Und wieder das "böse Deutschland"?
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 12. November 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe so langsam wirklich genug davon.
Als es damals in Griechenland zu den ersten offensichtlichen Verwerfungen im Bereich der dortigen Krise kam, zeigte man vielerorts mit dem Finger auf Deutschland und versuchte, dort die Schuld zu finden für die selbstgemachte Misere im sozialistisch erfolgreich heruntergewirtschafteten Land. Gleichzeitig sollte Deutschland allerdings auch den Geldbeutel öffnen und diverse "Rettungspakete" bereit machen. Versteht sich ja von selbst...
Nun wiederholt sich das Spiel scheinbar. In Irland steht der Staat de facto nach der eigenen verfehlten Politik vor der Pleite. Und natürlich ist auch hier das böse Deutschland mit schuldig an allem Übel der Welt, denn man habe "die Märkte aufgescheucht", da sich Frau Merkel herausgenommen habe, öffentlich in die Diskussion zu bringen, zukünftig bei Staatspleiten auch die privaten Gläubiger zur Kasse zu bitten. Welch ein Unding! Ein Anleihenhalter soll tatsächlich Risiko in seinem Geschäft haben und dazu gezwungen werden, vorher zu überprüfen, ob sein Schuldner auch bonitätsmäßig in Ordnung ist, und ggf. die Konsequenzen tragen, wenn dieser ausfällt? Unzumutbar und unmenschlich! Das kann doch niemand wirklich fordern? Risiko bei kapitalistischen Geschäften? Wo kämen wir denn da hin, wenn das plötzlich jeder machen würde? Undenkbar. Am Ende hätten wir ja noch echten Kapitalismus statt Sozialismus für den Bankensektor und den "Geldadel". Das kann doch keiner wirklich wollen, oder?
Aber "retten" wird sicher auch hier wieder der deutsche Steuerzahler dürfen (natürlich für den massenmedial dauerberieselten und schlafenden Michel elegant als EU-Aktion maskiert), wenn der finanzielle Exitus bei den irischen Staatsanleihen in weitere Nähe rückt, was aktuell nahezu zu 100% sicher ist.
Es darf wohl auch hier mit weiteren Geldverschenkungsaktionen seitens der BRD gerechnet werden. Wir haben es ja dicke sitzen und können Europa alleine durchschleppen (Portugal können wir ja gleich mitretten, wenn wir schon dabei sind). Ein paar neue Steuern für den Michel für den "guten Zweck" (vielleicht auf das hochgefährliche "Todesgas" CO2? Wie wäre es?) und alles wird wieder gut! "Vater Staat" wird es schon richten. Nur niemals Dinge in Frage stellen. Brav weiter auf das Sparbuch und in die Bundesanleihen mit dem Geld. Wird schon alles wieder .... kommt am Wochenende nicht ein toller Film im Fernsehen? Oder wie wäre es mit einem Wochenend-Shoppingtrip auf Konsumentenkredit?
Währenddessen hat sich natürlich die Lage in Griechenland nicht verbessert und neben der Korruption steigt die Arbeitslosigkeit dort stetig immer weiter. Welch Überraschung!
Doch nicht nur dieser PIIG-Staat hat seine eigenen Ideen, wer für was welche EU-Gelder zahlen sollte. Auch in Italien geht man mit EU-Geldern offenbar auf sehr "unorthodoxe" Weise um...
Ich weiß nicht, wie lange der deutsche Steuerzahler sich dieses irre Treiben weiterhin freiwillig ansieht bzw. dieses finanziert, aber mich beschleicht das Gefühl, dass die Sanduhr in dieser Sache zu einem großen Teil bereits abgelaufen ist.
Wenn die EU tatsächlich weiterhin zu vollwertigen Transferunion umgebaut wird (wie es ja aktuell scheint), dann dürfte ihr das mittel- und längerfristig mit Sicherheit überhaupt nicht bekommen.
Wir dürften wahrlich "lustigen" Zeiten entgegen sehen, was den Euro und die EU angeht.
Darüber lachen werden allerdings höchstens die Rohstoff- und Edelmetallpreise. Der Bond-Markt sicherlich nicht...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Jörg Meyer (12.11. 2010 16:26 Uhr):
Glückwunsch Herr Hahn! Endlich traut sich jemand die Wahrheit über die scheinheilige Zwangsgemeinschaft mit ihrer künstlichen Währung zu schreiben. Übrigens ärgere ich mich auch schon lange über all meine Steuern, nein nicht nur weil ich viel zahle, sondern weil es in falsche Kanäle fließt. Gerne bin ich bereit in Gesundheit, Infrastruktur, Bildung und alles was mit Nachwuchs zu tun zu investieren. Aber sicher nicht in Prestigeprojekte im Osten, während im Ruhrgebiet die Schulen auseinanderfallen und Strassen überfüllt sind. Und noch mehr regt der Transfer ins EU Ausland auf, weil einige Staaten nicht wirtschaften können, hier ist einfach mehr Eigenverantwortung gefragt. Aber das muss im fast sozialistischen Deutschland komisch klingen. Zumindest habe ich mir eine Hedge Strategie angeeignet: Um mich nicht zu ärgern falls doch wieder die PIIGS gerettet werden von meinem Geld will ich wenigstens mitverdienen, deshalb kaufe ich genau diese Bonds mit Laufzeit bis 2013, danach wird sogar uns vermutlich irgendwann das Geld ausgehen, aber in dem Falle gibt ja noch Gold und Silber. MfG Jörg Meyer
Antworten - Kommentar von Volker gerull (12.11. 2010 17:00 Uhr):
hallo herr Hahn, So geht es sicher Vielen, die sich so ihre Gedanken machen.Nach meiner Ansicht sollte sich gleichwohl die kanzlerin zurückhalten.Die Geschicht lehrt, dass es unserem Land noch nie bekommen ist, wenn es sich zu selbstbewußt gezeigt hat.gerade die zeit gegen Ende des 19.ten Jh.zeigt, dass ein aufstrebendes wirtschaftlich stark werdendes Deutschland der englischen Politik gefährlich wurde.Dementsprechend gestaltete England seine Politik und Deutschland wurde bald isoliert.Da unsere Verantwortliche Politiker nicht fähig genuug waren oder dies nicht durchschauten ( vielleicht blieb es ihnen verborgen ) und Bismarks komplizierte Rückversicherungspolitik, auch mit Rußland, keine Fortsetzung fand, nahm das Schicksal seinen Lauf.Das Ende ist bekannt und wer dann folgte und verbrecherisch zu Werke ging ebenso.Die EU bietet aufgrund der jüngsten Entwicklung auch nur eine vermeintliche Sicherheit.Klugheit ist angebracht.Selbst wenn es weh tun sollte.
