Und Sie versuchen es immer und immer wieder!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 12. Dezember 2006 18:00 Uhr
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Warten aufs Christkind, so kommt mir das Warten auf die Fed-Entscheidung vor. Wobei ich eigentlich nicht damit rechne, dass die Fed ihr Statement groß verändern wird. Dazu besteht überhaupt nicht der Bedarf. Warum soll die Fed nun die Märkte aufscheuchen, oder schon Zinssenkungen ankündigen oder klar machen, dass sie nicht kommen? Das wäre alles höchst gefährlich.
Das Beste, was sie machen kann, ist doch möglichst wenig zu sagen und erst noch weitere Daten abzuwarten. Dann kann sie sich ein besseres Bild davon machen, wie sich die US-Wirtschaft und der Dollar entwickelt, wie es sich auswirkt, dass sie im Sommer die beständige Erhöhung der Zinsen ausgesetzt hat. Vielleicht erinnern Sie sich an meinen Chart zu den Zinsen, die Märkte können auch bei einem Zinsniveau von um 5 % durchaus weiter laufen. Also auch hier besteht keine Notwendigkeit. Das Ganze wird höchstwahrscheinlich ein Non-Event.
Bis zu dem Einbruch des Dollars in den letzten beiden Tagen, nach dem starken Anstieg der vorigen Woche, hatte ich noch überlegt, ob die Fed hier eine kleine Andeutung unauffällig einfließen lassen würde, um den Dollar so etwas zu stützen. Im Moment besteht auch hier nicht mehr die Notwendigkeit, auch wenn ich vermute, dass die Dollarschwäche nach der Fed-Sitzung kurzfristig weiter gehen wird.
Ich bin gespannt, wie die Märkte auf die Fed-Sitzung reagieren. Es besteht ein gewisses Enttäuschungspotenzial. Die Märkte hoffen schließlich auf einen Hinweis in Richtung Zinssenkung im nächsten Jahr. Auf der anderen Seite zeigen die Märkte nicht an, dass viele davon ausgehen, dass es zu einer solchen Andeutung kommt, ansonsten wären die Kurse im Vorfeld deutlicher gestiegen. Also wird auch das Enttäuschungspotenzial verhalten ausfallen. Zu einem anderen Thema:
Ein neues Börsencomputersystem
Die Nachrichtenagentur Reuters plant eine neue Zukunft für das Börsengeschäft. Sie will nun ein Handelsystem entwickeln, welches eigenständig Finanznachrichten studiert, diese anschließend auswertet und aufgrund der Auswertung Entscheidungen für den Handel ableitet.
Kurz, die Computer sollen nun auch die Finanznachrichten als Grundlage ihrer Anlageentscheidung nutzen, bisher haben sie lediglich die Kursverläufe nutzen können. Dass die Computer die durchaus wichtigen und relevanten Nachrichten nicht beurteilen und in ihre System integrieren konnten, war immer wieder zu Recht bemängelt worden.
Droht uns nun, dass die Computer den Menschen als Trader ersetzen, so die Frage in einem bekannten Online-Magazin?
Altes Spiel mit den Computern
Ach, wie oft haben wir diese Frage nun schon lesen müssen. Ich erinnere mich an die vielen Hoffnungen und Ideen, als die ersten Computersysteme entwickelt wurden. Wie groß war die Freude, endlich das chaotisch anmutende Auf und Ab der Börsen in eine Ordnung bringen zu können. Schließlich konnten Maschinen doch wesentlich schneller all die relevanten Kursdaten berechnen und analysieren, als der Mensch.
Doch all die düsteren Prophezeiungen haben sich nicht bewahrheitet. Eher das krasse Gegenteil. Der Computer hat die Menschen nicht verdrängt, sondern vielmehr dazu beigetragen, dass noch viel mehr Menschen als vorher an dem Börsengeschehen teilnehmen. All die Voraussagen in den 80er und 90ern, der Mensch würde durch den Computer verdrängt, haben sich nicht bewahrheitet, sie werden es auch nie tun. Aber immer wieder und wieder hört man von neuen Ansätzen in diese Richtung.
