Und wie weiter? Die US-Börsen im Chart
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 18. Juni 2007 07:30 Uhr
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Lassen wir hier für heute den Dax mal beiseite. Der hatte ja den extremsten Anstieg und so auch das Meiste für die zu verlieren, die auf eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung oder zumindest eine Seitwärtsbewegung in engem Rahmen unterhalb 8.150 gesetzt hatten. Es darf daher nicht überraschen, dass wir hier die heftigsten Käufe sahen.
Doch um zumindest einen Versuch zu wagen herauszubekommen, ob diese für die Rettungsrallye in den USA und Europa aufgewendeten Mittel auch investiert bleiben oder in den kommenden Tagen teilweise wieder in Bargeld verwandelt werden, kann man nur zweierlei tun:
Zwei Wege, in die Zukunft zu blicken ...
Zunächst in die Köpfe der Entscheidungsträger blicken. Das ist knifflig. Denn auch diese werden sich erst mal ansehen wollen, was die anderen tun (denen es nicht anders geht). Sollte es also den transparenten Entscheidungsträger-Schädel geben – wir würden voraussichtlich nichts darin sehen. Ich gehe sogar soweit zu unterstellen, dass das bei einigen wenigen sogar immer der Fall ist – aber das gehört nicht hierher.
Bleiben als zweite Möglichkeit nur die Charts, die Hinweise geben könnten, in welche Richtung die großen Adressen tendieren könnten. Sehen wir uns zunächst den Dow Jones an, den ich zuletzt weniger oft gezeigt hatte:
Dow und S&P: Bullish mit kleinen Mängeln
Es ging im selben Tempo wieder rauf wie zuvor runter. Das ist zunächst untypisch, aber durch diesen Verfalltermin letzten Freitag erklärbar. Nun ist also eigentlich fast alles wieder wie zuvor. Der Index notiert nur noch 0,3% unter seinem vor zwei Wochen markierten Allzeithoch auf Schlusskursbasis. Ein Katzensprung. Der MACD liegt zwar unter seiner Signallinie, das war aber beim Allzeithoch vor zwei Wochen auch schon der Fall. Und der 20 Tage-Durchschnitt und der März-Aufwärtstrends sind wieder zurück erobert. Alles bestens ...
Gleiches gilt für den marktbreiten Standard & Poors 500. Hier ist ebenfalls der 20 Tage-GD wieder überwunden und sogar ein Mini-Doppeltief vollzogen worden (dessen rechnerisches Kursziel um 1.542 aber schon fast erreicht wurde). Am Freitag stieg der S&P sogar bis auf einen halben Punkt an das bisherige Allzeithoch auf Schlusskursbasis vom 4. Juni heran. Nur ...
... er schloss nicht dort. Ebenso wie der Dow Jones gaben die Kurse im Handelsverlauf wieder ein Drittel der Tagesgewinne ab und tickerten ohne jede Dynamik ins Wochenende. Natürlich heißt das für heute noch nicht viel. Aber es deutet zumindest an, dass nach der erfolgreichen Rettungsaktion „Schieflage Verfalltermin“ kein großes Interesse mehr da war, einzusteigen. Und das so nahe an den bisherigen Hochs? Das ist zumindest verdächtig.
Heute und morgen werden wieder mal entscheidend
Ich fürchte, mit dem sicheren Blick in die Zukunft kann ich auch heute nicht dienen. Aber ich meine, es wird sich heute und morgen entscheiden. Wenn nun stehenden Fußes neue Käufe auftreten und zugleich diejenigen, die jetzt bis zur Halskrause mit Long-Positionen voll sind, keine Bestände reduzieren, werden wir neue Hochs markieren und die Rallye weitergehen – vor allem mit Blick auf das Quartalsende und das Window Dressing der Fonds ...
... wobei Zinsen und Öl diesem Szenario Knüppel zwischen die Füße werfen können. Klar ist, meine ich, dass das Problem der Inflations-Gesamtraten denen, die hier an den dicken Fäden ziehen, voll bewusst ist. Es geht also nur darum:
Wenn Zinsen und Öl nicht hurtig wieder runterkommen und zugleich die Konjunktur sich in den USA stabilisiert, bleiben die Probleme erhalten. Und dann kann es nur um die Frage gehen, ob die Aktienkurse früher oder eben später einbrechen.
Später, wenn heute und morgen erst mal nichts dazwischenkommt und keine größeren Verkäufe auftreten. Früher, wenn eben dies passiert oder die Anschlusskäufe ausbleiben. Es ist müßig, denke ich, dass ich jetzt irgendwelche Quoten dafür ausgebe. Erstens, weil ich sowieso 50:50 sagen würde, weil ich keine Ahnung habe und es auch nicht wissen kann. Zweitens, weil wir es in wenigen Stunden sowieso alle wissen werden!
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
The Daily Observer