Antworten- Antwort von Rettich (13.11. 2010 08:39 Uhr):
Die Deutschen lassen sich in Sachen Steuern, staatlicher Bevormundung und Gesetze alles bieten, eine ablaufende Sanduhr sehe ich da nicht.. Bereits bei der Euroeinführung war das, was folgen würde, jedem denkenden Menschen klar, ein heutiges Aufbegehren also inkonsequent.. Ob Medien, ob Intellektuelle, alle erklären unisono, die Steuern sind zu niedrig, obwohl die Steuereinnahmen selbst in der Krise von Rekord zu Rekord eilten. Wir benötigen viel mehr, vor allem für (zumindest offiziell) Bildung, obwohl andere Staaten ihre Lehrer viel schlechter entlohnen, dafür aber besser bei Pisa abschneiden.
- Antwort von Rettich (13.11. 2010 08:39 Uhr):
- Kommentar von kai becker (12.11. 2010 23:02 Uhr):
Es war ja sicher kein Zufall, dass das "Rettungspaket" für den Euro am 8. Mai verabschiedet wurde - ein "würdiges" Gedenken des 65jährigen Jahrestages. Aber, zu Ihrer These, dass der deutsche Steuerzahler"irgendwann genug hat" - hat er m.E. schon lange (jedenfalls die Minderheit, die überhaupt ihr Hirn zum Denken benutzt) - und was dann? Seit ich denken kann, werden die wesentlichen Entscheidungen gegen den offenbaren Willen der Mehrheit gefällt - einvernehmlich von allen "demokratischen" Parteien. Soll ich jetzt die NPD wählen oder was? Herr Sarrazin war leider nicht bereit, eine Partei zu gründen, und ansonsten ist ja wohl nichts in Sicht. Oder haben Sie eine Idee? MfG
Antworten - Kommentar von Bredenow (13.11. 2010 09:39 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, vielen Dank für diesen und ähnliche Artikel. Ich sehe diese Dinge genauso, allerdings bei weit weniger Fachkompetenz. Aber ich frage mich, welche Konsequenzen ich aus diesem nicht zu verhindernden katastrophalen Desaster ziehen soll. Da sitze ich nun wie das Kaninchen vor der Schlange- No way out!? Es graust mich vor der Zukunft meines Sohnes. MfG Rainer Bredenow
Antworten - Kommentar von w kuhn (13.11. 2010 11:22 Uhr):
hallo, verfasser und kommentatoren, denkt eigentlich mal jemand daran, dass dies alles von noch weiter "oben" diktirt wird ? kennt noch jemand den bis heute nur "ausgesetzten" morgenthauplan ?? servus, w.kuhn
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- Kommentar von Dr H U Dummersdorf (13.11. 2010 11:37 Uhr):
Lieber Herr Hahn, Sie treffen mit Ihrem Kommentar wieder einmal ins Schwarze. Wenn viele so wie wir denken würden, dazu gehört natürlich ökonomisches Wissen oder zumindest etwas gesunder Menschenverstand, wäre die Welt eine andere und die, quasi ausnahmslos durch politische Eingriffe verursachten Krisen, wie die Finanzkrise, Griechenland- und EU-Krise etc. würden in dieser Form nicht auftreten. Statt volkswirtschaftlich richtiger Maßnahmen, wie Staatsbankrotte zulassen, wird die nächste gefährliche kreditfinanzierte Krise, die Anleihenkrise, vorbereitet. Niemand sollte von total überschuldeten Staaten, wie auch Deutschland, mehr eine Anleihe kaufen. dann würde man der inkompetenten Politik den Schmierstoff für ihren Wahn entziehen.
Antworten - Kommentar von Ralf Wunschick (13.11. 2010 16:37 Uhr):
Ohne Tempolimit mit Vollgas in die Inflation - mal sehen, wem man dann die Schuld gibt ... Schlimm finde ich nur, dass sich unsere Regeirung ganz offensichtlich im Sinne einer "einigen Europäischen Union" an solchem Irrsinn beteiligt. Auf diesem Wege katalputiert sich Europa, Deutschland eingeschlossen, auf das Level einer Bananenrepublik. Und so taugt der Euro wofl irgendwann nur noch als Tapete ...
Antworten - Kommentar von sevenseals (15.11. 2010 17:21 Uhr):
Alles alles was ich übrig habe wird in Gold und Silber investiert. Dann können die ruhig mit ihrem Spielgeld weiterspielen. Ist eh alles nur ein Spiel, nur leider haben die meisten das noch nicht erkannt und sind unbewusste Mitspieler, und diese werden leider die Verlierer sein.
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