fest, bei so kleinen Spannen ist die Bewegung zumeist ziemlich heftig, sobald die Seitwärtsbewegung verlassen wird.
Was mich einmal interessieren würde, wie würden Sie reagieren, wo sind Sie investiert, wenn Aktien seitwärts laufen und welche Erfahrungen haben Sie mit alternativen Anlagen wie Fonds (Rentenfonds, Immobilienfonds), Devisen, Unternehmens- oder Staatsanleihen, Zertifikate, ADRs (American Depositary Receipts), Rohstoffe, vielleicht sogar Schweinebäuche oder Münzen oder ganz anderen Anlagenformen gemacht. Wenn Sie Lust haben, schreiben Sie mir doch einmal etwas dazu.
Und in die USA:
Alan Greenspan hat gestern eine Zinserhöhung angekündigt, gleichzeitig kein Signal für eine Zinserhöhung in den nächsten Monaten gegeben. Mit anderen Worten, die Zinsen werden erhöht, nur wann, das bleibt unklar. Eigentlich müssten die Märkte nach dieser Ankündigung nun so langsam die Zinserhöhung einpreisen, denn die Börsen nehmen schließlich die erwartet Zukunft vorweg. Dass es jedoch nicht zu weiteren Kurseinbrüchen kam, lag lediglich an dem Beige Book, das auf eine gestiegene Wirtschaftsaktivität in den USA hinwies. Gerade der Einzelhandel habe besonders zugelegt. Das war, nach den gestiegenen Einzelhandelsumsätzen, zu erwarten. Die Begründung hatte ich hier geliefert.
Und deutliche Anzeichen für inflationäre Tendenzen sind zu erkennen. So konnten die Verbraucherpreise zwar moderat zulegen, die Preise zahlreicher Waren und Vorprodukte legten jedoch deutlich zu. Das wird sich natürlich bald auch auf die Preise umsetzten müssen.
Damit wäre der "richtige" Zeitpunkt die Zinsen leicht anzuheben: Jetzt! Denn, wie Sie vielleicht wissen, eine Zinserhöhung wirkt sich erst mit einer Verzögerung von bis zu 6 Monaten auf die Wirtschaft aus. Doch ich fürchte, wir werden auf eine Zinserhöhung noch eine Zeit warten müssen, vielleicht sogar eine längere Zeit.
Von außen betrachtet hat Alan Greenspan den perfekten Zeitpunkt gewählt, um das Wort "Zinserhöhung" in den Mund zu nehmen, denn das Beige Book federte gestern größere Verluste ab, die amerikanischen Märkte stabilisierten sich.
Und genau das ist das Thema an den Märkten. Zinserhöhungsängste deckeln den Markt nach oben ab, gute Unternehmenszahlen und Konjunkturdaten stützen den Markt von unten. Dem Markt bleibt nichts anderes übrig, als seitwärts zu laufen.
Deutlicher reagierten die Devisen und die Rohstoffe. So ist Silber zum Beispiel vom Hoch bei 8,45 Dollar um 30 % auf jetzt 6,15 Dollar eingebrochen. Aber auch der Euro ist kurz unter die 1,18 Dollar gefallen und Gold versucht bei 390 Dollar einen Boden zu finden, ob es gelingen wird, ist noch nicht auszumachen.
Kurzer Nachtrag zu Puma: Wie gesagt, gegen so einen starken Trend shortet man nicht. Puma hat die 206 Euro überwunden und steht heute deutlich im Plus. Die Umkehrsignale wurden nicht bestätigt.