Es müssen falsche Entscheidungen getroffen werden
Wir stellen uns vor, immer mehr Markteilnehmer würden durch solche Computer ersetzt, Computer, die alle relevanten Daten verarbeiten und dann zu entsprechenden Schlüssen kämen. Müssten sie nicht alle zu den gleichen Schlüssen kommen? Nur welcher Computer verkauft dann dem anderen noch seine Positionen, wenn ein Einstiegssignal generiert wurde? Gewinnen dann immer die schnellsten Computer? Nur, wenn zu viele schnelle Computer existieren, wer verkauft dann noch? Werden dann nicht etwa die langsameren Computer doch die besseren Renditen erzielen? Es ist immer das gleiche Spiel: An den Börsen muss verloren werden, es müssen „falsche“ Entscheidungen getroffen werden, damit richtige Entscheidungen getroffen werden können und Geld gewonnen wird.
Der Mensch ist dem Computer an den Börsen noch überlegen
Ich stelle mir vor, wie die Computer ohne Emotionen sich gegenseitig bekämpfen. Ich wette, wenn wir das erleben, dann wird ein normaler Mensch, der sich diesen Kampf anschaut und ihn versteht, extrem gute Chancen haben, Gewinne zu machen. Das wäre typisch für die Börse, ist aber ein ganz anderes Thema.
Ein Beweis der eigenen Unfähigkeit
Reuters will nur seinen Nachrichtenstrom besser vermarkten. Käufer werden sich sicherlich finden. Besonders diejenigen, die frustriert sind und mit dem eigenen Handel nicht genug Geld oder nur Verlust erwirtschaften. Früher war es die Black Box, die man teuer verkauft hat, heute kann jeder mit etwas Übung ein solches halbwegs vernünftiges Computerhandelssystem programmieren. Nun werden es die Nachrichten sein, die man per Computer auswerten wird. Denn damit haben viele große Probleme und das zurecht.
Wenn ich mir nämlich ansehe, wie schwierig es ist, die richtigen Interpretation der verschiedenen Unternehmens- wie Konjunkturdaten zu finden, glaube ich nicht, dass hier ein Computer zu sinnvollen Ergebnissen findet. Wenn Sie den Investor's Daily seit längerer Zeit verfolgen, dann wissen Sie wie unterschiedlich je nach Marktlage, mentaler Verfassung der Marktteilnehmer, aktuellen Themen in den Medien (siehe Inflationsangst im Sommer), die gleichen Nachrichten zu verschiedenen Zeiten aufgefasst werden. Wie soll ein Computer das alles berücksichtigen, ohne kreative Intelligenz? (die Computer schließlich nicht haben – noch nicht) - ich denke, das ist Unsinn.
Zufall oder nicht?
Komisch, ich kenne persönlich keinen Trader, der langfristig erfolgreich mit einem automatischen Computerhandelssystem gearbeitet hat, aber einige die sehr erfolgreich ohne solche Systeme arbeiten. Das mag ein Zufall sein.
Meiner Erfahrung nach funktionieren die verschiedenen automatischen Handelssysteme immer nur in bestimmten Trendphasen. Das eine im Aufwärtstrend, das andere besser im Seitwärtstrend, das dritte am besten in Abwärtstrends. Aber in den jeweils anderen beiden Trendphasen versagen sie kläglich. Und wenn ich erst einmal entscheiden muss, in was für einem Trend ich mich befinde, dann brauche ich doch auch kein Handelssystem mehr, oder sehe ich da was falsch?
Zum Markt:
Meine Wachsamkeit steigt. Ich will endlich klarere Zeichen, dass diese Konsolidierung ein Ende findet. Im Moment warte ich nach wie vor darauf, dass der Dow seine Hochs bei 12350 nach oben nimmt, oder der Dax die 6500 Punkte Marke. Im Moment gibt es erste Hinweise auf eine Seitwärtsbewegung des Dows unterhalb dieser Marke. Auch ein kleines Doppeltop unter dieser Marke wäre denkbar, obwohl der Umsatz nicht eindeutig darauf hinweist. Trotzdem, das gefällt mir nicht. Aber warten wir ab, was nach der Fed passiert.
